Bundesweite Diskussion über Verbot an Silvester: Scheeßel wartet noch ab

Kein Feuerwerk an der Beeke?

Böllern und Feuerwerk zünden könnte an diesem Jahreswechsel untersagt werden, sollten sich Bund und Länder heute einig werden.
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Böllern und Feuerwerk zünden könnte an diesem Jahreswechsel untersagt werden, sollten sich Bund und Länder heute einig werden.

Scheeßel – Mit Spannung werden die heutigen Beschlüsse der Bundesregierung zu den Einschränkungen zu Weihnachten und Silvester erwartet. Neben der Frage, wie viele Menschen aus wie vielen Haushalten zusammen Heiligabend feiern dürfen, ist – das legen die Diskussionen in den sozialen Netzwerken nahe – auch die Frage des Böllerverbots für viele ein wichtiges Thema. Einer, der nicht nur privat von möglichen Einschränkungen betroffen ist, ist Florian von Bothmer. Sein Unternehmen „Pyroland“ ist von den Umsätzen zum Jahreswechsel abhängig.

In einigen Großstädten wurden bereits Feuerwerksverbote an öffentlichen Plätzen verhängt – eine Entwicklung, die ihm Sorgen bereitet? „Natürlich, Verbote und eventuell bevorstehende beeinflussen das Kaufverhalten der Leute immens“, meint der Lauenbrücker. Für ein Unternehmen, das das gesamte Jahr über nicht nur auf den Lagerverkauf, sondern vor allem durch Online-Handel auf das Geschäft mit den leuchtenden Himmelsstürmern hinarbeitet, wäre ein komplettes Verbot ein Super-Gau: „Wir müssten mit Tausenden enttäuschten Kunden kommunizieren, deren bereits gepackte Pakete wieder öffnen, alles wieder in die Ursprungsverpackungen zurücksortieren“, beschreibt der 43-Jährige das Szenario.

Neben dem entgangenen Gewinn und den zusätzlichen herben finanziellen Verlusten durch Mehrarbeit „wäre dies auch eine gigantische Verschwendung an Packmaterial, Klebeband und Spezialkartons“. Sollte es soweit kommen, müsste sein Unternehmen wohl staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, um das zu überstehen, so seine Einschätzung. Die Sorge des Verbands der pyrotechnischen Industrie, deren Sprecher dieser Tage bei einem Verkaufsverbot auf eine vermehrte Gefahr von Feuerwerken aus illegalen Quellen mit entsprechender Verletzungsgefahr hinwies, hält von Bothmer für begründet: „Die illegalen Shops in Polen bereiten sich schon jetzt auf das Geschäft ihres Lebens vor“, weiß der Pyrotechniker.

Auch wenn Prognosen dieser Tage kurzlebig sind: Momentan stehen seine Chancen gut, dass es nicht zum bundesweiten Verbot kommt, sondern dass nur partielle Beschränkungen ausgesprochen werden, wie bereits von einigen süddeutschen Städten. Ein etwaiges kommunales Böllerverbot durch die Gemeinde Scheeßel ist für Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele allerdings noch kein Thema: „Das gehört für mich auf Bund- oder Landesebene – wenn dort Beschlüsse gefasst werden, werden wir diese natürlich auch umsetzen.“ Ihrer Ansicht nach sollte die Entscheidung nicht auf kommunaler Ebene getroffen werden: „Das sollte einheitlich sein, damit kein Flickenteppich entsteht.“ Sie will die Beschlüsse abwarten, die – vielleicht schon heute – gefasst werden, kann sich allerdings nicht vorstellen, dass die Gemeinden in die Pflicht genommen werden: „Ich persönlich glaube nicht, dass wir da einsteigen müssen.“ Falls aber doch, würde sie die Entscheidung an die Politik weitergeben, „damit das von breiter Basis getragen wird“. Ob mögliche Argumente, die von Politikern für ein Verbot vorgebracht werden – mögliche Ansammlungen von Menschenmassen oder die Gefahr, die von Menschen mit Sprengstoff in einer aufgeheizten Stimmung ausgehe – auch für den Beekeort greifen? Diese Frage hat sie sich noch nicht gestellt: „In das Thema bin ich noch nicht eingestiegen, warten wir erst mal das Regelwerk ab“, gibt sich die Rathauschefin gelassen. Persönlich hat sie nach eigenem Bekunden zum Böllern keine Meinung: „Für einige gehört es zum Jahreswechsel dazu, für andere nicht.“

Neben den genannten Argumenten für ein Verbot wird als drittes Argument die Verletzungsgefahr durch Böller angeführt, die nach Sorge einiger Politiker in den Krankenhäusern zu Engpässen führen und Betten für Corona-Erkrankte blockieren könnte – auch für das Rotenburger Diako ein Problem? Dazu äußert sich auf Nachfrage Oliver Fröhlich, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Notfallmedizin im Diako: „Jedes Jahr werden Patienten am Silvesterabend und am Neujahrsmorgen bei uns über die Notaufnahme mit Verletzungen durch Böller eingeliefert.“ Das Spektrum reiche dabei von leichten bis zu schweren Verletzungen. „Dennoch müssen wir sagen, dass die Anzahl dieser Patienten so überschaubar ist, dass sich dadurch in den vergangenen Jahren keine Engpässe der medizinischen Versorgung ergaben.“ Er sieht die eigentliche Gefahr darin, dass es Menschen, die bei Silvesterfeiern zusammenkommen und Alkohol konsumierten, „naturgemäß schwerer fällt, sich an die Abstandsregeln zu halten. Darin sehen wir das größere Risiko für die weitere Verbreitung des Coronavirus, die sich wahrscheinlich erst Mitte Januar bemerkbar machen würde.“ Um Einsatz- und Hilfskräfte sowie Krankenhäuser zu entlasten, plädiert er dafür, „weiterhin jeden unnötigen Kontakt zu meiden und sich an die bestehenden Hygieneregeln zu halten“.  hey

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