Moderne Technik in der Gemeindebücherei erlaubt noch aktuelleres Angebot

„Kulturgut in der digitalen Welt“

Mit dem Barcode-Scanner erfasst Anja Grobrügge dasBilderbuch, das Stephan Behrens exemplarisch ausleiht.

Scheeßel – Bei denen piept’s wohl: Wer in letzter Zeit der Gemeindebücherei einen Besuch abgestattet hat, dem wird der Ton des Barcodescanners nicht entgangen sein. Ein Piep für den neuen Leseausweis, ein weiterer fürs Buch – schon ist es im System als „Entliehen“ oder „Zurückgegeben“ erfasst.

Die Digitalisierung der Bücherei – ein längst überfälliger Schritt, hinter dem jedoch keine finanziellen Einsparungen stehen, wie Stephan Behrens erläutert. Rund 20 000 Euro hat sich die Gemeinde die Umstellung auf das moderne Büchereisystem kosten lassen „Monetär ist eine Bücherei immer ein Zuschussgeschäft, aber dieses Stück Kulturgut in einer digitalen Welt lassen wir uns gern etwas kosten“, so der Fachbereichsleiter Inneres, Schulen und Kultur.

Was so einfach aussieht, hatte eine lange Vorlaufzeit: Seit Jahren sind die beiden Bücherei-Mitarbeiterinnen damit beschäftigt, die Bestände von gegenwärtig rund 10 000 Medien, zu digitalisieren. Neben Büchern umfasst dies auch Zeitschriften, Hörbücher und die derzeit äußerst gefragten „Tonies“, Transponder in Figurenform etwa von Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg mit herunterladbaren Hörbüchern. Dabei ist es beileibe nicht mit dem Anbringen eines Barcodes getan; die Liste der abgefragten Informationen ist lang: Verfasser, Verlag, Sprache, Reihe, ISBN und zum Schluss noch Zielgruppe und Schlagwörter – „das dauert schon fünf bis zehn Minuten pro Exemplar“, weiß Anja Grobrügge. Die ehemalige Bankangestellte, durch ihre vorherige Tätigkeit fit im Umgang mit EDV-Systemen, hatte sich schon auf die Einführung der Digitalisierung gefreut und schwärmt von den Möglichkeiten. Nicht nur Abgabetermine und Verfügbarkeit von Büchern sind ohne langes Wühlen in Papierlisten und Karteikästen auf einen Blick erkennbar. Sondern auch die Anzeige von Statistiken über Tops und Flops, „Nuller“-Listen, also Bücher, die niemals ausgeliehen werden: „So können wir unsere Bestände dem Bedarf unserer Leser anpassen und uns ständig modernisieren, Ladenhüter, die mehrere Jahre nicht nachgefragt werden, machen beliebteren Titeln Platz.“

Darüber hinaus können sie und ihre Kollegin Heike Kommnick sich mit der Zeitersparnis dank der neuen Technik dem eigentlich „Kerngeschäft“ widmen, nämlich der Beratung der Kunden. Und auch hier hilft der Blick in den Computer: Ein Klick, und die Anzeige verrät, ob der gewünschte Autor vorhanden ist. Sogar nach Themengebieten lässt sich suchen; „Neulich hat uns beispielsweise eine Kindergartengruppe vor dem Besuch einer Alpakafarm nach Büchern zum Thema zur Vorbereitung gefragt“, erinnert sich Grobrügge. Genauso ist die Zusammenstellung themenbezogener Bücherkisten für Schulen und Kindergärten, ebenfalls ein Service der Gemeindebücherei, dank der im System hinterlegten Schlagwörter ungleich besser zu bewerkstelligen. Um den Datenschutz müssen sich die Kunden indes keine Gedanken machen: „Was jemand ausgeliehen hat, wird nach der Rückgabe des Buches wieder gelöscht.“

Die Marketing-Expertin war es auch, die die Idee der frühen Kundenbindung durch ein Kinder-Bankkonto auf die Welt der Bücher übertrug: Das Konzept der Kinder-Ausweise hat sich als Renner erwiesen. „Die Kinder sind stolz wie Bolle, wenn sie allein herkommen und sich selbstständig Bücher ausleihen können“, freut sich Behrens. Für sie sei der Ausweis fast ein Statussymbol. Knapp 400 der Exemplare in den grünen „Corporate Identity“-Farben der Bücherei sind bereits im Umlauf. So sei die Zahl der Neukunden in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 120 gestiegen. Dazu habe auch der Förderverein beigetragen, in dessen Kooperation das monatliche Bilderbuchkino pro Termin 20 bis 30 kleine Kunden samt Eltern oder Großeltern anlockt.

Hier komme so manches Elternteil auf den Geschmack. „Viele wundern sich, wie modern wir sind und wie aktuell unser Buchangebot ist“, so Grobrügge. Immerhin 50 bis 70 Neue Medien kommen monatlich hinzu. „Oft suchen wir schon im Hinblick auf unser Klientel aus und haben schon konkrete Kunden im Hinterkopf, denen das ein oder andere gefallen könnte“.  hey

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