Lars Kressin aus Scheeßel hält Flora und Fauna in eindrucksvollen Bildern fest

Von der Kunst, die Natur zu „knipsen“

Lars Kressin in seiner Wohnung – hier schmücken Dutzende eigene Bilder die Wände. Viele von ihnen beinhalten Fotografien, die er mit Malerei in Einklang bringt. Foto: Warnecke

Scheeßel – Frühmorgens, wenn am Horizont sich die Sonne erhebt, ist die Welt noch in Ordnung. Lars Kressin weiß das. Und er macht sich das warme Farbenspiel, diese besondere Atmosphäre bei seinen Streifzügen zunutze. Die führen ihn, wann immer es seine Zeit zulässt, in das Scheeßeler Umland. In der weitestgehend noch unberührten Natur mit seiner illustren Tierwelt fühlt sich der 49-Jährige zuhause. Seine Kamera hat Kressin dann immer dabei. Klar, er hat Spaß am Fotografieren. Davon zeugen nicht zuletzt die Bilder, die er regelmäßig auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht. Bilder, von Sonnenaufgängen zum Beispiel, von Kranichen und Mäusebussarden, die am Himmel ihre Bahnen ziehen, von Wölfen und Wildschweinen, die neugierig aus dem Dickicht hervorlugen. „Ich bin ja ständig unterwegs, da kommt mir so etwas eben vor die Linse“, sagt er.

Es sind Bilder, denen angesichts einer treuen Fangemeinde, die Lars Kressin um sich weiß, viel Beachtung geschenkt wird. „Ich hätte nie geglaubt, dass das Ganze mal so viel Fahrt aufnehmen würde“, wundert sich noch immer der gebürtige Königsmoorer, der viele Jahre in Rehr gelebt hat und heute mitten in Scheeßel wohnt. Erst 2015 habe er das Fotografieren für sich entdeckt. Im Berufsleben auf Haushaltsauflösungen spezialisiert, sei er damals im Müll auf eine Kamera gestoßen, mit der er in der freien Wildbahn, zunächst nur in der Veerseniederung, ein wenig herumexperimentiert habe. „Ich habe mich schon von klein auf zur Natur hingezogen gefühlt, da lag es für mich einfach auch nahe, sie in ihrer Schönheit abzubilden“, sagt er. Das sei ihm heute noch, nach tausenden „Fotosafaris“, eine Herzensangelegenheit. „Mein Engagement ist es, den Leuten die Natur nahezubringen, ihnen zu sagen, sie sollen damit gut umgehen.“ Und obwohl inzwischen 350 000 Fotos auf seiner Festplatte schlummern und es ganze Serien von Sonnenauf- und untergängen, Wildschweinen und Co. gibt, von denen zahlreiche Motive auch schon in Gedichtbüchern, in Kalendern und selbst auf Tassen erschienen sind – „jede Momentaufnahme ist anders und irgendwie auch einzigartig“, schwärmt Kressin, der versichert, keins der Bilder, die er veröffentlicht, digital nachzubearbeiten. „Das mögen meine Leute.“

Künstlerisch tobt der Scheeßeler sich trotzdem aus. Kressin malt. Seine zweite Passion, die er – Überraschung – ebenfalls durch eine dieser Haushaltsauflösungen für sich entdeckt hat. Kaum waren Pinsel und Farben in seine Hände gefallen, begann er damit, seine Fotos auf Leinwände zu kleben und sie Teil von etwas Größerem werden zu lassen. Soll heißen: Um das Original denkt er sich einfach seinen Teil dazu, schafft so mit Acryl eine abstrakte Erweiterung der abgebildeten Realität. Am Ende verschwimmen die Grenzen fast nahtlos. Realität trifft auf das Sureale – und der künstlerischen Freiheit, die er sich sehr wohl nimmt, sind dabei keine Barrieren gesetzt.

Mehr als 70 solcher Werke schmücken die Wände seiner Wohnung hoch oben über den Dächern des Beeke-Ortes. Die gleicht schon beinahe einer Kunstgalerie – inklusive herrlichem Ausblick. Teilweise malt er auch ganz ohne fotografische Elemente. Natürlich stellt Kressin auch sie ins Netz.

Aus den anfänglich 218 Facebookfreunden, die er im realen Leben kennen würde, seien inzwischen weit mehr als 5 000 geworden. „Darunter auch viele Promis wie Musiker und Schauspieler“, sagt er. Und: zahlreiche kranke Menschen, die sich an seinen Bildern, von denen er fast täglich neue hochlädt, erfreuen würden. Die kennt er natürlich nicht alle persönlich – dennoch pflegt Kressin mit vielen einen guten Kontakt, der bis nach Amerika, Japan und Australien reicht. „Wenn Schwerkranke mir schreiben, male ich ihnen ein Bild oder mache Abzüge meiner Fotos und schenke ihnen das. Es gibt mir viel, wenn ich solchen Menschen damit ein bisschen Freude bereiten kann.“

Einmal im Jahr fährt der Scheeßeler auch in die rheinland-pfälzischen Kreisstadt Birkenfeld. Dann nämlich, wenn er wieder für die dort ansässige Stefan-Morsch-Stiftung, die eine Knochenmark- und Stammzellspenderdatei führt, Geld aus Verkaufserlösen seiner Bilder persönlich überbringt. „Ich bin mal gefragt worden, ob ich mich da nicht karitativ einsetzen möchte – und ich habe natürlich Ja gesagt.“

Gerade, Lars Kressin berichtet über eine unliebsame Begegnung mit einem Keiler, die ihm fast das Leben gekostet habe, trifft eine neue Anfrage auf seiner Facebook-Seite ein. Wo das Bild mit den beiden Störchen auf der überfluteten Wiese gemacht worden sei, möchte jemand wissen. Das sei ja wahnsinnig schön. Kressin schmunzelt. „Ich sage solchen Leuten immer, dass meine Motive bei Rotenburg an der Wümme entstanden sind – mit Scheeßel können die meisten zunächst nichts anfangen.“ Gerne nehme er auch Auswärtige mit auf seine Fototouren, wenn sie denn anfragten. „Ich habe schon richtig viele Leute hierher geholt, die von Scheeßel richtig begeistert waren“, sagt er.

Ob er nicht vorhabe, seine Mischung aus Natur-Fotografie und Acrylmalerei irgendwann einmal ganz und gar unvirtuell in einer Ausstellung zu präsentieren? „Werkschauen in Königsmoor und Bremen hat es ja schon von mir gegeben“, erzählt er. „Mein Wunsch ist es nun, in Rotenburg und Scheeßel etwas Ähnliches zu machen.“ Aber mit freiem Eintritt, betont der Mann, der nun aber wirklich wieder los muss. Er lässt sich entschuldigen. Die Natur ruft. Und seine globale Fangemeinde darf schon wieder auf etwas Neues gespannt sein.

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