Kita-Streik: Eltern fordern Ende in offenem Brief

„Finden die Haltung bedenklich“

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Übergeben konnten Julian von Bothmer (l.) und Hinnerk Ehlbeck ihren offenen Brief nicht – das Streiklokal ist seit einer Woche verwaist.

Lauenbrück/Jeersdorf - Immer mehr Eltern fordern ein Ende des Kita-Streiks, und auch aus Lauenbrück und weiteren Orten der Samtgemeinde Fintel kommt nun Protest. In einem offenen Brief wenden sich die Mütter und Väter von Kindergartenkindern an die streikenden Erzieher – mit dem Appell, ihre Arbeit schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Der Brief im Wortlaut:

„Liebe streikende Erzieher/innen, bitte setzten Sie sich für eine sofortige Beendigung des Streiks ein! Sie machen derzeit von Ihrem Streikrecht Gebrauch und das seit dem 8. Mai, vereinzelt schon vorher.

Wir möchten, dass Sie sich intensiv damit auseinander setzen, was Sie fordern und vor allem was Sie in der Gemeinde anrichten, in der wir alle zusammenleben.

Fest steht, dass Sie zahlreiche Eltern in eine Situation versetzen, die zum Teil existenzbedrohend ist. Einige müssen auf unbezahlten Urlaub zurückgreifen, einige müssen gar mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes rechnen. Es entstehen erhebliche Kosten, nicht nur durch die Gebühren, sondern auch durch Fremdbetreuung und nicht zuletzt durch Verdienstausfälle.

Der Schaden, den Sie bei anderen anrichten, ist unter Umständen viel größer als der Nutzen, den Sie für sich selbst erhoffen. Dazu richten Sie diesen Schaden bei Leuten an, die teilweise sowieso schlechter gestellt sind als Sie und darüber hinaus keine Möglichkeit haben, in den Arbeitskampf zu ziehen so wie Sie.

Wir finden die Haltung grundsätzlich bedenklich, die Eltern und unsere Kinder ungefragt für Ihre Forderungen in die Verantwortung zu nehmen. Wir wurden nicht höflich aufgefordert oder mit Argumenten überzeugt uns für Sie einzusetzen, sondern wir sollen dazu gezwungen werden.

Wir machen nicht nur Druck bei Ihnen, sondern wir wenden uns natürlich auch an die Gemeinde. Aber auch Sie müssen dafür geradestehen und sich der Diskussion um eine Verhältnismäßigkeit stellen. Sie müssen den Eltern in die Augen schauen können, so wie wir unseren fragenden Kindern.

Sie müssen nicht streiken, um ihre Forderungen Nachdruck zu verleihen. Sie müssen nicht die Eltern, deren Arbeitgeber, Großeltern, quasi die gesamte Gemeinde vor Ihren Wagen spannen. Sie müssen nicht mehr Schaden anrichten, als sie für sich herausholen können. Aber genau das tun sie.

Es drängt sich bei uns Eltern zunehmend der Verdacht auf, dass Sie sich von Ihrer Gewerkschaft blenden lassen und die Forderungen nicht kritisch und von jedem individuell hinterfragt werden. Sie müssen sich für Ihre Interessen auch gegenüber der Gewerkschaft einsetzten!

Bitte überdenken Sie ihr Verhalten gegenüber uns Eltern, unseren Kindern und der Gemeinschaft, ihren Nachbarn! Entscheiden sie sich für eine vernünftige Vorgehensweise. Machen Sie Druck auf Ihre Gewerkschaft, dass es andere Möglichkeiten als Streik geben muss! Setzten Sie nicht den Frieden in unserer Gemeinde aufs Spiel.

Nehmen Sie sich ein Beispiel an den Finteler Eltern, die sich, gegenüber unserer Gemeinschaft solidarisch verhalten und ihre Kita-Plätze existenzbedrohten Eltern zur Verfügung stellen.

Wir drücken Ihnen die Daumen, dass sich ihre schlimme Situation bald bessert und damit auch die unsere.“

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