Karola Lünsmann wünscht sich Bedarfslisten für Flüchtlingsspenden / Große Unterstützung

Wenn das Geben zum Wagnis wird

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Karola Lünsmann will mit Sachspenden aushelfen – und gleichzeitig auf Nummer sicher gehen, ob ihre Bettwäsche überhaupt von den Flüchtlingen gebraucht wird.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Karola Lünsmann will spenden. Eine Nähmaschine und Bettwäsche hätte sie abzugeben. Dazu Kinderkleidung und Spielzug von den Enkeln. „Jeder besitzt doch etwas, nur die armen Flüchtlinge kommen hier mit gar nichts an“, sagt die 72-Jährige. Gerne würde sie ihre Sachen zur Kirche bringen – oder im Scheeßeler Rathaus abgeben. „Nur woher weiß ich, ob das, was ich zu geben habe, auch wirklich gebraucht wird?“ Um Klarheit zu schaffen, hegt die Rentnerin einen Wunsch.

„Es sollte öffentlich aushängende Listen geben, in denen konkret aufgeführt ist, was unsere Flüchtlinge überhaupt brauchen“, so die in Scheeßel auch als Fischfrau bekannte Lünsmann. „Dafür müssten sich die verantwortlichen Helfer natürlich mit den Menschen austauschen.“

Helfer wie die in der Asylarbeit tätigen Ehrenamtlichen in der Scheeßeler Kirchengemeinde. „Solche Listen machen durchaus Sinn, sie zu erstellen erfordert aber auch Zeit – und die ist uns in Anbetracht von aktuell rund 110 Flüchtlingen, um die wir uns kümmern, schlichtweg nicht vorhanden.“ Sein Angebot: „Frau Lünsmann kann sich gerne bei mir melden, aber bitte erst nächste Woche. In einem kurzen Telefongespräch kann ich dann genauer sagen, was tatsächlich noch gebraucht wird.“

Man merkt es Göttert an: Die Flut der Neuankömmlinge hält den Scheeßeler, der die Asylarbeit koordiniert, gehörig auf Trab. Er wünscht sich, dass die politische Gemeinde künftig noch intensiver mit dem Asylkreis zusammenarbeiten würde.

Dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist, macht Stefan Behrens, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, klar. So erwarte man im Rathaus schon in Kürze eine erhöhte Quote an Menschen, die irgendwo in der Gemeinde untergebracht werden müssten. Er habe festgestellt: „Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist der Hammer!“ So würden sich jeden Tag Leute telefonisch oder über das von der Verwaltung auf ihrer Internetseite bereitgestellte Online-Formular melden, um Sachspenden zu geben. „Einige kommen sogar mit einem Karton voll gewaschener und fein säuberlich zusammengelegter Kleidung direkt zu uns ins Büro“, hat er beobachtet. Und selbst Kinder seien bereit, Gegenstände ihres „Spielzeug-Fuhrparks“ zu spenden.

Auf eine Bedarfsliste, wie von Karola Lünsmann vorgeschlagen, habe man seitens der Verwaltung ganz bewusst verzichtet. „Die wäre im Grunde auch unendlich.“Seinen Worten nach fehle es den Flüchtlingen, die in den meisten Fällen nicht mehr besitzen als das, was sie am Leib tragen, an allem, was man zum täglichen Leben braucht. „Das sind Sanitärartikel, Rasierer, Kleidung, Spielzeug, Töpfe und Pfannen, Besteck, Geschirr, Decken, Schuhe und Bettwäsche“, zählt Behrens auf. Und das sei noch längst nicht alles.

„Schön und gut“, meint Paul Göttert. Dringender als gebrauchte Möbel und Gegenstände benötige man seiner Meinung nach jedoch Menschen, die sich um die Flüchtlinge kümmern, sie in ihrem Alltag begleiten – beispielsweise in Form einer Patenschaft. Um mit den Neuankömmlingen in Kontakt zu kommen, hat sein Unterstützerkreis ein Internationale Café ins Leben gerufen, welches am nächsten Sonntag ab 16 Uhr im Scheeßeler Harmshaus stattfinden wird. Direkt im Anschluss sei zudem ein Internationaler Gottesdienst geplant.

Und Karola Lünsmann? Die will auf das Angebot von Göttert eingehen. Eine Bedarfsliste hält sie nach wie vor für sinnvoll. „Am besten druckt man die im Gemeindebrief ab – den liest doch eh jeder.“

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