Delegation des Scheeßeler Gemeinderats besucht Rosenfest der lettischen Partnerstadt Tukums

Peggy Miesner (v.l.), Dietmar Hornig, Horst Raatz und Nora Steppat genossen den Trubel um das Rosenfest zur 100-jährigen Unabhängigkeit von Lettland.

Scheeßel - Was haben Rosen mit Scheeßel, Lettland und der Völkerverständigung zu tun, aber auch Tanzen im Palast, Diskussionsrunden und eine Polonaise mit 300 Menschen aus aller Welt durch einen Pferdestall? Eine ganze Menge, wie die Ratsmitglieder Horst Raatz und Peggy Miesner sowie Dietmar Hornig und Nora Steppat zu berichten wissen. Sie vertraten jüngst den Beeke-Ort bei dem alle zwei Jahre abgehaltenen Rosenfest der lettischen Partnergemeinde Tukums.

Horst Raatz hatte Glück: Das Interesse im Rat an einer Teilnahme war verhalten, sodass der frisch gebackene Rentner nun zum dritten Mal als Teil der offiziell dreiköpfigen Delegation in den 1000 Kilometer entfernten Ort fliegen durfte. 

Zum ersten Mal dabei: Peggy Miesner, die sich als Schwiegertochter des ehemaligen Bürgermeisters Hans-Heinrich Miesner vorher aus erster Hand schlau gemacht hatte, wie es zu der Partnerschaft kam: „In den späten Achtzigerjahren wurden die Gemeinden angehalten, Spenden für Leningrad zu sammeln“, erzählt sie, „in Scheeßel war man sich jedoch einig, lieber eine konkrete Verbindung aufbauen zu wollen.“ 

Kontakte zu einem lettischen Mitarbeiter eines Bremer Museums, und auch die Trachtenbegegnung ebneten den Weg für spätere Hilfsgüterlieferungen – Zucker, Kleidung, Decken aus Bundeswehrbeständen. „Jedes Jahr wurde früher ein Bus bestückt“, weiß Nora Steppat zu berichten. Die gebürtige Lettin hat den Austausch über viele Jahre begleitet und war auch in diesem Jahr als Sprachmittlerin dabei – als Dank der Gemeinde für viele Jahre ehrenamtliche Arbeit hatte sie das dritte Flugticket spendiert bekommen.

Die Arbeit der Freiwilligen wird honoriert

Auf eigene Rechnung und zunächst „quasi privat“ dabei war Dietmar Hornig. Der ehemalige Direktor der Beekeschule hatte viele Jahre den Schüleraustausch begleitet und wollte „schon immer mal das Rosenfest sehen“ – ein Glücksfall für alle Beteiligten, hieß das offizielle Motto der internationalen Feierlichkeiten mit rund 15 Delegationen aus elf Ländern doch: „Ehrenamt“. 

„Bei ihrem Besuch des Trachtenfestes letztes Jahr waren die lettischen Vertreter von den Socken, wie schnell und reibungslos das hier von Freiwilligen gewuppt wurde“, berichtet Raatz. So wurde Hornig – unter anderem als ehrenamtlicher Handball-Schiedsrichter und Sprecher für den MSC Eichenring unterwegs – sogleich als Gastredner verpflichtet.

Auch viele Teile des dicht gedrängten dreitägigen Programms absolvierten die vier gemeinsam: den mehr als einen Kilometer langen Festumzug am Samstag, bei dem jeder Teilnehmer symbolträchtig eine Rose auf den zunächst leeren Kranz auf dem Freiheitsplatz der seit 100 Jahren unabhängigen Nation steckte – einer der stärksten Eindrücke für die Scheeßeler, neben so vielen anderen.

Echtes Interesse und viel Austausch

Etwa das Pressegespräch am ersten Tag im Rathaus mit Nachfragen zu Themen wie Kindergärten oder Neubaugebieten, bei denen die Delegation von der Beeke staunte: „Die haben wirklich Interesse daran, wie wir die Dinge so angehen!“ Dieser Eindruck sollte sich im Lauf der nächsten Tage und im Kontakt mit zahlreichen Nationen immer wieder bestätigen. 

„Dadurch lebt Europa“, meint Hornig, der als Verfechter der Völkerverständigung die Wiederaufnahme der Schüleraustausche an der Beekeschule begrüßt, und Miesner ergänzt: „Es ist wichtig, über den eigenen Tellerrand zu blicken – dafür sollte die Gemeinde eher noch mehr Mittel bereitstellen und die Partnerschaft ausweiten.“

Auch das ist eine gemeinsame Erkenntnis: „Andere Nationen messen ihren Partnerstädten viel mehr Bedeutung bei“, hat Raatz festgestellt. So seien die Ukrainer mehr als 2 000 Kilometer mit dem Auto angereist, Frankreich hätte drei Delegationen (Offizielle, Vereinsvorsitzende, eine Jugendgruppe) gestellt. 

Möglicherweise entstehen neue Partnerschaften

Eine Ausweitung der Kontakte kann Miesner sich auch für Scheeßel vorstellen: „Es ist enorm, wie groß sich so ein Projekt mit wenig eigenen Mitteln, aber EU-Finanzierung aufziehen lässt!“ Auch sei das Interesse an einer Partnerschaft mit dem Beeke-Ort groß gewesen, beispielsweise von der Ukraine und Frankreich. 

Mit Letzteren feierte man beim Public Viewing auch gemeinsam den WM-Titel. Hornig wurde beglückwünscht, weil er gerade bei den Franzosen saß – „das war schon etwas peinlich“. Er frischte auch bestehende Kontakte auf etwa zum ehemaligen Bürgermeister Joris Schulz, der heute im Parlament sitzt, und tauschte sich ganz privat über die lokale und Weltpolitik aus.

Was bei ihrem Reisebericht demnächst vor den Ratsmitgliedern nicht fehlen wird: die unglaubliche Freundlichkeit der Letten. „Sie sind wahnsinnig positiv, auch wenn es hier und da an Geld mangelt“, so Miesner, und Steppat ergänzt: „Und wie feminin und trotzdem selbstbewusst sich die Frauen dort geben – das hat mir gut gefallen!“

hey

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