Interview: Gemeindefeuerwehrsprecher Thomas Opitz über Fehlalarmierungen

„Lieber einmal öfter ausrücken“

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Allein in diesem Jahr verzeichnen die Scheeßeler Brandschützer vier Fälle, bei denen sie umsonst ausgerückt sind.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Donnerstag, 7. Januar: In der Lackfabrik Norix ruft die Feuerwehr Scheeßel ein Brandalarm auf den Plan. Das gleiche Spiel wenige Tage später – dieses Mal rücken die Kameraden zum Verpackungsunternehmen Dönitz aus. Es folgen weitere Einsätze das Fitnesszentrum „Freedom“ betreffend. Was alle Fälle gemein haben: Obwohl es gar nicht brannte, hatten die Brandmeldeanlagen Alarm geschlagen. Allein zu vier solcher Fehleinsätze ist die Feuerwehr im noch jungen Jahr ausgerückt. Gemeindefeuerwehrsprecher Thomas Opitz äußert sich zu dem Problem, das längst nicht nur die Scheeßeler Brandschützer beschäftigt.

Herr Opitz, in der Nacht gibt es einen Alarm – wie schnell sind Sie auf dem Weg?

Thomas Opitz: Wenn das passiert, heißt es erstmal Ruhe bewahren und sich natürlich den Witterungsverhältnissen entsprechend anzuziehen. Schließlich muss man immer von einem längeren Einsatz ausgehen. In der Regel bin ich innerhalb von fünf bis acht Minuten am Scheeßeler Feuerwehrhaus und ziehe dort meine Einsatzbekleidung an. Da ich aber einen Anfahrtsweg von meiner Wohnung von rund zwei Kilometern habe, sind meine Kameraden, die in der Nähe wohnen, natürlich wesentlich schneller mit dem Einsatzfahrzeug zur Unglücksstelle unterwegs. Zum Teil fahre ich auch als Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehren in der Gemeinde direkt zum Einsatzort.

 

Die Feuerwehrleute stehen mitten in der Nacht auf oder verlassen ihren Arbeitsplatz, um zu helfen. Was geht in Ihnen vor, wenn sie umsonst ausrücken?

Opitz: Meine persönliche Meinung dazu ist: Lieber einmal öfter zu einem Fehlalarm oder zu einem kleinerem Einsatz ausrücken, als einen Großeinsatz mit Leid für den Bürger. Deshalb kann ich nur jedem empfehlen, erst den Notruf 112 zu tätigen und dann zum Beispiel mit den eigenen Löschversuchen zu beginnen.

Es gibt ja auch Brandmeldeanlagen, die öfters Alarm auslösen, obwohl kein Notfall vorliegt. Nimmt die Feuerwehr solche Alarme beim zehnten Mal genauso ernst, wie beim ersten Mal?

Opitz: Sobald mein Melder piept, ist es für mich ein realer Einsatz mit eventuell allen Konsequenzen. Ob man nun einmal oder zehn Mal zum gleichen Einsatzort ausrückt – ich gehe immer vom Ernstfall aus, auch wenn man auf den neuen Digitalen Meldern Einsatzort und Einsatzart ablesen kann. Für mich ist diese Möglichkeit aber nicht relevant.

 

Und welche Folgen hat ein Einsatz bei einem zweiten Fehlalarm für den Betreiber der Anlage?

Opitz: Wir von der Feuerwehr weisen in solchen Fällen den Betreiber darauf hin, sich mit dem Anlagenhersteller in Verbindung zu setzten und die Anlage überprüfen zu lassen.

Werden solche Alarmierungen in Rechnung gestellt?

Opitz: Wir sind reinweg für das Abarbeiten des Einsatzes zuständig, eine eventuelle Berechnung behält sich die Verwaltung der Gemeinde Scheeßel vor.

Gibt es für solche Einsätze einen Pauschalpreis oder werden die jeweiligen Kräfte, die vor Ort sind, berechnet?

Opitz: Falls es zu einer Berechnung kommen sollte, ist dieser in der Satzung der Gemeinde Scheeßel festgelegt.

 

Gibt es schon Ansätze, wie die Fehlalarme in Zukunft verhindert werden sollen?

Opitz: Grundlegend kann man hier nur an die Betreiber von Brandmeldeanlagen appellieren, ihre Anlagen in regelmäßigen Intervallen überprüfen und auch warten zu lassen. Ganz wird man aber diese Fehlalarme von Brandmeldeanlagen sicherlich nicht verhindern können.

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