Frauen an der Spitze

Renate Pflug: „Es ist immer noch mein Traumjob“

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Frauenpower im Pflegeheim: „Dass ich so erfolgreich bin, verdanke ich zum großen Teil meinem Team“, sagt Renate Pflug.

Scheeßel - Von Ursula Ujen. Die Karriereleiter hat sie Sprosse für Sprosse erklommen – von unten nach ganz oben. Zielstrebig ist Renate Pflug, in Bremen geboren und in Ritterhude aufgewachsen, ihren Weg von der Krankenschwester bis zur selbstständigen Heimleiterin gegangen.

Heute, mit 63, ist Pflug für zwei Pflegeeinrichtungen in Scheeßel und Ostervesede sowie für einen ambulanten Pflegedienst in Fintel verantwortlich. „Ein Traumjob“, betont die Frau an der Spitze.

Nach der Ausbildung an der Professor-Hess-Kinderklinik in Bremen und einer Zusatzqualifikation in der Anästhesie- und Intensivmedizin arbeitete Renate Pflug einige Monate in ihrem erlernten Beruf, um dann eine weitere Ausbildung zur OP-Schwester anzuschließen. Nebenbei besuchte sie das Abendgymnasium, um mit dem dort erlangten Abitur zu studieren, „wobei ich mir meinen Lebensunterhalt mit allerlei Nebenjobs wie Taxifahren oder Babysitten verdient habe“, erinnert sich die Scheeßelerin.

Aus dem Studium wurde dann doch nichts, da der damals 30-Jährigen seinerzeit kein Bafög mehr zustand, und so arbeitete sie zunächst in ihrem Beruf als Anästhesieschwester. „Als ich die Stellenausschreibung des Krankenhauses auf Borkum für eine neue Pflegedienstleitung las, dachte ich, dass diese genau zu meinem Profil passte und bewarb mich spontan.“ 

Auf Borkum gearbeitet

Tatsächlich erhielt sie eine Zusage, ihr neuer Arbeitsplatz auf der Nordseeinsel habe sich als „wahrer Glücksfall“ erwiesen. „Er entsprach genau meinen Vorstellungen von einer interessanten und verantwortungsvollen Tätigkeit – nicht zu vergessen das Inselleben mit gesundem Hochseeklima. Leider wurde das Krankenhaus im Zuge der Gesundheitsreform geschlossen, und so musste ich nach zehn Jahren wieder die Koffer packen.“

Während Pflugs Tätigkeit auf Borkum habe sie festgestellt, dass ihr die Arbeit mit Familien und explizit Senioren – beispielsweise bei der Überleitung von alten Insulanern in Pflegeeinrichtungen – „besonders am Herzen liegt“, verdeutlicht die 63-Jährige ihren damaligen Entschluss, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und ein eigenes Pflegeheim zu eröffnen.

Dann in Selbstständigkeit gewagt

„Nach ausgiebiger Suche bin ich in Ostervesede fündig geworden, und dann habe ich mich durch die Gründung einer eigenen Existenz in ein persönliches großes Abenteuer gestürzt.“ Die Finanzierung sei ihr durch ihre Hausbank sowie eigene Rücklagen gelungen, und im April 1996 konnte sie das „Haus im Garten“ eröffnen. Getreu ihrem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ folgte 1998 in zwei Abschnitten der Um- beziehungsweise Neubau in Ostervesede mit Fertigstellung im Sommer 1999.

Als vier Jahre später in Scheeßel das Seniorenheim „Heidehaus Sengermann“ an der Fabrikstraße zum Erwerb angeboten wurde, erhielt Renate Pflug den Zuschlag. Fortan führte sie zusammen mit ihrem Bruder Manfred, den sie zuvor mit ins Boot geholt hatte, nun beide „Häuser im Garten“. Der studierte Betriebswirt und Sales-Manager unterstützte seine Schwester nach Kräften, und „durch die Aufgabenteilung – er kaufmännischer Bereich, ich Pflegebereich – wuchsen wir zu einem guten Team zusammen, denn allein hätte ich damals beide Heime nicht führen können“, betont die Powerfrau.

Wunschkonzept eines Pflegeheims verwirklicht

Mit dem Neubau 2004 an der Scheeßeler Bahnhofstraße verwirklichte die Scheeßelerin dann ihr Wunschkonzept von einem Pflegeheim, in das sie selbst gerne einziehen würde: Neben allem technischen Equipment seien ihr warme Farben und ein heimeliges Flair wichtig gewesen, aber auch großzügige Gemeinschaftsräume, die viel Licht hereinlassen und einen aktiven Blick nach draußen gewähren – rund um den Bahnhof sei schließlich immer viel los, sagt sie, und die Bewohner würden es genießen, warm und sicher das Treiben draußen zu beobachten.

„Dass wir so erfolgreich sind, verdanken wir zum großen Teil unserem Team“, betont die Geschäftsführerin. „Etliche Mitarbeiterinnen halten uns seit der Übernahme 1996 die Treue – die Fluktuation ist sehr gering. Wer einmal hier arbeitet, bleibt in der Regel bei uns.“ Durch die Übernahme des ambulanten Pflegedienstes in Fintel erfolgte 2011 zudem die Erweiterung des ambulanten Services der Firma „Haus im Garten“ für zu Hause gepflegte Patienten im Großraum von Scheeßel.

Nichte in Geschäftsleitung eingestiegen

Renate Pflug darf auch künftig auf familiäre Unterstützung hoffen, denn ihre Nichte Sarah ist nach dem frühzeitigen Ableben ihres Vaters Manfred Pflug in die Geschäftsleitung eingestiegen, sodass die Nachfolge gesichert scheint.

Da sie durch ihr berufliches Engagement manchmal bis fast an ihre Grenzen gegangen ist, tritt sie seit einiger Zeit etwas kürzer und widmet sich auch vermehrt privaten Interessen: Neben ihrer Vorstandstätigkeit im Aktivkreis Scheeßel und der regelmäßigen Doppelkopf-Runde macht die Singlefrau tatsächlich auch mal Urlaub, allerdings nicht auf Borkum oder Mallorca – nein, sie begibt sie sich lieber auf interessante Studienreisen zu entlegenen Zielen.

„Es ist immer noch mein Traumjob“, konstatiert Renate Pflug, „der Weg nach oben hat zwar viel Engagement und Kraft gekostet und war nicht immer leicht, aber der Einsatz hat sich gelohnt, denn ich habe letztendlich alle meine beruflichen Ziele erreicht, und für mich haben sich fast unerreichbar scheinende Träume erfüllt.“

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