Wirbel um geplanten Wetterschutz-Unterstand im Stadion Waidmannsruh

Ein Kompromiss mit Geschmäckle

An dieser bisher noch ungenutzten Stelle, vor der Buchenhecke am Sporthaus, soll der Unterstand nach Vorstellung des Rot-Weiß Scheeßel seinen festen Platz finden.  Foto: Warnecke  

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ob Grandplatzumwandlung oder Flutlichtanlage – was die Fußballer von Rot-Weiß Scheeßel (RWS) in den vergangenen Jahren zur Optimierung des Spielbetriebs in Eigenregie geleistet haben, kann sich sehen lassen. Was dem Verein in seinem Heimstadion am Helvesieker Weg nun noch fehlt ist ein überdachter Unterstand, der die Zuschauer, wenn denn mal bei schlechtem Wetter gekickt werden sollte, vor Regen schützt.

Ob ein solches Wetterschutz-Häuschen, wie es die SPD/UGS in einem Antrag fordert, nachdem die Sportler mit ihrem Anliegen an die Ratsgruppe herangetreten waren, aber auch kommen wird, ist fraglich. Denn dass der Verein den Unterstand gemeinsam mit dem TV Scheeßel, als Mitnutzer der Anlage entgegen der Antragsformulierung auf eigene Kosten errichten soll – in Eigenleistung, aber immerhin unter Einbeziehung der gemeindlichen Förderrichtlinien –, wollen die Sportler so nicht hinnehmen.

Genau auf diesen Kompromiss hatte sich am Dienstagabend aber noch der Scheeßeler Sportausschuss – nach einer zähen Debatte, in der immer wieder das Gleichberechtigungsprinzip zur Sprache gekommen war – verständigen können. „Was die Finanzierung angeht, sollte es auf jeden Fall eine Gemeinschaftsaktion von beiden Vereinen und der Gemeinde sein“, plädierte Ratsfrau Peggy Miesner (Gruppe 57). So sei sichergestellt, dass weder Rot-Weiß noch der TV später den Anspruch eines alleinigen Nutzungsrechts erheben. Und so ließe sich auch jenes Problem umschiffen, auf welches Verwaltungsmitarbeiter Frank Thies zuvor hingewiesen hatte. Seinen Worten nach seien gemeindeweit nämlich sämtliche Sportplatz-Unterstände bisher von den Vereinen in Eigenleistung errichtet worden. „Daher glaube ich auch, dass wir den Gesichtspunkt der Gleichberechtigung unter den Ortschaften mit ins Auge fassen sollten.“

Auf den Dörfern, warf Marc Ostrowski (SPD) ein, könne er dieses Prinzip durchaus noch nachvollziehen, „nur dieser Sportplatz wird nicht nur von den Vereinen an sich genutzt, sondern auch von den Schulen und er dient als Austragungsort für Großveranstaltungen – daher sollte man als tragfähige Lösung auch alle Nutzer mit ins Boot holen.“

Auf die Idee, die für das Vereinswesen geltende Förderrichtlinie anzuwenden, kam schließlich Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU). „Dann stehen wir wenigstens nicht im Verdacht, gewisse Dinge besonders hervorzuheben.“

Ein weiterer Aspekt, der in der Debatte zur Sprache kam, betrifft die Dimension des Unterstandes. „So wie ich das sehe, ist der relativ groß geplant und steht unmittelbar vor dem Sporthaus“, bezog sich Miesner auf ein im SPD/UGS-Antrag enthaltenes Luftbild. Ihren Einwand, man könne sich so von der Terrasse aus einen Rundumblick auf das Stadion verbauen, teilte auch Dirk Lange (CDU: „Bei der Standortwahl müssen wir doch schon sehr darauf aufpassen, dass wir da die Sichtverbindung nicht unterbrechen.“

Für den Scheeßeler Fußballclub ist der von der Politik forcierte Weg, die Vereine mögen den gewünschten Unterstand über Fördergelder und Eigenleistung abwickeln, jedenfalls keine Option. In einer vom Vorstand kurz nach der Ausschuss-Sitzung veröffentlichten Mitteilung heißt es: „Das werden wir vom RWS nicht machen, da wir schon genug Geld in die kommunale Anlage gesteckt haben. Wir sind ja ein Sportverein und kein Bauverein.“ Und weiter: „Man kann schon neidisch nach Rotenburg schauen. Dort setzen sich der Stadtrat und der Bürgermeister doch anders für die städtischen Anlagen und den Sport ein.“

Die Hoffnung, dass doch noch ein für die Kicker zufriedenstellender Vorschlag aus dem Gemeinderat kommen könnte, hat der Verein aber noch nicht begraben: „Vielleicht kommt ja noch was.“

Rund 50 Jahre hat das Sporthaus im Stadion Waidmannsruh auf dem Buckel – und das sieht man dem Bau auch an. Zwar hat die Gemeinde ihre Liegenschaft 2010 für viel Geld energetisch sanieren lassen, demnächst will sie darüber hinaus den am Schankraum angegliederten Küchenbereich auf Vordermann bringen, in puncto Barrierefreiheit gibt es aber noch Nachholbedarf. So gibt es vor Ort keine Möglichkeit für Menschen mit Handicap, die Räumlichkeiten zu betreten. Um dieses Dilemma weiß auch Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU): „Ja, dem Thema Behindertengerechtigkeit müssen wir uns hier zuwenden, in Anbetracht der vielen Investitionen, die es noch abzuarbeiten gilt, werden wir das zeitnah aber nicht hinbekommen“, sagte sie in der Sportausschuss-Sitzung.

Das sei durchaus verständlich, meldete sich Grünen-Ratsherr Arthur Lempert zu Wort. Sein Vorschlag, den SPD/UGS-Antrag auf Errichtung eines Unterstandes zurückzustellen, um in einer fraktionsübergreifenden Arbeitsgemeinschaft mit einer Art Masterplan „einen größeren Wurf“ zu landen (Sporthaus und Unterstand sollten seiner Auffassung nach parallel angegangen werden), fand im Ausschuss aber nicht im Ansatz eine Mehrheit. „Ich halte es jedenfalls für sehr unglücklich, wenn wir da scheibchenweise Geld reinstecken, um irgendwann festzustellen, dass uns das Ganze mehr kosten wird“, so Lempert.  lw

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