Udo Haupts wacht als Außendienstler der Gemeindeverwaltung über Parkverbote

Auf Knöllchen-Streife

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Einsichtige und weniger einsichtige Autofahrer – der Wohlsdorfer stößt seinen Kontrollgängen auf beide Personengruppen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Die knöllchenfreie Zeit ist wieder vorbei. Wer sich in Scheeßel nicht an die Straßenverkehrsordnung hält, muss damit rechnen, einen Strafzettel zu kassieren.

Nachdem Walter Jungfer, der langjährige im Auftrag der Gemeinde handelnde „Knöllchen-Verteiler“, seine Arbeit niedergelegt hatte, gab es im Beeke-Ort zwar ein Jahr lang keinen den ruhenden Verkehr betreffenden Überwachungsdienst. Seit einigen Wochen ist jetzt aber Udo Haupts drei Stunden wöchentlich unterwegs – wann, das kann er sich selbst einteilen. „Ich bin mal vormittags, mal nachmittags, mal am Abend oder auch am Wochenende auf meiner Tour – und auch bei schlechtem Wetter“, sagt der 64-Jährige. „Es lohnt sich auf jeden Fall.“

Es ist der Klassiker der Ausreden: „Ich war doch nur zwei Minuten weg.“ Doch darüber kann Haupts nur schmunzeln. Denn die Vorschriften sind eindeutig: Ob zwei Sekunden, zwei Minuten oder zwei Stunden – wer beispielsweise auf dem Untervogtplatz sein Auto verlässt, ohne eine korrekt eingestellte Parkscheibe deutlich sichtbar zu hinterlassen, riskiert einen Strafzettel.

Die beliebte Praxis, kurz vor Ablauf der Frist die Parkscheibe verbotswidrig weiterzudrehen, funktioniert nicht. Fotos, die Udo Haupts macht, würden anhand des Ventilstands problemlos beweisen, dass das Fahrzeug nicht bewegt wurde. 

Nahe der Sparkassenfiliale an der Zevener Straße dann die nächste typische Situation: Ein Auto kommt angefahren und hält auf einem der drei deutlich als solche ausgewiesenen Behindertenparkplätze. Eine junge Frau steigt aus, will schnellen Schrittes die Bank aufsuchen. Der Wohlsdorfer ist sofort zur Stelle. Sie wolle nur schnell Geld abheben und außerdem sitze der Freund ja noch am Steuer. Freundlich macht Udo Haupts auf das Vergehen aufmerksam. Und tatsächlich: Das Auto setzt sich in Bewegung, fährt wieder weg. Die Dame muss eben ein paar Meter mehr laufen. Normalerweise hätte der Fahrzeughalter nun 35 Euro zahlen müssen. Haupts, ganz charmant wie er ist, drückt noch mal ein Auge zu.

"Scheeßel ein Paradies für Autofahrer"

„Eigentlich ist Scheeßel ein Paradies für Autofahrer, die einen Parkplatz brauchen“, sagt Stefan Behrens von der Gemeindeverwaltung. Und tatsächlich: Selten muss man lange suchen, bis man einen freien (und regulären) Platz gefunden hat. Nirgendwo ist eine Parkgebühr fällig. Im Ortskern ist vielerorts allerdings eine Parkscheibe notwendig. „Nach einem Jahr Anarchie scheinen das sehr viele Menschen aber offenbar vergessen zu haben“, erklärt sich Behrens den Umstand, dass der Außendienstmitarbeiter bei seinen Kontrollgängen immer etwas zu tun hat. „Zu 99,9 Prozent muss ich Knöllchen verteilen, weil keine Parkscheibe ausliegt“, bestätigt Haupts. Auch kontrolliere er im Ortskern jene Nebenstraßen, in denen Halteverbotszonen eingerichtet sind, und achte darauf, dass nicht auf Gehwegen geparkt werde.

Es ist ein Job, bei dem Anfeindungen nicht ausbleiben. „Es kommt immer mal wieder vor, dass man verbal angegangen, nicht selten auch übelst beleidigt wird“, plaudert der ehemalige Bundeswehrangestellte aus dem Nähkästchen. „Man darf so etwas nicht zu nahe an sich heranlassen und in den entsprechenden Situationen gelassen damit umgehen.“ Aber auch das gibt es: „Moin, Herr Haupts“, grüßt eine ältere Dame freundlich vom Fahrrad. Das sind die Momente, die den nicht gerade einfachen Job angenehm machen.

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