Kabarettist Steffen Möller referiert morgen in der Grundschulaula über seine zweite Heimat Polen

„Das Land ist irgendwie hypnotisch“

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Er nennt sich selbst den „bekanntesten Deutschen in Polen – nach dem Papst“: Kabarettist Steffen Möller kommt nach Scheeßel.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Steffen Möller ist der bekannteste Deutsche in Polen. Der Buchautor und Kabarettist wirbt für das Nachbarland, klärt Missverständnisse auf und ist mit seinem Programm „Polen für Fortgeschrittene“ morgen Abend um 19.30 Uhr in der Aula der Grundschule zu erleben. Wir haben den Bestseller-Autor vorab zum Gespräch gebeten.

Herr Möller, Sie waren über ein Jahrzehnt einer der wenigen deutschen „Gastarbeiter“ in Polen – was macht das Land für Sie so faszinierend?

Steffen Möller: Ich bin ein Polen-Maniac. Viele Menschen in Deutschland haben mir schon gesagt: Meine Güte, mach doch mal was anderes, zum Beispiel Kabarett über Frauen und Männer. Aber nein, ich mache immer Polen.  Das Land ist irgendwie hypnotisch für mich.

Warum steht es bei den sonst so reisefreudigen Deutschen dann nicht auf der Liste der Reiseziele?

Möller: Weil es uns zu ähnlich ist. Man fährt doch lieber ins Exotische. Das geht den Polen selbst ja nicht anders. Die wollen ja auch alle lieber nach Kuba oder Nepal.

In Ihren Büchern und Ihren Kabarettvorstellungen schildern Sie die Eigenheiten der polnischen Nachbarn. Was steht für Sie dabei im Vordergrund: Die Aufklärungsarbeit oder die Unterhaltung?

Möller: Weder noch. Ich habe ein obsessives Bedürfnis danach, Polen und Deutsche miteinander zu vergleichen, Mentalität, Sprache, Kultur, Geschichte, Geographie, Küche – und zwar deshalb, weil wir uns in allen diesen Dingen so wahnsinnig ähnlich sind. In Japan habe ich zwei Wochen lang fast nichts aufgeschrieben – alles war exotisch, ganz anders. Aber Polen ist für Deutsche eigentlich der beste Spiegel, um sich selber kennen zu lernen. Aber das glaubt mir ja wieder keiner.

Sie haben einige Jahre in einer polnischen TV-Serie „den Deutschen“ gespielt: Wer hat die kulturelle Aufklärung über den Nachbarn nötiger: Die Deutschen oder die Polen?

Möller: Die Deutschen natürlich. Polen ist ja das Land mit den meisten Deutschlernern weltweit. Fast 30 Prozent aller Schüler lernen in der Schule Deutsch. Sie haben also Grundkenntnisse – aber fragen Sie mal einen Deutschen, ob er auch nur ein einziges polnisches Wort kennt. Sogar „Grassofka“ ist ja falsch, auf Polnisch heißt dieser Wodka mit dem Bisonkraut eigentlich „Zubrówka“.

In Ihren Programmen und Texten verarbeiten Sie Ihre vielfältigen Erfahrungen – kann man nach so langer Zeit in einem Land überhaupt noch so etwas wie „typisch polnisch“ ausmachen oder bewegt man sich da zwangsläufig gefährlich nah am Klischee?

Möller: Je länger ich in Polen lebe, desto schwieriger wird es, überhaupt noch anständige Beobachtungen zu machen, die für deutsche Zuschauer interessant sind. Man hat so viele Menschen kennen gelernt, dass man manchmal mehr Lust hat, über die Ausnahmen von der Regel zu reden. Aber die Leute wollen natürlich immer zuerst die Regel hören. Das finde ich auch legitim.

Und wo wir gerade beim Klischee sind: Gibt es intelligente Polenwitze?

Möller: Ja, gibt es. Aber es gibt in Polen auch intelligente Deutschlandwitze, die hierzulande keiner kennt – weil wir Deutsche überhaupt nur wenige Witze über uns machen. Die Polen sind uns da weit voraus. Wer Kostproben von beiden kriegen will, soll zu meinem Auftritt kommen.

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