Klassentreffen der Realschule nach 40 Jahren: Erinnerungen und spannende Lebensläufe

„Jeder ist seinen Weg gegangen“

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Wiedersehen nach 40 Jahren: Die ehemaligen Klassenkameraden der Scheeßeler Realschulklasse 10aR hatten sich viel zu erzählen.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Sie kommen aus Berlin, Hannover, Hildesheim oder von der Ostsee. Sie leiten Abteilungen in der Sparkasse, sind Tanztherapeutin, in der Krebsforschung oder Geschäftsführerin der Shakespeare Company. Eins ist den 25 Mittfünfzigern des Jahrgangs 1959/60, die sich am Tag der Deutschen Einheit im Scheeßeler Hof trafen, gemeinsam: Sie drückten die Schulbank der damaligen Realschule Scheeßel (heute Beeke-Schule) und wurden als Klasse 10aR im Juni 1975 gemeinsam entlassen.

Zu diesem Treffen hatten die drei noch heute befreundeten ehemaligen Klassenkameradinnen Johanna Dittmer, Petra Karau und Martina Drees-Büsing eingeladen. Nach 1988 und 1998 war dies die dritte Zusammenkunft. Ein Jahr Vorlaufzeit und mehrere Planungstreffen hatten die Freundinnen gebraucht, bis alle Telefonnummern beschafft und die Einladungen postalisch und per E-Mail auf den Weg gebracht waren.

„Das Aufspüren der Kontaktdaten war zum Teil abenteuerlich“, erzählt Johanna Dittmer, die heute Steuerfachangestellte in Hannover ist. „Die Eltern sind ja alle in ihren 80ern.“ Eine Mutter kannte die Telefonnummer des eigenes Kindes nicht. „Die ruft doch immer an!“, habe es geheißen. Bei anderen konnten Verwandte oder soziale Netzwerke Aufschluss geben. Ein oder zwei Mitschüler hätten die Frauen erst mal optisch nicht wiedererkannt, gibt Mitorganisatorin Martina Drees-Büsing zu, „aber an ihren Stimmen dann doch noch“. Das Stimmengewirr, es ist ganz wie früher, und auch die Zwillinge Klaus und Michael blödeln noch. „Die Verhaltensmuster sind dieselben geblieben“, schmunzelt Dittmer.

Dass nach dem gemeinsamen Betrachten der Klassenbücher, bei den Anekdoten der ehemaligen Lehrerin Judith Eikenberg, die nachmittags vorbei geschaut hatte und auch bei den gezeigten Fotos von früher – alle noch in schwarz-weiß–, nur selten der Satz: „Weißt du noch?“ fällt, liegt an der Vita der Teilnehmer. In der Vorstellungsrunde kommt heraus: So gut wie alle hier sind ihren Weg gegangen. Viele haben das Abitur nachgemacht oder sich über den zweiten Bildungsweg weiter qualifiziert.

Die Zwillinge Klaus und Michael Pajunk haben es zu einiger Berühmtheit gebracht: Als „Ratiopharm“-Zwillinge spielten sie in den 80ern in einem Werbespot mit, der landauf, landab ausgestrahlt wurde. Klaus hat neben dem Modeln Musik gemacht, ist mit den „Nordlichtern“ getourt, hat eine Disco gekauft und ist neben seiner Arbeit mit Jugendlichen als Künstler aktiv. Als er den Bericht über seine Vita mit „Folge deinem Herzen“ beschließt, nicken viele im Raum. So wie Sparkassen-Betriebswirtin Heidrun Treblin: Sie hat sich unlängst ihren Traum erfüllt, mit ihren beiden Töchtern (21 und 23 Jahre) in einer Mannschaft Basketball zu spielen.

Die Kurzvorstellungen schäumen vor geballten Lebensträumen, viele davon erfüllt. „Wir waren schon ein besonderer Jahrgang“, blickt Drees-Büsing zurück, „aufmüpfig, nicht angepasst, individuell.“ Das habe auch am Lehrer Szemendera gelegen, der die Jugendlichen mit unkonventionellen Lehrmethoden wie einer Woche autarkem Campen in Varel als Teil eines realitätsnahen Biologieunterrichts auf das Leben vorbereitet habe. Aber auch der frühe Unfalltod der Mitschülerin Elke Fahlbusch habe zusammengeschweißt, „für viele von uns die erste Beerdigung überhaupt“.

Die meisten von ihnen sind weg gezogen, rund ein Drittel ist geblieben oder, wie Treblin, zurückgekehrt. Rainer Krispin, Heide Holst und Gitta Miesner sind nur einige Beispiele für erfolgreiche Lebensläufe vor Ort.

Und dort wird auch das Leben zelebriert; von rund einem Drittel bereits bei der Oldie-Night im Scheeßeler Hof, und die gemeinsame Jugend. Und das, das ist den meisten hier anzumerken, genauso erfrischend wie das Jetzt.

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