Kantoreien Rotenburg und Scheeßel musizieren gemeinsam bei Gottesdienst

Knistern in Stereo

Scheeßels Kantor Andreas Winterhalter übte die Dirigentenfunktion aus. Foto: Heyne

Scheeßel – Manchmal liegt das Gute so nah: Der vergangene Sonntag, der im Kirchenjahr „Cantate“ heißt, wurde in Scheeßel mit einem Gottesdienst rund um die Musik zelebriert. Dabei sollte den mehr als 100 Besuchern ein seltenes Klangerlebnis zuteil werden, hatte die St.-Lucas-Kantorei doch Verstärkung durch die Kollegen der Stadtkirche Rotenburg bekommen.

Die Idee zum gemeinsamen Musizieren stammte vom Rotenburger Kantor Simon Schumacher. Dessen Prämisse, dieser Tag im Kirchenkalender sei nicht ohne Musik vorstellbar, war auf ein organisatorisches Problem gestoßen – nämlich, dass in der heimatlichen Kirche in Rotenburg an diesem Tag gar kein Gottesdienst stattfand. So taten sich die rund 60 Sänger mit ihren 30 Mitstreitern aus Scheeßel zusammen, und bestritten – damit sich der Aufwand auch lohnte – gleich zwei Gottesdienste, nämlich morgens in Visselhövede und abends im Beeke-Ort.

„Wenn schon Kräfte bündeln, dann soll es sich auch lohnen“, hatte sich auch Kantor Andreas Winterhalter gedacht, dem anfänglich das Dirigat oblag, während Kollege Schumacher die Orgel übernahm. Keine Frage, dass auch thematisch die musikalische Gotteshuldigumg im Vordergrund stand, etwa mit Mendelssohn-Bartholdys „Jauchzet dem Herrn“, dem mitreißenden lateinamerikanischen „Ich sing dir mein Lied“ oder „Ich will den Herren loben“ (wobei das „Wagnis“ des zweistimmigen Kanons gelang). In seiner Predigt ging Pastor Jens Ubben auf den Psalm 98 „Singet dem Herrn ein neues Lied“ ein. Die Besucher waren auch selbst gefordert, den Gottesdienst stimmstark mitzugestalten.

Zentraler Punkt waren Rheinsbergers „Kyrie“ aus der Messe in Es-Dur und Pachelbels „Singet dem Herrn ein neues Lied“, denn Winterhalter hatte den „Luxus zweier Chöre“ ausgenutzt, um zwei doppelchörige Werke zu Gehör zu bringen. Durch die Verteilung der beiden Chöre auf den Emporen ergab sich ein ganz außergewöhnliches Klangerlebnis, oder, wie Ubben sich vorher gewünscht hatte: „Lasst es knistern, und das in Stereo!“. Erstaunlich, wie gut die beiden Kantoreien nach nur einer gemeinsamen Probe unter dem Dirigat von Schumacher harmonierten. Dabei standen die Scheeßeler den fast doppelt so vielen Rotenburgern, bei denen leider einzelne Solostimmen eine arge Präsenz zeigten, im Klangkörper in nichts nach. Wunderschön: die Dynamik im „Kyrie“, das gemeinsame Anschwellen der beiden Stimmkörper. Kein Wunder, dass es am Ende lauter zufriedene Gesichter sowohl bei den Akteuren als auch den Besuchern gab sowie einen kräftigen Applaus. Gottesdienst hin oder her.

Das einzige Manko, das Besucherin Helene Wischmann am Ende auf den Punkt brachte: „Das hätte gern noch etwas länger sein dürfen!“  hey

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