Kämmerei-Mitarbeiterin Ilse Krohn verabschiedet sich nach 41 Jahren in den Ruhestand

„Das Gedächtnis“ sagt Tschüss

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Blumen und warme Worte zum Abschied: Ilse Krohn (2.v.l.) mit Verwaltungschefin Käthe Dittmer-Scheele (v.l.), dem Personalratsvorsitzenden Jens Neumann und Kämmerin Doreen Rönckendorff.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Wer Ilse Krohn im Rathaus suchte, fand sie in Zimmer 6 an ihrem Schreibtisch. Dort, in der Kämmerei, jonglierte die Scheeßelerin 41 Jahre lang mit Zahlen – ohne ein einziges Mal das Büro gewechselt zu haben. Am Dienstag nun wünschte sie ihren Kollegen von der Gemeindeverwaltung zum letzten Mal einen „Guten Morgen“ – Krohn verabschiedete sich in den wohlverdienten Ruhestand.

Allerdings nicht, ohne von ihrer langjährigen Chefin, Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele, noch persönlich ein Dankeschön für ihre Mitarbeit ausgesprochen zu bekommen. Und nicht nur das: Stolze 15194 Tage, bilanzierte die Verwaltungschefin in ihrer Ansprache, sei Krohn bei der Gemeinde beschäftigt gewesen – nach ihrer Ausbildung in Bremen zunächst als Aushilfsschreibkraft zum Erstellen von Haushaltsplänen, dann, ab dem 1. April 1974, als Kämmerei-Mitarbeiterin in Festanstellung. Seitdem habe die heute 63-Jährige mit Johann Rathjen, Helmut Hellwig und Helmut Griebel drei Gemeindedirektoren Kommen und Gehen gesehen, gefolgt von Dittmer-Scheele als erste hauptamtliche Bürgermeisterin.

Dem Finanzressort, übrigens seit geraumer Zeit schon ausschließlich in weiblicher Hand, sei sie bis zu ihrem letzten Arbeitstag treu geblieben, die Aufgaben jedoch wechselten. Angefangen von der Festsetzung von Steuern (Dittmer-Scheele: „Ich weiß noch, als ich 1982 während meines Studiums die Fremdausbildung bei der Gemeinde gemacht habe, da erklärte mir Frau Krohn, wie Gewerbesteuer funktioniert“) bis zuletzt als Fachkraft bei Grundstücksangelegenheiten und für das – laut Bürgermeisterin – nicht immer ganz einfache neue kommunale Rechnungswesen.

Auf einer Stelle stehen bleiben, das war noch nie Ilse Krohns Fall. Das musste der bekennende Werder- und Sudoku-Fan aber auch gar nicht während der zurückliegenden vier Jahrzehnte. So hatte sie sich neben dem 2006 ins Leben gerufenen doppischen Rechnungswesen zuvor schon in zwei weitere unterschiedliche Haushaltsaufstellungseechte einarbeiten müssen. „Ohne Sie und ihr Wissen aus früherer Zeit wären wir bei der letzten Umstellung nicht weitergekommen“, lobte Dittmer-Scheele.

Überhaupt sei ihr Knowhow stets auch unter den Kollegen anderer Abteilungen gefragt gewesen – und das nicht nur finanzieller Art, wie Personalratschef Jens Neumann betonte: „Du warst quasi das Gedächtnis der Gemeindeverwaltung, mit Dir verlässt uns viel altes Wissen“, wandte er sich an Krohn.

Dem pflichtete auch Stefan Behrens, zweiter Chef im Rathaus, bei. Er sprach von einem „Abschied auf Raten“, immerhin hätte sie ihm angeboten, selbst im Ruhestand bei Bedarf in der Zentrale auszuhelfen.

Gerne erinnert sich Doreen Rönckendorff, seit 2003 Kämmerin bei der Gemeinde, an ihren eigenen Berufsstart zurück: „Ohne Frau Krohn wäre mir der Einstieg damals sicher sehr viel schwerer gefallen – sie mit ihrem großen Erfahrungsschatz an meiner Seite zu wissen, war schon ein beruhigendes Gefühl.“

Und Ilse Krohn selbst? Sichtlich gerührt war die zweifache Großmutter von all den warmen Worten, die während der kleinen Feierstunde an sie gerichtet worden waren. Aber auch nicht ganz ohne Vorfreude auf ihren neuen Lebensabschnitt. „Endlich kann ich auch mal bis halb acht, statt bis halb sechs schlafen“, nannte sie einen Vorzug.

Als frischgebackene Ruheständlerin müsse sie nun nichts mehr, sondern sie könne – zum Beispiel im Garten tätig werden. Eine Vorstellung, an die es sich ihren Worten nach erstmal zu gewöhnen gelte.

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