Erdöllagerstätte Volkensen zwischen Sothel und Elsdorf

Suche nach schwarzem Gold im Landkreis Rotenburg

Sothel - Von Michael Krüger. Nach Erdgas gerät nun auch Erdöl aus dem Norden wieder verstärkt in den Blick der Förderkonzerne. Die steigenden Energiepreise machen die mitunter schwierige Förderung lukrativ: Die kanadische Explorations- und Produktionsgesellschaft „PRD Energy“, seit 2010 auch in Deutschland aktiv, will dazu die Erdöllagerstätte Volkensen zwischen Sothel und Elsdorf neu erkunden. Schon im Herbst könnten die Arbeiten beginnen.

Erdöl im Landkreis Rotenburg – klingt zunächst einmal ungewohnt, hat aber eine lange Tradition. Rund um den Salzstock Volkensen sind die Vorkommen bereits seit mehr als 100 Jahren bekannt. Von 1960 bis 1993 hat dort „ExxonMobil“ Öl aus gut 2 000 Metern Tiefe gefördert. 900 Barrel Öl sind produziert worden, das entspricht gut 100 000 Litern.

Nun plant „PRD Energy“ das Gebiet seismisch neu zu erkunden. Die Pläne des Unternehmens mit seinem Deutschland-Sitz in Berlin wurden vergangene Woche bekannt. „Unsere Messungen ermöglichen einen Blick ins Erdinnere. Die gewonnenen Daten erlauben eine genauere Beschreibung von Lage und Verlauf der Gesteinsschichten und ermöglichen eine Abschätzung des verbleibenden Potenzials in dieser Gegend. Seismische Erkundungen wurden in Niedersachsen bereits seit vielen Jahren in weiten Teilen durchgeführt“, so ein PRD-Sprecher.

Noch ist der Betriebsplan nicht genehmigt, heißt es beim Landkreis. Derzeit liege nur ein unvollständiger Antragsentwurf vor. Allerdings besitzt bis September 2017 ausschließlich PRD die Genehmigung, im 294 Quadratkilometer großen, sogenannten Erlaubnisfeld Sittensen auf Rohstoffsuche zu gehen. Die technischen Arbeiten dafür bedürfen noch einer Genehmigung durch das Landesbergamt und den Landkreis sowie die betroffenen Kommunen.

Aus den bisherigen Angaben des Konzerns ergebe sich, „dass mit rund 6 000 seismischen Anregungspunkten der Untergrund untersucht werden soll“, so Ellen Scherer, stellvertretende Leiterin des Amtes für Wasserwirtschaft beim Landkreis Rotenburg. Diese „Anregungspunkte“ sollen als örtliche Vibrationen von Rüttelfahrzeugen ausgeführt werden. Konkret: 40 bis 60 Tonnen schwere Maschinen bringen den Erdboden unter sich zum Schwingen. Da die schweren Rüttelfahrzeuge jedoch nicht flächendeckend – zum Beispiel auf moorigem Untergrund – einsetzbar seien, sollen laut Scheerer rund 1 000 der Anregungspunkte als Sprengungen in bis zu zwölf Metern tiefen Bohrungen ausgeführt werden. Der Landkreis prüfe nun die Einflüsse der Bohrungen selbst und der gezündeten Sprengstoffe auf Boden und Grundwasser. Scherer: „Eine Gefährdungsabschätzung für die Fälle, in denen der Sprengsatz nicht gezündet hat, fehlt noch.“ Erst wenn alle Fakten vollständig vorliegen, werde eine wasserwirtschaftliche Bewertung vorgenommen. „Insbesondere in der Nähe von Häusern wachen wir darüber, dass die Schallerzeugung durch Vibration alle Grenzwerte einhält und so schonend wie möglich durchgeführt wird“, so der PRD-Sprecher. Die seismische Erkundung sei von Oktober bis Februar geplant. Um die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen und eine zeitliche Überschneidung mit Brut- und Setzzeiten zu vermeiden, würden die Messungen grundsätzlich nur im Winter durchgeführt.

Dass Erdöl nicht nur im Norden ein Thema ist, zeigt ein aktueller Bericht des Landesbergamtes. Die Gesamtfläche der Erlaubnisfelder zur Aufsuchung von Erdöl und Erdgas beträgt demnach 112 400 Quadratkilometer – das entspricht etwa einem Drittel der Fläche von Deutschland. Neue Erlaubnisfelder wurden vor allem in Schleswig-Holstein, Bayern, Niedersachsen und Brandenburg vergeben. Erloschen sind Felder in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern.

Rubriklistenbild: © dpa

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