Kehrtwende mit Kreisel?

Knotenpunkt Fuhrenkamp: Gemeinde Scheeßel bringt Ausbau-Alternative ins Spiel

Knut Nagel (Gruppe 57, (hinten v.l.), Wolfgang Kirschstein (Gruppe SPD/UGS), Arthur Lempert (Grüne) und Dirk Lange (CDU), Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (vorne r.) und Birgit Gramkow
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Demonstrieren beim Thema Kreisellösung Geschlossenheit (hinten v.l.): Knut Nagel (Gruppe 57), Wolfgang Kirschstein (Gruppe SPD/UGS), Arthur Lempert (Grüne) und Dirk Lange (CDU). Vorne präsentieren Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (r.) und ihre Mitarbeiterin Birgit Gramkow das Entwurfskonzept zum möglichen Ausbau.

Scheeßel – Das kommt auch nicht alle Tage vor: Vertreter aus dem Scheeßeler Rat und der Verwaltung laden zum Pressegespräch ein. Gemeinsam wollen sie informieren – zu einem Thema, das der Gemeinde „sehr unter dem Nagel brennt“, wie Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) gleich zu Beginn verlauten lässt. Worum es an diesem Nachmittag im Dorfgemeinschafthaus Wittkopsbostel geht?

Für den Ausbau des in Scheeßel befindlichen Knotenpunktes L130/Fuhrenkamp/Vareler Weg gibt es inzwischen eine neue Variante, nämlich die einer Kreisellösung mit einer Bedarfsdruckampel. „Wir sind uns sehr sicher, dass die in mehrfacher Hinsicht nur von Vorteil sein kann“, spricht Dittmer-Scheele für sich, die Verwaltung sowie für die bis dato in das Vorhaben eingeweihten Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD, Grüne und der Gruppe 57. Tatsächlich, ergänzt Birgit Gramkow, Fachbereichsleiterin Bau und Planung im Rathaus, hätte der Ausbau des Kreuzungsbereichs in Form eines Kreisels weit weniger Auswirkungen auf die umliegenden Eichen, als jene vom Gemeinderat schon 2017 mehrheitlich abgenickte, vor allem aber von der Öko-Bürgerinitiative „Scheeßel für den Planeten“ scharf kritisierte Variante mit den Linksabbiegespuren. Für Letztere hätten im schlimmsten Fall immerhin 66 Bäume gefällt werden müssen, bei der Kreisellösung, erklärt sie, wären es ganz ohne Schutzmaßnahmen 27. „Wir arbeiten aber auf 17 hin“, so Gramkow.

Wie es zu dieser Alternative kommt? „Ergeben hat sich das nach einem Fernsehbeitrag, bei dem es um unseren Knotenpunkt ging“, berichtet die Bürgermeisterin. „Da habe ich eine nette Zuschrift von einer Zuschauerin aus Schleswig-Holstein bekommen, in der sie auf eine ganz ähnliche Situation eines Kreisels mit einer Bedarfsdruckampel hingewiesen hatte – woraufhin wir uns gesagt haben, dass so etwas doch auch bei uns möglich sein müsste.“

Knackpunkt Schülerverkehre

Die von der Gemeinde mit dem Ausbau betraute Planerin sei so noch einmal ins Regelwerk eingestiegen – „und siehe da, sie hat eine Möglichkeit gefunden, eine Art Ausnahmeregelung bei Schulen zu bekommen“, freut sich Dittmer-Scheele. Dies sei stets auch der Knackpunkt gewesen, dass eine Vielzahl von Schülern aus dem Fuhrenkamp die Landesstraße in Richtung Vareler Weg zu queren hätte. „Verwaltungsseitig haben wir uns sogleich ein Konzept erstellen lassen, ob so eine Lösung denn dort überhaupt hinpassen würde, und wir haben die Fraktionsvorsitzenden gefragt, was sie davon halten und ob man das weiter vorantreiben sollte“, rekapituliert die Bürgermeisterin die Entwicklung. „Die einhellige Meinung war, dass es alle Probleme lösen würde, die wir an dem Standort hatten.“ Ähnlich positiv gestimmt hätten sich das Landesamt für Straßenbau und Verkehr und die Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis in einem Abstimmungsgespräch gezeigt. „Es heißt, dass alle den Weg mitgehen würden, dafür haben wir einige Hausaufgaben mit auf den Weg bekommen, die wir jetzt abarbeiten“, so die Rathaus-Chefin.

So wie auf dieser Skizze ließe sich das Projekt Fuhrenkamp realisieren.

Was die Anordnung betrifft, sei die Bedarfsampel in etwa dort, wo sie auch jetzt schon steht, erläutert Gramkow. „Vielleicht müssten wir sie noch ein paar Meter verschieben, aber wir versuchen sie nicht ganz so weit vom Kreisel wegzukriegen, damit die Akzeptanz noch da ist.“ Der Kreisel selbst könnte mit einem Durchmesser von 37 Metern aufwarten, „das ist aber noch nicht das endgültige Maß, so würden wir das Ganze aber gerne bauen“.

Allerdings habe die von Politik und Verwaltung favorisierte Ausbau-Alternative nur dann eine Chance, wenn die Gemeinde Grunderwerb tätigen kann, betont Dittmer-Scheele. Zwei kleine Flächen, rechts und links des Vareler Wegs gelegen, müssten so noch für eine Realisierung erworben werden. „Das ist jetzt noch die spannende Frage, ob wir die von den Eigentümern bekommen und das weiterverfolgen können.“ Noch in diesem Monat solle darüber wohl Klarheit herrschen.

Knotenpunktentschärfung steht schon seit 17 Jahren im Raum

Schon seit 2004 müsste die Gemeinde eigentlich eine Lösung für die Anbindung der neuen Baugebiete im Fuhrenkamp finden. Damals hatte man an einen Kreisverkehrsplatz gedacht, da der als eine gute Lösung für den Verkehrsfluss erachtet wurde. Allerdings war das Problem, dass Fußgänger und Radfahrer dort nicht hätten bevorrechtigt kreuzen können. Auch hieß es eine ganze Zeit lang, dass die Bedarfsampel an Ort und Stelle nicht bleiben könne. Ein Ausbau der Kreuzung ließ auf sich warten – bis 2017, als inzwischen immer mehr Baugebiete hinzugekommen waren, die Gemeinde einen neuen Anlauf wagte und ein Verkehrsgutachten erstellen ließ. Dies hatte eindeutig bestätigt, dass der Knotenpunkt zu regeln ist – entweder durch eine Kreuzung mit Ampeln und Abbiegespuren oder durch einen Kreisverkehr, bei dem Fußgänger und Radfahrer aber weiterhin nicht bevorrechtigt gewesen wären. Dies war Grundlage für den Rat, sich mehrheitlich doch für die Ampellösung zu entscheiden und weiterzuverfolgen, weil eben der Aspekt der sicheren Querung der schwächeren Verkehrsteilnehmer für ihn oberste Priorität hatte. 

Hoffnungsvoll, sagt sie, sei man in der vergangenen Woche schließlich schon an die Bürgerinitiative (BI) herangetreten, der man das Vorhaben in kleiner Runde präsentiert habe. „Ihr wurde auch deutlich gemacht, dass wir eben verpflichtet sind, etwas zu tun und dass es nicht so bleiben kann, wie es ist.“ Allerdings sei sie selbst wegen der Tatsache, dass die drei vertretenen „Planetenretter“ sich nicht gerade positiv zur Kreisellösung geäußert hätten, doch sehr enttäuscht aus dem Gespräch gegangen. „Ich hätte eigentlich erwartet, dass die Vorteile auch anerkannt werden“, so die Verwaltungschefin. Stattdessen würde die Initiative nun darauf pochen, an jeder einmündenden Straße im Kreuzungsbereich jeweils eine Ampel zu installieren – und das ohne Abbiegespuren. Dittmer-Scheele: „Genau das ist aber etwas, was nicht sachgerecht ist und was wir nicht durchsetzen werden können. Das haben wir im Laufe der Jahre immer wieder neu abgeklopft, es ergibt sich so auch aus der Richtlinie für die Anlage von Landesstraßen – da werden wir nichts anderes erreichen.“

Und was sagt Diana Cartwright, die BI-Vorsitzende? Die zeigt sich in der Tat überhaupt nicht begeistert von der Kreisellösung, wie sie auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. „Für die Anwohner im alten Wohngebiet wird sich die Lebensqualität aufgrund der Emissionen verschlechtern und es werden immer noch zu viele Bäume fallen.“ Es sei ein überdimensioniertes Bauvorhaben, das sehr viel Geld koste. „Die Bauwilligen könnten mit unserer Lösung jedenfalls viel früher ein Grundstück erwerben.“

So äußern sich die Vorsitzenden der Ratsfraktionen

Arthur Lempert, Grüne: „Was wir jetzt vorliegen haben, ist ein wirklich guter Kompromiss, mit dem wir die konträre Position innerhalb des Rates endlich haben aufbrechen können. Ja, es müssen immer noch zwischen 17 und 20 Eichen fallen – realistisch war aber auch für uns, dass ein Baumverlust mit einer neuen Verkehrslösung wahrscheinlich auf uns zukommen wird.“

Dirk Lange, CDU: „Wir wollen einen möglichst moderaten Eingriff in die Natur, einen guten Beitrag zur Regelung des Verkehrsflusses und eine hohe Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer – das bekommen wir mit der Kreisellösung hin. Durch sie müsste auch die Lärmschutzwand in Teilbereichen nicht so hoch werden, was sicher auch für die Grundstückseigentümer eine Erleichterung bringen wird.“

Wolfgang Kirschstein, SPD/UGS: „Für uns ist der gefundene Kompromiss ein guter – auch, weil sich durch einen Kreisel der Verkehr, der aus Richtung Helvesiek oft zu schnell unterwegs ist, vernünftig beeinflussen lässt. Der letzte Gesprächsverlauf mit der Bürgerinitiative hat mich befremdet – die Verhärtung ist nicht auf unserer Seite.“

Knut Nagel, Gruppe 57: „Die Verwaltung hat einen super Vorschlag gemacht, hinter dem alle Fraktionen stehen können – das ist für mich wichtig. Die Lösung wird die Sicherheit im Straßenverkehr langfristig am Knotenpunkt erhöhen.“

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