Kita-Streik in Fintel: Eltern bieten für die „Vintloh-Zwerge“ selbstorganisierte Betreuung an

Ein ganzes Dorf hält zusammen

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Daumen hoch für das Eltern-Engagement: Die Kinder der Kita „Vintloh-Zwerge“ verbrachten den Donnerstag im Haus der Begegnung.

Fintel - Von Lars Warnecke. Nun geschieht doch alles ganz schnell: Nach vier Wochen Streik gehen die kommunalen Kita-Erzieherinnen ab Montag wieder normal zur Arbeit. Vorerst, denn die Tarifverhandlungen sind gescheitert, bisher konnten sich beide Seiten nur auf eine Schlichtung einigen. Die Eltern der Kindergartenkinder in Fintel bleiben zumindest misstrauisch. Am Donnerstag haben sie die Betreuung ihres Nachwuchses erstmals selbst in die Hand genommen. Für den Fall einer erneuten Streikwelle sehen sich die Mütter und Väter jedoch gewappnet.

Eine Woche lang brüteten Nicole Lünsmann, Stephan Petersen und weitere Elternvertreter der Kita „Vintloh-Zwerge“ darüber, wie man den Kindern trotz verschlossener Türen weitere Betreuung anbieten könne. Die war seit Donnerstag vergangener Woche nötig geworden, nachdem auch das Erzieherpersonal der Finteler Einrichtung, obwohl gar nicht in der Gewerkschaft vertreten, seine Arbeit niedergelegt hatte.

Bis zuletzt war der kommunale Kindergarten, den aktuell immerhin 72 Jungen und Mädchen besuchen, so der einzige in der Samtgemeinde, in dem der Betrieb ungehindert aufrechterhalten werden konnte. „Am Mittwoch erhielten wir dann die Nachricht, dass gleich am Folgetag auch wir vom Streik betroffen sein würden“, erinnert sich Nicole Lünsmann, Mutter eines kleinen Sohnes. In einer Eilaktion machten sie und ihre Mitstreiter sich daran, Spielzeug aus der Kita zu schaffen, um das zunächst privat bei sich unterzustellen. Und noch am selben Tag war mit dem Haus der Begegnung, dem Gemeindezentrum direkt neben der Finteler Kirche, eine neue Bleibe gefunden. „Uns war es wichtig, unser Angebot in keinem kommunalen Gebäude stattfinden zu lassen, damit die Samtgemeinde uns nicht reinreden kann“, sagt Stephan Petersen, der sich noch immer angetan vom schnellen Entegegenkommen der Kirchengemeinde zeigt.

Überhaupt, so die beiden Elternvertreter, habe das ganze Dorf in Anbetracht der Lage auf ganz unbürokratische Weise Zusammenhalt bewiesen – angefangen vom TuS, der sein Sporthaus für die Kinder mit Sprachförderungsbedarf zur Verfügung gestellt hatte, über ortsansässige Sponsoren, die die Elterninitiative mit Lebensmitteln und Hygienartikeln unterstützen, bis hin zu Müttern, die sich spontan dazu bereit erklärt hatten, die Schwimmgruppe der „Vintloh-Zwerge“ auf ihrem Weg ins Freibad zu begleiten.

Dass mit dem vorläufigen Streikende die Gefahr gebannt sei, daran glauben Lünsmann und Petersen nicht. „Natürlich käme uns eine baldige Einigung sehr gelegen“, betonen beide. „Sollten unsere Erzieherinnen jedoch erneut in den Streik treten, haben wir ein Modell geschaffen, mit dem unsere Kinder, aber auch deren Eltern gut leben können.“

Dieses sehe eine Betreuung von dienstags bis donnerstags jeweils in einer „abgespeckten“Zeit von 8 bis 12 Uhr vor – mit täglich vier Elternteilen, die sich um die Kleinen kümmern. „Wir haben jetzt ein richtiges Aufsichtsdienste-System“, erklärt Nicole Lünsmann stolz. Wer sein Kind an zwei Tagen vorbeibringe, müsse an einem weiteren Tag eine Schicht selbst übernehmen. Aktuell könnten so zehn bis zwölf Kita-Kinder betreut werden – Begrüßungskreis, Frühstück und diverse Spieleangebote inklusive. Ebenso habe man eine Internetseite ins Leben gerufen, auf die nur die Eltern zwecks interner Absprachen zugreifen können.

Und die Finteler Jungen und Mädchen? Die spielten am Donnerstag in vertrauter Runde ausgelassen auf dem Vorhof ihres Domizils auf Zeit. Ein Gastspiel – denn am Montag geht es für sie wieder zurück in die Räume an der Schneverdinger Straße. „Fragt sich nur, für wie lange“, äußerten sich die engagierten Ersatz-Erzieher skeptisch.

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