Drei Syrer wagen Neuanfang als Pflegehelfer im Scheeßeler Beekepark

Integration im Seniorenheim

Ziehen an einem Strang (v.l.): Roueida Kara (Vita-Akademie), Nadine Peters und Edyta Bischoff (beide Beekepark-Leitung), Alsairawan Emad, Christoph Kühling (Vita-Akademie) und Ibrahim Mhamdher. Foto: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Eigentlich sei er ja Bäcker, erzählt Ibrahim Mhamdher (36). Und die Antwort seines Landsmannes Alsairawan Emad (31) auf die Frage, welchem Beruf er denn vor seiner Flucht aus der syrischen Heimat nachgegangen sei, lautet: „Friseur.“ Nun gehen die beiden einer gänzlich anderen Beschäftigung nach: als Hilfspfleger in einer Senioreneinrichtung, dem Beekepark in Scheeßel. Doch das Lächeln in ihren Gesichtern zeigt, dass sie mit dieser Option mehr als zufrieden sind.

Seit ein paar Wochen, nachdem Mhamdher und Emad im Rahmen eines Praktikums erste Eindrücke vom Beruf des Altenpflegers gewinnen konnten, arbeiten sie in dem von der Convivo-Unternehmensgruppe betriebene Haus offiziell als Hilfskraft – mit Koscha Ramez (25), ebenfalls aus Syrien stammend, als Dritten im Bunde. Möglich gemacht hat das die Initiative „Job Support“ der Wittmunder Vita-Akademie, einem Bildungsträger, der Maßnahmen für verschiedene Zielgruppen anbietet und auch in Rotenburg und Zeven mit Niederlassungen vertreten ist. In Kooperation mit dem in der Wümmestadt ansässigen Job-Center bietet die Akademie zum einen Sprachkurse für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive an, zum anderen wird mit den Projektteilnehmern erarbeitet, wie ihr Weg in den Arbeitsmarkt aussehen kann.

„Und bei Ibrahim, Alsairawan und Koscha, die alle schon ein Jahr lang bei uns sind, ging es in die Richtung Pflegehelfer“, sagt Christoph Kühling von der Vita-Regionalleitung. So sei über Roueida Kara, die die Maßnahme mitunter betreut und selbst fließend Arabisch spricht, der Kontakt zum Beekepark aufgenommen worden. „Erst mal musste natürlich geguckt werden, ob das für sie und für uns überhaupt passt“, sagt Pflegedienstleiterin Nadine Peters. Am Ende hätten schließlich auch die Heimbewohner ein Wörtchen mitzureden gehabt. Vorbehalte ihrerseits habe es gegenüber dem südländisch aussehenden Trio so gut wie keine gegeben – „auch, weil sie schon hervorragend Deutsch sprechen“, lobt Peters. Und Kollegin Edyta Bischoff, welche die Einrichtung an der Großen Straße leitet, ergänzt: „Meistens schicken wir die Leute, wenn sie bei uns als Pflegehelfer angefangen haben, auch in die Ausbildung zur Pflegefachkraft – das wird aber bei den Jungs noch eine Weile dauern.“

Bis dahin, sollten sie sich denn wirklich in ihrem neu gefundenen, auf zunächst einem Jahr befristeten Job später weiterqualifizieren wollen, besteht ihr Arbeitsalltag darin, den Bewohnern bei Bedarf beim Waschen zur Hand zu gehen, Betten zu beziehen, das Essen zu verteilen und sich mit den älteren Herrschaften einfach nur zu beschäftigen. „Im Prinzip machen sie alles außer medizinische Dinge“, klärt Peters auf.

Ob ihnen die Arbeit Spaß mache? „Klar“, sagen der in Rotenburg wohnhafte Emad und sein Kollege Mhamdher aus Scheeßel einvernehmlich. Beide seien froh, dass sie nunmehr ihr eigenes Geld verdienen. Und auch Bischoff, die Beekepark-Leiterin, ist mit den neuen Arbeitskräften mehr als zufrieden: „Sie sind immer zuverlässig, pünktlich und pflegen einen liebevollen Umgang mit unseren Bewohnern.“

Für Christoph Kühling ist diese Art der gegenseitigen Sympathie Beweis genug, dass die Initiative, die es seinen Worten nach außerhalb des Landkreises so kein zweites Mal geben würde, Früchte trägt. „Klar, es gibt ähnliche Maßnahmen, bei denen aber die individuelle Betreuung nicht so gegeben ist,“ sagt er. Die sei erst durch jenen Personalschlüssel möglich, mit dem seine Akademie unterwegs sei. In Zahlen ausgedrückt: In Rotenburg kämen auf 15 Teilnehmerplätze anderthalb Jobcoaches sowie eine halbe Sprachdozentenstelle; in Zeven stünden zehn Plätze einer vollen Jobcoach- sowie einer halben Deutschdozentenstelle gegenüber.

Dabei, betont Betreuerin Roueida Kara, „ist es nicht so, dass wir für die Flüchtlinge Bewerbungen schreiben und sie zu Vorstellungsgesprächen begleiten.“ Stattdessen würde man mit ihnen lange Orientierungsgespräche in der Maßnahme führen. Eine, die schon etwas länger über die Vita-Akademie als Hilfspflegerin im Scheeßeler Seniorenheim arbeitet, ist Alnajjar Reem. „Sie ist schon sehr gut integriert und spricht hervorragend Deutsch“, sagt Kara über die Palästinenserin.

Bis Mitte 2020, freuen sich Kühling und Kara, seien die Maßnahmen in beiden Städten verlängert worden. „So wird noch ein neuer Schwung an Teilnehmern kommen können“, sagt der Regionalleiter. Und wer weiß: Vielleicht findet der eine oder andere von ihnen später ebenfalls eine berufliche Perspektive im Beekepark in Scheeßel.

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