Krippenbetreuung: Rat verabschiedet Kompromisslösung / SPD wehrt sich

„Wie in Nordkorea“

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Nach wochenlangem Gezänk um die Krippenplatzbetreuung in der Gemeinde verständigte sich der Rat auf einen Konsens.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Der Kompromiss ist gefunden, die Ziele, die sich die Politik mit Blick auf die Krippenkinderbetreuung auf die Fahnen geschrieben haben, bekannt. Einstimmig sprach sich der Gemeinderat für das Weichen stellende Punktepapier aus, das in dieser Woche von den Verhandlungspartnern aller Fraktionen auf den Weg gebracht worden war (wir berichteten).

Für Johannes Hillebrand, Fraktionschef der Scheeßeler Sozialdemokraten, sei damit endlich ein Schlussstrich unter die langanhaltende Standort-Debatte gezogen worden. „Jetzt schauen alle Bürger auf uns, ob nicht ein inhaltsleeres Papier abgeliefert wurde, sondern etwas, was in den nächsten Jahren auch greifbar wird – sowohl für die Eltern der Krippenkinder als auch für Westervesede“, wandte er sich während der Sitzung am Donnerstagabend an die Ratsmitglieder. Er hoffe zumindest nun auf eine schnelle Umsetzung.

Bis zuletzt hatten seine Fraktion sowie Grüne und Gruppe 57 als Mehrheitsgruppe an einer Krippe im Westerveseder Dorfgemeinschaftshaus festgehalten – und damit geradezu einen Aufschrei in der Bevölkerung ausgelöst. „Es wurden Zusammenkünfte organisiert, Unterschriften gesammelt und Briefe an die Ratsmitglieder geschrieben – und das immer unter Beteiligung der Presse“, erklärte Hillebrand. „Dabei wurde uns immer latent unterstellt, wir hätten von dem Thema keine Ahnung und unter den Bürgern Druck aufgebaut, um unsere Meinung durchzusetzen“, so der SPD-Mann, der diesen Vorwurf für „völlig absurd“ erklärt. „Für mich hört sich das eher nach Nordkorea als nach Scheeßel an“, machte er seinem Unmut Luft. Er bedauere es, das gerade jene, die diesen Vorwurf erhoben hätten, „Fairness im Umgang mit anderen Meinungen vermissen ließen“ und monierte, dass es auf den Dörfern durchaus auch differenzierte Ansichten bezüglich der Kinderbetreuung gegeben habe. „Die sind allerdings gar nicht öffentlich geworden, als in Scheeßel Unterschriften für die Kernortkrippe gesammelt wurden.“

Von einer „super Lösung“ mit Blick auf die nunmehr neu zu schaffende Krippen/Kindergarten-Einrichtung im Baugebiet „Vor dem Varel“ sprach Wolfgang Bassen (CDU). „Unsere Fraktion kann diese Lösung auf jeden Fall zu hundert Prozent mittragen.“

Gleichzeitig räumte sie mit der von der Bürgermeisterin unlängst aufgestellten Behauptung auf, aus Westervesede würde es kein einziges Krippenkind geben. So hätten schon in der Vergangenheit Jungen und Mädchen aus dem Dorf Einrichtungen in Scheeßel und Jeersdorf besucht. Und auch momentan würden Westerveseder Eltern ihren Nachwuchs in einer Krippe betreuen lassen, „allerdings nicht in der Gemeinde, da sie keinen Platz bekommen haben, als seinerzeit der Bedarf da war“, so Huch.

Als „längst überfällig“ erachtete Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele die fraktionsübergreifenden Gespräche, die letztendlich zu dem Kompromiss geführt hatten. „Diese wären sicher nicht zustande gekommen, wenn sich nicht im fairen demokratischen Verfahren unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Orten zu Wort gemeldet hätten“, brachte sie ihren Standpunkt zum Ausdruck.

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