Kästner, Lady Mcbeth und eine Horde Erdmännchen

14. Regionales Schultheatertreffen an der Eichenschule zeigt komplette Bandbreite

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Talente der Schüler, wie hier bei dieser Jonglagenummer, wurden in Cornelia Funkes „Tintenherz“ eingebaut (im Hintergrund die lebendigen Bücher).

Scheeßel - Zickenkrieg zwischen Zebras und Giraffen, Selbstfindung mit Lady Macbeth, „Warum wählen gehen?“ oder Unterricht für ungezogene Eltern – die Liste der Themen, mit denen sich die mehr als 100 Teilnehmer des regionalen Theatertreffens am Dienstag in der Aula der Eichenschule beschäftigten, ist lang und bunt. Alle zwei Jahre präsentieren sich im Rahmen der bundesweit ausgetragenen Veranstaltung Schülertheatergruppen vor Mitstreitern und Theaterpädagogen.

Zwei, die seit Jahren gern lange Wege auf sich nehmen, um in Scheeßel dabei zu sein, sind Sabine Köcheritz und Ingrid Behling. Eigens aus Holzminden ist die inzwischen pensionierte Lehrerin angereist, um ihren Kollegen an diesem langen Tag Feedback zu geben, Anregungen und viel Lob. Für sie ist die Veranstaltung im Beekeort etwas Besonderes: „So viel geballte Erfahrung, so viele Theaterkollegen und so viele Theatergruppen, obwohl das Fach nicht in allen Stufen im Curriculum steht – das merkt man den Stücken an!“

So präsentieren sich, trotz Bemühens von Fachobmann Thomas Stermann um Gruppen anderer Schulen, auch in dieser Auflage fast nur schuleigene Ensembles. Eine Ausnahme, die den fulminanten Auftakt bildet: Die Viertklässler der Grundschule, die mit dem Musical „Tuishi Pamoja“, in dem es um Akzeptanz von Andersartigkeit geht, afrikanisches Flair in den Saal bringen. Wenn die ach so niedlichen Erdmännchen ihre Hälse recken, ernten sie kollektives „Ah!“ und „Oh!“. „Die sind besser als wir“, raunt eine Mittelstufenschülerin ihrer Sitznachbarin zu. Sie ist, wie alle heute, nicht nur Akteurin, sondern auch Jury – denn am Ende jedes Blocks darf in der „Feedbackrunde“ nicht mit Lob gegeizt werden. Ein Novum und damit echtes Festivalfeeling bringt Michael Zach aus Oldenburg ein: Der alte „Theaterhase“, zum ersten Mal hier dabei, lässt die älteren Schüler Standbilder ihrer Lieblingsszene stellen. Zehn Sekunden müssen dazu reichen – da kocht die Stimmung hoch. Währenddessen geht es beim fachlichen Austausch der Lehrer etwas weniger lautstark zu.

Zu loben gibt es vieles: Die Zeitlupe, in der zwei Fünftklässler in Kästners „Der 35. Mai“ im Zauberschrank verschwinden, die fantasievolle Umsetzung der lebendigen Bücher in einer Bühnenadaption von „Tintenherz“, die Einzelleistungen junger Akteure, die live am Klavier, mit Jonglierbällen oder Steppeinlagen ihr Talenz unter Beweis stellen, die Intensität der Hauptdarstellerin in „Living with Lady Macbeth“, in der ein Vorsprechen um eine Rolle fast zum Amoklauf zu eskalieren droht.

Es ist diese Vielfalt, die die Einblicke in die schulische Theaterarbeit spannend macht – und oft auch lustig, etwa, wenn Zehntklässler in einer selbstverfassten Collage über das richtige Hurricane-Outfit diskutieren oder mit der „Boomerang“-App den Discobesuch so lange wiederholen, bis der Abend nicht im Absturz endet.

Vergleichen lassen sich die Stücke nicht. Wettbewerbscharakter ist laut Köcheritz auch gar nicht gewollt: Dem Fachverband geht es – auch bei der Auswahl der Gruppen für das bundesweite Treffen in Osnabrück – darum, ein Spiegelbild der Schultheaterlandschaft abzubilden. Die Scheeßeler dürfen sich so oder so freuen: Ihnen stehen beim Theaterfrühling einige sehenswerte Produktionen ins Haus. 

hey

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