„Instant Impro“ startet nach Coronapause durch

„Das Publikum ist die Basis“

Armlos, aber nicht sprachlos: Die Akteure von „Instant Impro“ stellen sich immer neuen Aufgaben, wie hier „Fremdgesten“ für die Vorderfrau.
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Armlos, aber nicht sprachlos: Die Akteure von „Instant Impro“ stellen sich immer neuen Aufgaben, wie hier „Fremdgesten“ für die Vorderfrau.

Scheeßel – Wenn im November in der Grundschule Scheeßel zugerufene Worte, Gesten und Geistesblitze fliegen, die Menschen auf der Bühne in Dreiwortsätzen sprechen, mitten im Satz die Sprache wechseln oder die Handlung sich auf Knopfdruck verändert, dann heißt es wieder „Instant Impro“. Am Freitag, 5. November, holt das Improvisationstheater aus Bremen im Beekeort endlich den geplanten Auftritt nach. Wir sprachen vorab mit Norman Böttger, einem langjährigen Mitglied des Schauspieler-Quartetts.

Herr Böttger, wird der Gig in Scheeßel ein Besonderer?

Ja – weil wir da sind! Ich finde, dass jeder Abend mit Instant Impro ein besonderer ist. Das ist wie bei Spielen: Auch wenn die gleichen Spielregeln gelten, ist der Inhalt jedes Mal anders. Das macht es ja so spannend. Das letzte Mal hatten wir einen sehr schönen, runden Abend in Scheeßel.

Sie sind nicht zum ersten Mal hier.

Ja, aber zum ersten Mal in der Grundschule. Im Scheeßeler Hof waren wir meiner Erinnerung nach zwei Mal, aber das ist eine löchrige Information – bei durchschnittlich 60 bis 70 Auftritten pro Jahr ist natürlich nicht mehr jeder präsent.

Kann man vermeiden, dass sich bei dieser Anzahl eine gewisse Routine einschleicht – oder gehen Sie bei der Auswahl der Ihnen zugerufenen Wörter bewusst nicht den leichtesten Weg?

Die Abende sind so schnelllebig, da haben wir nichts, was wir uns merken und später wieder abrufen können oder wollen. Nach Möglichkeit nehmen wir gern neue Themen. Wenn als Ort mal wieder Schlafzimmer vorgeschlagen wird, dann suchen wir etwas länger. Natürlich freut man sich über einige Begriffe mehr als über andere, beispielsweise als Musikgenre über Schlager oder Hiphop mehr als über rumänische Folklore.

Gibt es Begriffe, die Sie an Ihre Grenzen bringen?

Nein, wir sind im Umgang miteinander routiniert und kennen uns schon lange genug, um zu wissen, dass der andere schon irgendwas macht. Natürlich fühlt man sich nicht mit allem wohl, zum Beispiel wollen wir keine Personen kopieren. Es ist spannender, neue Figuren zu kreieren, als beispielsweise die Merkel-Raute nachzumachen. Wenn es überhaupt Grenzen gibt, dann eher körperlicher Art – wir machen das ja nun schon seit 1994 und sind keine 20 mehr.

Das heißt, es verbietet sich für die Mitspieler, Sie mehrfach als Tür ins Haus fallen zu lassen?

Spielregeln gibt es hierfür keine – im Gegenteil, das würde ihnen sogar Spaß machen. (lacht)

Für eine gute Szene und einen Lacher machen sich Jörg Göddert und seine Mitstreiter auch mal zum Affen oder Neandertaler.

Haben sich die Themen in den 27 Jahren verändert?

Sicherlich, allein schon durch die anderen technischen Möglichkeiten. Als „peinlicher Moment“ hätte früher natürlich niemand „beim Instagram-Post im Ton vergriffen“ vorgeschlagen, weil es das noch nicht gab. Andere Themen scheinen zeitlos zu sein: Bei Orten wird, egal wo in Deutschland, als erstes immer Dixiklo, Sauna und Schlafzimmer gerufen – warum auch immer. Ich weiß nicht ob die Leute glauben, dass sie dann etwas besonders Aufregendes zu sehen bekommen.

Das würde nicht gerade fürs Publikum sprechen, oder?

Das kann man so nicht sagen. Es gibt kein schlechtes Publikum! Natürlich ist es etwas anderes, für ein Lehrerkollegium zu spielen als für die Schlachterinnung. Aber alles ist gut. Natürlich sind einige früher mit ihren Vorschlägen unter der Gürtellinie als andere. Unsere Aufgabe ist es in jedem Fall, die Zuschauer abzuholen. Und wenn anfänglich wenig Vorschläge kommen, müssen wir uns fragen, woran es liegt und den richtigen Ton finden.

Apropos Publikum: Sie haben nach der Pandemie wieder einige Shows gespielt. Teilen Sie den Eindruck, den man von Kulturschaffenden anderer Genres hört, dass die Menschen erst wieder „warm werden“ und Kultur lernen müssen?

Unsere beiden vergangenen Auftritte in Achim waren wie immer ausverkauft. Aber generell ist es wohl schon so, dass viele erstmal abwartend sind und jeder für sich selbst guckt, was er sich zutraut und wo er auch vertraut. Unser Publikum ist ja nicht unbedingt mehr 20, dass da eine gewisse Skepsis herrscht, ist auch völlig in Ordnung. Dieses Vertrauen muss sich die Kultur oder die Politik auch wieder erarbeiten. Da muss wieder Regelmäßigkeit rein und Verlässlichkeit, dass Veranstaltungen nicht kurzfristig abgesagt werden. Wenn ich ins Café gehe, verlasse ich mich ja auch darauf, dass die Öffnungszeiten stimmen.

Und bei den Shows selbst, wie ist es da?

Auch dort sind viele zunächst abwartend: „Was dürfen wir?“ Ein Aufruf zum Rufen bricht meist das Eis.

Und wie ist es auf der Bühne – Improvisieren kann man ja nicht im stillen Kämmerlein trainieren oder üben wie Sport oder Musik. Hat es am Anfang geharzt?

Am 1. Oktober haben wir nach drei und davor sechs Monaten Pause zum ersten Mal wieder in Achim gespielt. Geharzt hat es aber überhaupt nicht. Ich habe mich eher wie ein kleiner Junge gefreut: Wieder auf der Bühne, wir können wieder was machen – so live vor Leuten, das war erst einmal ungewöhnlich, aber wir waren voll da.

Andere Kulturschaffende haben ihre Kunst während der Live-Spielpausen ins Digitale verlegt – für Sie ein gangbarer Weg?

Nein, wir sind nicht auf das Digitalboot aufgesprungen. Guido und ich haben ein, zwei Sachen digital gemacht, einen Musikabend über Facebook. Aber wir haben uns nicht an die Impro-Digitalshows auf Facebook angehängt. Das war ein schöner Abend, ist aber nicht die Form, die wir gern spielen wollen. Für unser Format ist unser Publikum die Basis, um aufzutreten. Bei einseitigem Kommunikationskanal ist das schwierig. Wir brauchen den Weg zurück, das Spiel mit dem Publikum. Das funktioniert in digitalen Formaten einfach nicht. Die Krux ist, dass viel umsonst von Kollegen angeboten wurde, was nie die Qualität eines Liveauftritts haben kann und das Ganze fast ein wenig beliebt gemacht hat. Das gibt dem Ganzen ein Stück Beliebigkeit und hat nicht nur ein gutes Bild auf die Sparte geworfen.

Sein Ge- oder Missfallen bekundet das Publikum nicht nur mit Applaus, sondern auch mit den von Norman Böttger verteilten Rosen oder gar Schwämmen.

Wie sind Sie durch die vergangenen eineinhalb Jahre gekommen – haben Sie Ihre Zeit und Kreativität in andere Projekte gesteckt?

Ganz verschieden, da hat jeder für sich einen anderen Weg gefunden. Wohl alle haben diese dynamische Zeit genutzt, um sich neu zu orientieren, was bei dem ein oder anderen vielleicht eh gerade anstand. Ich habe die Arbeit in meinen erlernten Beruf als Mediengestalter, in dem ich ohnehin nebenbei immer tätig war, intensiviert. Auch um Ausfälle auszugleichen, denn finanzielle Lücken gab es natürlich bei allen. Umso mehr freuen wir uns, dass es wieder losgeht und wir die Scheeßeler ermuntern können: Traut Euch, einen schönen Abend zu haben!

Karten für den Auftritt

Karten für den Auftritt von „Instant Impro“ am Freitag, 5. November, ab 20 Uhr in der Aula der Grundschule Scheeßel sind per E-Mail an info@kis-scheessel.de zum Preis von 20 Euro erhältlich. Etwaige Restkarten gibt es dann für 25 Euro an der Abendkasse. Es gelten die 3G-Hygieneregeln.

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