Thema in Scheeßel 

Datenschutz: Irgendwer sieht immer zu

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E-Mails der Kollegen oder Gemeindeverordneten am Arbeitsplatz mitlesen? Im Scheeßeler Rathaus beispielsweise ist das dank abgesicherter EDV-Systeme tabu. 

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Egal, ob beim Online-Shopping, beim Thema Videoüberwachung oder im staatlichen Meldeamt – allerorts wird von uns Persönliches erfasst und gespeichert. Dem einen mag gleichgültig erscheinen, was mit den eigenen Daten geschieht. Andere reagieren mit übermäßiger Vorsicht. Welcher Stellenwert dem Datenschutz in Scheeßel beigemessen wird, wie die Bürger selbst mit dem Thema umgehen, zeigt ein Streifzug durch den Beeke-Ort.

Es ist schon so alltäglich geworden, dass es den meisten von uns gar nicht mehr auffällt: Am Bahnhof, an der Tankstelle, im Supermarkt und in der Bank – überall werden wir gefilmt. Zu unserer eigenen Sicherheit, wie es stets auf Nachfrage heißt. Grundsätzlich mag das auch stimmen, denn Videokameras können helfen, Übergriffe zu verhindern und Täter zu verhaften. Allerdings gilt laut dem sogenannten Bundesdatenschutzgesetz (BDSG): Wer eine Kamera aufstellt, muss seine Kunden auch entsprechend erkennbar darauf hinweisen – in Form von Schildern oder Piktogrammen.

Bei der Sparkasse Scheeßel sieht man das alles andere als eine nur gut gemeinte Empfehlung. So macht das Kreditinstitut in seiner Hauptgeschäftsstelle und den Filialen an den Eingängen auf die Videoüberwachung in großen Lettern aufmerksam. Auch in anderen Bereichen, sagt Tobias Riebesehl vom Vorstandssekretariat, habe der Datenschutz einen hohen Stellenwert. „Dazu arbeiten wir mit einem externen Beauftragten zusammen, der uns in diesem Themenfeld berät und unterstützt“, so Riebesehl.

„Oberste Priorität“

E-Mails der Kollegen oder Gemeindeverordneten mitlesen? Im Scheeßeler Rathaus ist das dank abgesicherter EDV-Systeme tabu. „Insgesamt genießt der Datenschutz bei uns wie auch in den gemeindlichen Einrichtungen oberste Priorität“, versichert Verwaltungsmitarbreiter Stefan Behrens. Was jedoch kaum jemandem bewusst sein dürfte: Laut dem Bundesmeldegesetz, kurz BMG, können Einzelpersonen durchaus grundsätzlich Daten von Bürgern bei der Meldebehörde abrufen – etwa den vollen Namen, die aktuelle Anschrift und ob jemand einen Doktorgrad hat oder nicht. „Es sei denn, die Person, über die Auskunft begehrt wird, verfügt über eine schriftlich angeordnete Auskunftssperre“, lässt Behrens wissen. Dass Parteien sogar an unsere Geburtsdaten kommen, um so beispielsweise gezielt Erstwähler anzuschreiben, bilde hingegen eine Ausnahme. „Diese Informationen werden sonst von uns nicht herausgegeben.“

Was den Datenschutz im Internet angeht, neigen viele Scheeßeler einer von unserer Zeitung durchgeführten, nicht-repräsentativen Online-Umfrage zufolge zu Extrempositionen wie Gleichgültigkeit oder übermäßiger Vorsicht. Jeder siebte Befragte (14 Prozent) sagte, es sei ihm egal, was mit seinen Daten im Netz geschehe. Dieses Ergebnis ist durchaus überraschend, vergleicht man es mit der Antwort auf eine andere Frage: Mehr als die Hälfte der Bürger hält demnach die persönlichen Daten im Internet für nicht sicher. Jeder sechste Internetnutzer (16 Prozent) nimmt demnach überhaupt keine Transaktionen im Internet vor und verzichtet ganz und gar auf Dienste wie Onlineeinkäufe, Fahrkartenkauf oder Onlinebanking.

Wilde Partyfotos in den sozialen Netzwerken

Einer, der sich ganz offen zu seinem Verhalten im World Wide Web äußert, ist Volker Bammann. Der vermutet, dass schon lange seine Daten weiter gegeben oder verkauft werden. „Das fällt mir immer bei gezielter Werbung auf, die ich gar nicht angefordert habe“, so der Scheeßeler, der auch schon seinem eigenen Nachwuchs nahe legen würde, mit Aussagen und Fotos im Netz vorsichtig umzugehen. „Ein in den sozialen Netzwerken hochgeladenes wildes Partyfoto mit genannten Namen wird ja auch in zehn Jahren noch ein Personalleiter finden oder ein Chef, der einen sonst einstellen würde.“

Matthias Trochemowitz ist Hobbyfotograf, der gleich zwei Webseiten betreibt. Dadurch, sagt er, gebe er wahrscheinlich mehr als so manch anderer im Netz preis. „Durch die Impressumpflicht bin ich dazu angehalten, meine Adresse und Telefonnummer anzugeben.“ Allerdings praktiziere er Datenschutz mittlerweile auf ganz eigene Art und Weise: „Indem ich die Nullen in der Telefonnummer einfach durch Oh‘s ersetzt habe.“

Mehr als 1 000 Freunde nennt Philipp Göttert sein eigen – zumindest auf Facebook. Er ist in einer Beziehung, hat ein Faible für James-Bond-Filme und arbeitet in seiner eigenen Veranstaltungstechnikfirma. All das lässt sich mit nur wenigen Klicks über den gebürtigen Wohlsdorfer erfahren. Die Veröffentlichung seiner Privatadresse? Die Verteilung seiner Handynummer im Internet? Für ihn eigentlich ein Tabu, meint er. „Wobei das als Selbstständiger halt auch nur sehr bedingt geht, wenn man arbeiten möchte.“ Ebenso ein Foto von seinem kleinen Sohn zu posten, auf dem das Gesicht zu erkennen ist, komme für Göttert nicht in Frage.

Gut so, meint denn auch Rathausmitarbeiter Stefan Behrens. Er wundere sich schon über Menschen, die einerseits ständig auf den Datenschutz pochen und auf der anderen Seite alles von sich und ihrem Privatleben auf Facebook preisgeben. „Das ist eine gefährliche Entwicklung.“

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