Kleiner Chor, großes Kino

Kantorei- und Klavierkonzert mit der Bremer Kammer-Sinfonie widmen sich Haydn

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Die vier Solisten (v.l.: Olivia Stahn, Nina Böhlke, Stephan Zelck und Torsten Gödde) sorgten für wohlige Momente.

Scheeßel - Freunde gehobener Chormusik konnten frohlocken: Nach Bachs H-Moll-Messe unlängst in der Rotenburger Stadtkirche stand in Scheeßel mit Haydns Nelson-Messe in d-Moll ein weiterer vokaler Leckerbissen auf dem sakralen Klassik-Speiseplan. Bitter, dass mit gut 100 Besuchern gerade mal doppelt so viele Zuhörer wie Akteure der Kantorei, der Kammer-Sinfonie Bremen und vier Solisten das musikalische Festmahl goutierten – das hatten Andreas Winterhalter und seine Mitstreiter absolut nicht verdient.

Zunächst war der Dirigent jedoch nicht auf dem Podest, sondern am Flügel zu erleben. Der „Einheizer“: ebenfalls ein Haydn. Im Konzert in D-Dur gelang dem Pianisten nach anfänglicher Zurückhaltung im Vivace wie wohl selten, dem Stück durch eigene Interpretation, gerade im Rondo und Allegro durch wohl dosierte Verzögerungen, den eigenen Stempel aufzudrücken und es so nicht nur technisch zum Hochgenuss zu machen.

Der Nelson-Messe war ihre Entstehung in Zeiten der Angst – die französische Revolution hatte die europäische Ordnung und Weltbilder erschüttert –, anzumerken. So düster der Grundtenor der einzigen von Haydn in Moll verfassten Messe, so sehr stachen die strahlenden Fanfareneinwürfe der Trompeter hervor. Orchester und Chor transportierten beide Extreme äußerst sensibel und mit schöner Ausgewogenheit – erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Laiensänger nur zwei Tage Tutti-Proben hatten. Nein, da war nicht alles perfekt – und das nicht nur seitens der Hobbymusiker. Und das hatte wohl auch niemand erwartet –, aber auch nicht das hohe Niveau, das der vergleichsweise kleine Chor mit knapp 30 Sängern Stammbesetzung vorlegte. Fehlte dem anfänglichen Kyrie noch etwas an der Strahlkraft, die das textliche „Ruhm und Ehre“ verlangte, so steigerte sich der Chor, dem in diesem Stück eine tragende Rolle zukam. 

Eine erstaunliche Leistung: Auch dynamisch konnte die Scheeßeler Kantorei bei dem Konzert mit den Profis der Kammer-Sinfonie Bremen mithalten. Alle Beteiligten hatten allerdings mehr Zuschauer verdient.

Schon früh gelang es Winterhalter, seinen Chor, die Kammer-Sinfonie Bremen und die vier Solisten zu einem runden, ausgewogenen Ganzen zu formen. Dabei standen der nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ äußerst präsenten Olivia Stahn (Sopran) Nina Böhlke (Alt), Stephan Zelck (Tenor) und der hier wohlbekannte Bass Torsten Gödde in Nichts nach. Ebenfalls gelungen: Das Umschreiben der Orgelstimme für zwei Oboen, die immer wieder Akzente setzten. „Eine Wahnsinnsleistung“, befand Zuhörerin Christiane Bredemeier, die die Kantoreikonzerte seit vielen Jahren besucht und sich den Abend als ausgesprochener Hadyn-Fan nicht entgehen ließ, „besonders, wenn man bedenkt, dass ein vergleichsweise kleiner Chor etwas so Großes auf die Beine stellt!“ Recht hatte sie – das darf sich gern weiter herumsprechen.

 hey

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