Integrations-Café bringt Flüchtlinge und Scheeßeler zusammen / Besucherrekord im Meyerhof

Auch Syrer kennen den Blaudruck

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Hans Brauns (2.v.r.) freut sich über das große Interesse der Flüchtlinge am uralten Blaudruckhandwerk.

Scheeßel - Ein lautes Stimmengewirr unterschiedlicher Sprachen – einige klingen bekannt, andere völlig fremd – hallt an diesem Nachmittag durch den Meyerhof. Es wird geredet, gestikuliert, gelacht. Drei Stunden lang geht es hier um Annäherung und Austausch. Ob Flüchtlinge, Migranten oder Einheimische – das Integrations-Café richte sich grundsätzlich an alle in der Gemeinde Scheeßel lebenden Menschen, sagen die beiden Organisatorinnen Anja Schürmann und Anouschka Stooff.

„Wir wollen die Leute zusammenbringen, um langfristig Hemmschwellen und Vorurteile abzubauen“, erzählen die Frauen. Und die Leute – sie kommen. Mehr als 60 haben während der jüngsten Zusammenkunft den Weg auf das Scheeßeler Museumsgelände gefunden.

So auch Masud Rasho mit seiner Ehefrau Ywset und Söhnchen Yidiz. Erst am Vortag seien sie in Scheeßel angekommen, erzählt Betreuerin Hannelore Fuhrmann, die die kurdische Familie aus dem syrischen Aleppo begleitet. Yidiz, so die Scheeßelerin, die sich auch im Bereich der Deutschkurse engagiert, sei im September während der Flucht in Istanbul geboren worden. Bereits unmittelbar nach Ankunft der Familie habe sie gemeinsam mit der Familie binnen einer Stunde die Formalitäten bei der Ausländerbehörde in Rotenburg erledigen können, freut sich Fuhrmann.

Das Kennenlernen ist sprachlich eine Herausforderung: Mal fällt ein Brocken Englisch, dann ein Brocken Deutsch, dann wieder wird auf Französisch umgeschaltet. Auch wenn die Wörter manchmal fehlen, haben doch alle sichtlich Spaß an den holprigen Gesprächen. Sie reden über heimische Gebräuche, das Scheeßeler Wetter – „Sehr, sehr kalt!“, bemerkt Masud Rasho – und die Tücken der deutschen Grammatik.

Erst vor einem Monat gestartet, hat sich das Integrations-Café inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt gemausert. „Wir treffen uns jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr bei Kaffee und Kuchen“, erzählt Anja Schürmann, die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde. Und Anouschka Stooff ergänzt: „Zu Beginn waren wir im Durchschnitt um die 25 Personen, aber heute ist das ein Besucherrekord!“

Und die Flüchtlinge? Die sind begeistert von der Aktion. „Es kommt nicht so häufig vor, dass Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern zu leckerem Kuchen zusammenkommen“, sagt einer der Besucher.

Die Kaffeetafel ist soweit vorbereitet, aber vorher geht es auf Wunsch einiger Neuankömmlinge zu einer Kurzbesichtigung von Heimathaus, Weberei, Häuslingshaus und Blaudruckspeicher. Helga Behrens und Hans Brauns geleiteten die Besucher durch die historischen Gebäude, unterstützt von den ehrenamtlichen Dolmetscherinnen Roueida Kara und Elvira Braun.

Hans Brauns staunt nicht schlecht, als er bei seiner Erklärung des uralten Blaudruckhandwerks bemerkt, dass auch einige Syrer durchaus etwas mit Modeln und Papp anfangen können.

hu

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