Info-Veranstaltung für Anwohner von zentraler Flüchtlingsunterkunft startet mit dem linken Fuß

Eine verschenkte Chance?

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Info-Veranstaltung im Treppenhaus: Gemeindevertreter Käthe Dittmer-Scheele (l.) und Frank Thies (r.) informierten gemeinsam mit Vertretern des Betreibers „Human Care“ René Maynicke, Anja Krampitz und Sylvia Doberentz-Tews (2.v.r.).

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Ein gelungener Auftakt zum baldigen Einzug von rund 30 Flüchtlingen in Scheeßelers erster zentraler Übergangsunterkunft sieht sicher anders aus: Noch zu Beginn der Info-Veranstaltung irrten zahlreiche ortskundige Anwohner über das unbeleuchtete Internatsgelände und endeten an frisch gezogenen Zäunen. Angekündigt worden war der Ortstermin für Anwohner und Interessierte zur Besichtigung der umgestalteten Räumlichkeiten des ehemaligen Internatsgeländes der Eichenschule relativ kurzfristig und nicht gerade üppig.

Der Anblick, der sich den gut 60 Interessierten bot: Ordentlich hergerichtete Schlafräume mit je zwei Doppelstockbetten auf rund 15 Quadratmetern, frisch bezogene Betten, darauf Kochutensilien, in der Mitte ein gedeckter Tisch.

Der erste der beiden im Auftrag der Gemeinde hergerichteten Blöcke soll am Donnerstag von 28 Flüchtlingen bezogen werden, vornehmlich Männer zwischen 18 und 54, aber auch einigen Familien. Die Besucher waren skeptisch: „Wie lange sollen die halten?“, fragte einer beim Blick auf den Raum mit acht Waschmaschinen im Keller. Ein anderer schüttelte den Kopf: „Das kann doch gar nicht gut gehen!“

Skepsis schlug denn auch Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele, Ordnungsamtsleiter Frank Thies sowie René Maynicke vom Betreiber „Human Care“ der Unterkunft entgegen, als sie sich den vielen Fragen stellen.

Etwa nach einem Sicherheitsdienst, nach der Betreuung, nach Strukturen, aber auch nach den Religionen und der Herkunft derer, die dort ab Donnerstag schätzungsweise sechs bis 20 Monate bis zum Entscheid über ihren Asylantrag leben werden.

Anja Krampitz zeigte sich erfreut über die Zusammensetzung der Herkunft: Syrien, Irak, Iran – es hätte wohl noch fremdländischer sein können, ließ die Kultur-Soziologin durchblicken. Zusammen mit Teilzeitkraft Sylvia Doberentz-Tews (Sozialarbeiterin aus Westeresch), zwei Hausmeistern und einer Reinigungskraft für die Gemeinschaftsbereiche wird sie die vorerst 28 Flüchtlinge (bis Mitte März sollen noch einmal so viele ankommen) von 8 bis 17 Uhr betreuen; nachts steht eine Kraft des Sicherheitsdienstes parat.

Vielen ist das zu wenig. „Wer sorgt für einen geregelten Tagesablauf – ohne feste Tagesstrukturen drehen die doch durch!“, sprach Paul Göttert von der Scheeßeler Flüchtlingshilfe vielen an dem Abend aus der Seele. Ob des Hinweises, man könne ja Sprachkurse einrichten oder Ehrenamtliche rekrutieren, blieb nicht nur ihm die Spucke weg angesichts der mangelnden Vorbereitung der Rotenburgerin Krampitz – auf die zahlreichen bereits bestehenden Angebote und Bemühungen mussten er und sein Mitstreiter Franz Wenzel erst hinweisen.

„Eine vergebene Chance“, meint der ehemalige Schulleiter, hätte sich unter den Interessierten, die sich eineinhalb Stunden stehend um die Treppe drängen, von der die Gemeindevertreter aus informieren, unter anderen Gegebenheiten doch sicherlich bereits zukünftige Mitstreiter finden und Doppelstrukturen vermeiden lassen.

So war die Atmosphäre zunächst aufgeheizt; „So viele Leute auf so engem Raum? Da sind Konflikte doch programmiert!“, brachte der ehemalige Schulleiter der Eichenschule, Karsten Müller-Scheeßel, auf den Punkt, was viele dort dachten. Abgrenzung zu den Basketballerinnen durch Zäune, Sichtblenden zum Freibad hin, die Frage nach Erfahrungen mit Vandalismus – erst als Frank Thies die eigene Ratlosigkeit durchblicken ließ, als er zugab: „Wir stehen unter Druck!“, trug das zur gegenseitigen Annäherung bei.

Am Ende herrschte – auch angesichts aller nicht zu zerstreuender Bedenken – in mehrerer Hinsicht Konsens: Die Gemeinde allein ist ebenso überfordert wie die derzeitigen Ehrenamtler, die dringend weitere Mitstreiter brauchen, damit die Herausforderung der Eingliederung zu meistern ist, oder, wie Dittmer-Scheele es ausdrückt: „Auch für uns ist das hier Neuland; wir müssen lernen, bunter zu werden!“

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