Familie Wottke aus Scheeßel beweist in ihrem Garten eine kreative Ader

Kunterbunt und viel Persönlichkeit

Kathrin Wottke und ihr Mann Tobias haben ein Händchen fürs Außergewöhnliche. „Wir leben ja auch nach dem Prinzip der drei A‘s – anders als andere“, sagt das Paar.
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Kathrin Wottke und ihr Mann Tobias haben ein Händchen fürs Außergewöhnliche. „Wir leben ja auch nach dem Prinzip der drei A‘s – anders als andere“, sagt das Paar.

Scheeßel – Gartenzwerge, das kann jeder. Und mal ehrlich: In Mode sind die kleinen, Zipfelmütze tragenden Gnome nun auch wirklich nicht mehr. Für Kathrin Wottke (45) und ihrem Mann Tobias (47) wären solche Figuren zur Gartenzierde auch viel zu einfältig. Und wenn hier und da doch ein bärtiges Männchen aus dem Gebüsch hervorlugt, befindet sich das bei ihnen in allerbester Gesellschaft. Chinas einstiger Kaiser Qín Shihuángdis, dessen Grabanlage die weltberühmte Terrakotta-Armee schmückt, hätte zu Lebzeiten wohl an all den keramischen, bunt bemalten Objekten, die das etwas andere Kleinod des Scheeßeler Paares schmücken, Gefallen gefunden – auch wenn Tonkrieger hier (noch) nicht zum Repertoire gehören. Stattdessen regiert hinter dem Wottke‘schen Haus an der Feldstraße der schöne Kitsch – mit Fröschen und Fischen, Pelikanen und Fliegenpilzen, Walrössern und Sichelmonden, einer „dicken Uschi“, die das Bad in der Wanne zu genießen scheint und noch so vielem mehr. Wer entlang der gepflegten Blumen- und Kräuterbeete spaziert, wähnt sich in einem Märchenwald. „Wir sind schon ein bisschen bekloppt“, räumt Kathrin Wottke schmunzelnd ein. „Aber genau deshalb haben wir auch so eine kreative Ader und den Hang zur Perfektion.“

Begonnen habe der „ganze Wahnsinn“, wie sie es nennt, vor vielen Jahren mit einem Besuch im Künstlerdorf Worpswede. Dort habe sie vor einem Geschäft ein großes, mit Blumen bemaltes Terrakotta-Schwein erspäht. „Das war richtig hässlich und sollte unverschämterweise auch noch 500 Euro kosten – da habe ich zu meinem Mann gesagt, dass ich das besser hinbekommen würde.“

Und sie da: Schon bald hielten bei den Wottkes die ersten, per Hand eigenverzierten Schweine Einzug. „Ich fand es blöd, wenn die irgendwo farblos nur herumstehen – das passte auch nicht hierher.“ Erst durch den richtigen Pinselanstrich seien die Figuren so zum Leben erweckt worden. Und jedes Exponat, sagt Wottke, sei ein echtes Unikat.

So auch die an Pfählen angebrachten Tonmasken. Die haben die 45-Jährige und ihr Göttergatte sogar komplett selbst geschaffen. „Tobias und ich machen seit einiger Zeit bei einem VHS-Töpferkurs mit – da kommt so etwas dabei heraus.“ Und stolz zeigt der Hausherr auf einen Pelikan, den er ebenfalls schon selbst getöpfert habe.

Die Ideen, ihr Reich so individuell wie möglich zu gestalten, würden den beiden jedenfalls nicht ausgehen. Nur von der Stange dürfe es eben nicht sein. „Ich bin auch irgendwie ein geiziger Mensch“, sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes aus erster Ehe. „Wenn ich über Kunsthandwerkermärkte schlendere, denke ich mir immer: Das kannst du doch auch.“

Und so beschränkt sich die kreative Vielfalt schon längst nicht mehr nur auf den Außenbereich. Nein, auch im Haus findet sich allerlei Selbstgewerkeltes, darunter eine zur Lampe umfunktionierte Kübelspritze, ein mit Glitzerknöpfen gerahmter Spiegel, selbst genähte Kissen, halbierte Flaschen, die ihr Dasein nun als Teelichter fristen und ein aus alten Obstkisten hergerichteter Couchtisch. „Ach, und da sind ja auch noch meine sixtinischen Möpse“, deutet Wottke auf die an Loriot angelehnten Tiere, die ebenfalls ihrer Töpferleidenschaft entsprungen seien. Wie dazu die vielen, mit dem „Hardrock-Café“-Emblem versehenen Cappies, Pins und T-Shirts passen? „Das ist so ein Sammeltick vom mir und wäre sicher noch mal eine eigene Geschichte wert“, meint Tobias Wottke, der, wenn er nicht gerade daheim werkelt, in der Windkraft-Branche arbeitet.

Für viele Scheeßeler ist Kathrin Wottke keine Unbekannte, steht sie doch schon seit vielen Jahren hinterm Postschalter im örtlichen Edeka-Markt. „Ich denke mal, die meisten hätten mir eine solch kreative Ader gar nicht zugetraut.“, Mittlerweile habe sie sich nebenbei auch noch mit einem eigenen Online-Shop selbstständig gemacht. „Unsere Freunde meinten immer schon, wir könnten solche Sachen doch auch verkaufen.“ Unter dem Namen „Ideenlicht“ bietet das Paar bei Etsy und Instagram unter anderem eigengefertigte Lampen aus altem Eichenholz an. „Das war für eine alte Frau wie mich schon eine echte Herausforderung, so etwas im Internet erst mal einzurichten“, gesteht die Scheeßelerin.

Am Ende des Rundganges stellt sich dem Reporter noch eine wichtige Frage. Die trägen, übergroßen Ton-Frösche draußen – irgendwie kommen sie ihm bekannt vor. Aber woher nur? Kathrin Wottke lacht. „Das war eine Tierschutzrettungsaktion aus dem Beeke-Bad!“ Eigentlich hätten die Figuren verschrottet werden sollen. „Die waren so hässlich, dass ich einfach nicht anders konnte, als sie zu bemalen.“ Der Bademeister habe ihr die Deko-Amphibien dann auch tatsächlich überlassen. „Jetzt sehen sie doch gleich viel lebendiger aus“, findet Wottke. Wie recht sie hat.

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