Lea Reibiger blickt beim Sozialen Jahr am Theater Bremen hinter die Kulissen

Krisenmanagement inklusive

Viele Einblicke trotz vorzeitigem Ende: Die Scheeßelerin Lea Reibiger blickt auf ein spannendes Freiwilliges Soziales Jahr am Theater Bremen zurück, bei dem sie vor allem in der Pressestelle gearbeitet hat.  
Foto: Heyne
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Viele Einblicke trotz vorzeitigem Ende: Die Scheeßelerin Lea Reibiger blickt auf ein spannendes Freiwilliges Soziales Jahr am Theater Bremen zurück, bei dem sie vor allem in der Pressestelle gearbeitet hat. Foto: Heyne
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Scheeßel – Eigentlich wollte Lea Reibiger an diesem Vormittag, einem der letzten vor dem „großen Tag“ Werbung machen. Werbung für eine Tätigkeit, die sie die vergangenen knapp zwölf Monate ausgeübt hat und die in der großen Pressekonferenz gipfelt, mit der das Theater Bremen seine neue Spielzeit unter dem Einfluss von Corona vorstellt. Dann wird die 19-Jährige wie in den vergangenen Monaten Ansprechpartnerin für Journalisten sein, Pressemappen verteilen, Fragen beantworten – zum letzten Mal, bevor ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Bereich Kultur in einigen Wochen endet. Ein Nachfolger ist inzwischen gefunden. Seine Einarbeitung ist die letzte „Amtshandlung“ der Scheeßelerin.

Theater war für die ehemalige Eichenschülerin immer schon ein Thema. Von den ersten eigenen Gehversuchen auf der Bühne beim Schultheater in „Der kleine Tag“, dem Dschungelbuch bis zu Funkes Herrn der Diebe oder einer kurseigenen Collage im Oberstufenkurs Darstellendes Spiel. Lehrerin Susanne Rünger vermittelte ihr denn auch ein Betriebspraktikum am Theater Bremen. „Normalerweise nehmen die gar keine Schüler – ich war wohl die erste und auch letzte Schulpraktikantin“, erinnert sie sich an den Ausflug hinter die Kulissen. Schon damals als Zehntklässlerin faszinierte sie die Theaterluft, das „Lockere, Familiäre“, der Kontakt mit den Künstlern. „Jeder hat seine eigene Geschichte, bringt seine eigenen Lebenserfahrungen mit“ – das bestätigte sich, seit sie als Teil ihrer Verantwortung für die Pressemappen auch die Kurzbiografien dort verschlingt. Lesen ist auch ganz offiziell Teil ihres Jobs: „Wenn ich morgens komme, stelle ich erst mal einen Pressespiegel aus sieben Zeitungen zusammen und werte ihn aus.“ Eine Aufgabe, die nachwirkte. Auch in Coronazeiten, die sie weitgehend im Homeoffice zuhause verbrachte, hält sie sich politisch auf dem Laufenden.

Die Aufgaben als rechte Hand der Pressebeauftragten Diana König waren schnell erlernt: „Nach einem Monat stellte sich Routine im Alltag ein“, erzählt Reibiger, vom Kaffeekochen bis zum Buchbinden, Terminabsprachen, eine eigene Pressemitteilung über den „Club“ einmal im Monat. Für die Fotoausstellung von Esther Haase, die das gesamte Ensemble fotografiert hatte, durfte sie bei ihrem ersten „Dreh“ das Filmteam ins Viertel begleiten. Das zählt sie zu den Momenten, die im Gedächtnis bleiben. Ihr Entschluss, eine berufliche Zukunft in der Öffentlichkeitsarbeit anzupeilen und Kommunikations- und Medienwissenschaften zu studieren, festigte sich, „später auch gern beim Radio oder Fernsehen“.

Und auch Einblicke ins Krisenmanagement bekam Reibiger zwangsläufig hautnah mit. Im März, als der Erlass kam, dass Veranstaltungen mit über 1 000 Besuchern nicht mehr stattfinden, liefen im Pressebüro des Theaters die Leitungen heiß. „Ich war allein da und habe mich erst mal selbst schlaugemacht“, erinnert sie sich. Die Nachricht „900 Plätze – alles gut, wir machen weiter!“ habe sie an die Journalisten weitergegeben. Schon einen Tag später, am 26. März, mussten alle Theater schließen. Die Nachricht aus der Technik „Wir müssen zumachen“ habe sich wie ein Lauffeuer über die Flure ausgebreitet, und Reibiger stellt fast immer noch ein wenig überrascht fest: „Krass, wie kurzlebig Informationen sein können!“ Ab da wurde das Leben ruhiger. An die Stelle von Pressekonferenzen traten heimische Work-outs, Spazierengehen und Netflix. Das WG-Zimmer in Bremen war da längst gekündigt, die Zelte abgebrochen. Bedauern tut sie das vorzeitige Ende nur bedingt: „Für mich ist es nicht so dramatisch wie für die Theaterleute. Ich habe alles kennengelernt, was ich wollte.“

Auch, wenn auf dem Instagram-Kanal des FSJ-Trägers unlängst ein selbst gedrehtes, dreiminütiges Video viral ging – ihre eingereichte „Projektarbeit“ –, Werbung für ihren Job braucht Reibiger nicht mehr zu machen. Nachdem in der unklaren Situation zunächst kaum Bewerbungen auf die 700 Stellen im Bremer Freiwilligendienst eingingen (28 davon im Bereich Kultur und Politik), ist inzwischen ein Nachfolger gefunden. Ihn einzuarbeiten und einen guten Start in der Welt des Theaters zu ermöglichen, ist Reibigers letzte große Aufgabe, bevor mit der Bewerbung an Unis der nächste Lebensabschnitt für die junge Frau beginnt.  hey

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