JUZ-Anleiter weisen Scheeßeler Jugendliche in die Graffitikunst ein

„Drag me“ und der Hai in Pink

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Leider nur an einem Tag ließ das Wetter das Sprayen an der Wand der „Graffiti-Insel” in Sottrum zu.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Auf Tischen kritzeln und Wände mit Farbe beklecksen – wer hätte als Kind nicht davon geträumt? Für sechs Jugendliche wurde dieser Traum beim Sprayer-Workshop des Scheeßeler Jugendzentrums (JUZ) wahr. Mit „Kritzeln“ und „Kleckern“ haben die Buchstaben und Bilder allerdings wenig zu tun, die hier als Vorlagen oder Schablonen entstehen – das wird klar, wenn man den Jugendlichen aus Scheeßel und Rotenburg bei der Arbeit über die Schulter guckt.

Auf dem Papier entsteht, was später auf der „Graffiti -Insel“, einer Übungswand in Sottrum, überdimensional an die Wand gesprayt werden soll. Etwa der Haifisch von Kevin Wegner – im ersten Durchlauf mit Farbresten in Pink, später dann in den Originalfarben. Johannes Graf und Fabian Golly vom Sofa-Verein sind froh über die von einem Privatmann zur Verfügung gestellte Trainingswand, die mittlerweile an einigen Stellen bis zu hundert Farbschichten aufweist. Hier können sich nicht nur die Teilnehmer ihrer Workshops ausprobieren, sondern die beiden Anleiter testen auch selbst, was bei den Workshops geht. Denn: „Ein guter Entwurf macht nicht automatisch ein gutes Graffiti!“, weiß Graf. So müssen die beiden Kunstpädagogen die Balance halten zwischen Theorie und Praxis. Buchstabenwissenschaft, Farben Effekte – das alles wird nebenbei vermittelt. „Jannik, mach mal die Buchstaben dicker“, so der Tipp von Golly, während er Jana eine Szene aus „Subway Art“, der Sprayer-Bibel zeigt. Die Schülerin, die gerade am Schriftzug „Drag me“ arbeitet, war „immer schon neugierig, wie das eigentlich geht.“ Ihr Nebenmann Kevin ist durch die ältere Schwester angestachelt: „Die konnte das immer – das will ich auch lernen!“

Die Sprayer in spe sollen sich nicht alles allein aneignen müssen, wie die Anleiter selbst in ihren Anfängen. Dabei dosieren sie ihre Ratschläge gut: „Die sollen ja auch was eigenes machen.“ Das Frustpotenzial an der Spraydose ist hoch: „Einmal zu doll gedrückt, und die Farbe verläuft“, weiß Golly. Drei bis vier Jahre dauere es „bis zu den ersten coolen Bildern“. Kein Wunder, dass die Abbrecherquote erfahrungsgemäß hoch ist.

Nicht so in Scheeßel: Die Zehn- bis 13-Jährigen legen in ihrem fünftägigen Workshop immer wieder Billard- oder Kickerpausen ein; zusätzlicher Anreiz ist das Sprayen auf Handytaschen oder anderen Alltagsgegenständen – oder eben die Verschönerung der JUZ-Tische mit Lackmalstiften.

Einen Strich durch die Rechnung machte den angehenden Graffitikünstlern allerdings das Wetter – nur an einem Tag war überhaupt der Einsatz der Dosen draußen möglich. Die Anleiter wichen in ein Atelier in Hassendorf aus, „allerdings bin ich kein Freund geschlossener Räume“, so Golly. In Zukunft könnte es für ihn und seine Mitstreiter luftiger werden: Bereits seit längerem angedacht sei die Gestaltung der Fassade des Beeke-Bades. Dafür würde er sich wünschen, „dass auch in Scheeßel jemand eine Trainingswand zur Verfügung stellt.“ Akzeptanzprobleme gäbe es in Sottrum kaum, im Gegenteil: „Viele gucken vorbei, ob es schon wieder etwas Neues gibt.“ Kritik käme höchstens, „wenn mal ein Fleck auf dem Fußweg landet.“

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