Geplantes Naturschutzgebiet

„Kleines Moor“: Der „Finger“ soll weg

Das „Kleine Moor“ bei Sothel soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden – wenn es nach dem Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Gemeinde geht allerdings nicht die keilförmige Ausbuchtung im unteren Bereich der Karte.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Im Rahmen der nationalen Sicherung der sogenannten Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiete wird das“Kleine Moor“, ein Areal, das in den Gemarkungen Sothel und Wittkopsbostel liegt, als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Die verantwortliche Kreisverwaltung legte bereits einen ersten Arbeitsentwurf vor, der nach einer Öffentlichkeitsbeteiligung, in der Anregungen und Bedenken seitens der Bürger vorgebracht werden konnten, auch schon weitestgehend überarbeitet worden ist. Nicht weitestgehend genug, befand der Ortsrat Wittkopsbostel in dieser Woche in seiner jüngsten Sitzung. Dessen Mitglieder möchten in der Verordnung drei aufgeführte Aspekte geändert wissen und formulierten das auch so als Empfehlung an den Bau-, Planungs- und Umweltausschuss.

Flexibilität in der Landwirtschaft soll gewährleistet bleiben

„Für die Gemeinde als Grundstückeigentümerin sind vor allem die Wege und Gräben an der Randlage interessant“, leitete Joachim Köhnken, Leiter des Verwaltungsfachbereichs Bau und Planung, den Tagesordnungspunkt ein. Die seien nach Vorabgesprächen mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises bereits aus der Stellungnahme herausgenommen worden, ebenso einige Aspekte, die die Landwirtschaft betreffen. „Ein weiterer Graben geht mitten durch das Gebiet, darf aber zwecks Wasserabfluss weiter von uns unterhalten werden“, gab Köhnken zu verstehen. Da man schon Gespräche mit den Grundstückseigentümern geführt und es in Sothel eine öffentliche Infoveranstaltung zu der geplanten Ausweisung gegeben habe, sehe man keinen Bedarf, noch Anregungen oder Bedenken zu äußern. „Das meiste hat man größtenteils schon ausgeräumt.“

Nur einen Tag vor der Sitzung des Fachausschusses hatte der Boscheler Ortsrat getagt. Der verständigte sich darauf, dann doch noch drei Änderungen in die Beschlussvorlage mit aufzunehmen. Um weiterhin Flexibilität in der Landwirtschaft gewährleisten zu können, soll es demnach für das vom 1. Januar bis 15. Juli geltende Mähverbot Ausnahmeregelungen geben, die mit der Naturschutzbehörde abzusprechen seien. Ein weiterer Punkt betrifft den sogenannten Erschwernisausgleich, der bei Einschränkung der landwirtschaftlichen Grünlandnutzung zum Tragen kommt. Der, befand der Ortsrat, müsse in der Verordnung Erwähnung finden, statt wie bisher nur in der Begründung. Und: Der in Richtung Oldenhöfen befindliche „Finger“, eine keilförmige Ausbuchtung, auf der ein Eichenwald steht, soll auf Vorschlag der Boscheler aus dem Naturschutzgebiet herausgenommen werden, um so unter anderem Konfliktsituationen mit einem 100 Meter weiter liegenden Gastronomiebetrieb sowie einer angrenzenden Metallbaufirma vorzubeugen.

Ein Thema, zahlreiche Meinungen

Für Arthur Lempert (Bündnis 90/Die Grünen) liegt es auf der Hand: „Wir sollten die Finger davon lassen, ständig noch mehr Ausnahmeregelungen reinzubringen und das Ganze ad absurdum zu führen.“ Er habe mittlerweile das Gefühl, dass der Entwurf ausschließlich von Landwirten geschrieben worden sei.

Detlev Kaldinski (SPD/UGS) hätte es besser gefunden, wenn man nach den Empfehlungen des Ortsrates zwecks Klärung mit der Fachbehörde, ob sich die Punkte umsetzen lassen oder nicht, noch ein bisschen Luft gehabt hätte. „So fischen wir ja nur im luftleeren Raum“, sagte er. „Irrtum“, entgegnete Köhnken. So sei es keineswegs Aufgabe der Gemeinde, die Empfehlungen auf juristische Durchsetzbarkeit hin zu überprüfen. „Letztendlich entscheidet der Landkreis über das, was an Anregungen vorgetragen wurde – was er daraus macht, ist seine Sache.“

Dass „der Ortsrat sich schon seine Gedanken gemacht“ habe, ließ Hans-Jürgen Conrad (CDU) durchblicken. „Was spricht dagegen, den ,Finger‘ aus dem Naturschutzgebiet rauszunehmen?“ Ihn beizubehalten könnte die Ortsentwicklung jedenfalls „für ewige Zeiten einschränken“. Das sah auch sein Fraktionskollege Reinhard Frick so: „Es geht ja schließlich nicht um Bodenversiegelung und darum, dass wir am Ende einen von Brüssel rotgekennzeichneten Entwurf zurückbekommen.“

Jürgen Wahlers (SPD/UGS) wies darauf hin, dass das Moor auch in Zukunft FHH-Gebiet bleiben werde. „Es wird also auch in dem Waldstück immer eine Umweltverträglichkeitsstudie gemacht werden, jeder Baum wird untersucht – was spricht also nicht für einen Versuch?“

Am Ende stimmte der Fachausschuss in getrennten Instanzen über die Ortsratsempfehlungen ab – zugunsten des Erschwernisausgleichs (bis auf Arthur Lempert stimmten alle dafür) sowie der Herausnahme des „Fingers“ (sechs dafür, bei fünf Enthaltungen).

Die von den Boschelern gewünschten Einzelfallentscheidungen bei der Mahd werden nicht in den Entwurf Einzug finden. Bis auf die beiden CDU-Fraktionsmitglieder Reinhard Frick und Dirk Lange stimmte der Rest gegen eine Änderung.

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