INTERVIEW AM WOCHENENDE Elke Twesten über Ziele im Heimatverein Scheeßel

„Ich bin gut vorbereitet“

Elke Twesten ist neue Vorsitzende des Scheeßeler Heimatvereins.
+
Elke Twesten ist neue Vorsitzende des Scheeßeler Heimatvereins.

Scheeßel – Seit knapp zwei Monaten ist die ehemalige Landtagsabgeordnete Elke Twesten die neue Vorsitzende des Heimatvereins Scheeßel. Was die 58-Jährige für diese Aufgabe prädestiniert und wie sie die großen Fußstapfen ihres Vorgängers Uwe Wahlers füllen will, verriet die „Scheeßeler Deern“ uns im Interview.

Frau Twesten, nach Ihrem Rückzug aus der Landespolitik war es eine Zeit lang still um Sie. Ist es ein gutes Gefühl, wieder in der Öffentlichkeit zu stehen?

Es ist ein gutes Gefühl, in diesem ganz besonderen Ehrenamt etwas von dem zurückgeben zu können, was die Scheeßeler mir seinerzeit mit meinem Weg in die Landespolitik ermöglicht haben. Ich habe auf diesem Weg viele nützliche Dinge und interessante Menschen kennengelernt, die ich für die Arbeit im Vorstand des Heimatvereins gut gebrauchen kann. Ich freu mich darauf, mich jetzt auf diese Weise für meinen Heimatort engagieren zu können. Gemeinsam mit einem gut eingespielten Team kommt es in den nächsten Jahren darauf an, das bisher Erreichte adäquat weiterzuentwickeln.

Schon einige Monate vor der Generalversammlung zeichnete sich ab, dass Uwe Wahlers sein Amt niederlegen würde. Mussten Sie lange überlegen, ob Sie die Nachfolge antreten wollen?

Nein, ich habe gar nicht lange überlegt, denn ich kann mich von Kind auf an mit dem Heimatverein als Aushängeschild Scheeßeler Kultur- und Heimatpflege identifizieren. Aber wir haben uns vorher über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder getroffen und uns in einem größeren Kreis über alle anstehenden Aufgaben ausgetauscht. Der Verein hat sich sozusagen rechtzeitig um eine Nachfolge gekümmert. Ich bin insofern gut vorbereitet und hatte Zeit genug, mich auf diese Aufgabe einzustellen.

Bislang waren Sie im Heimatverein nicht aktiv in Erscheinung getreten – was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Das Interesse an all dem, was der Heimatverein macht, begleitet mich von klein auf. Ich bin am Meyerhof mitten im Herzen von Scheeßel aufgewachsen, meine Urgroßmutter Margaretha Lüdemann hat schon 1906 die ersten Trachtenmädchen angezogen und schon als Kind hat mich unsere Nachbarin Marianne Cordes an die Pflege unserer Trachten herangeführt und mein Interesse für Scheeßeler Traditionen, die Geschichte unseres Ortes und unsere Heimat am Rande der Lüneburger Heide, geweckt. Sonntagsbesuche im Heimathaus zählten in meiner Kindheit zu den Pflichtterminen, wenn wir zuhause Besuch hatten. In meiner Schulzeit gehörte Heimatkunde noch ganz selbstverständlich dazu.

Heimatvereinen haftet ja oft ein Image der Gestrigen an. Wie kommt das?

Vermutlich können sich viele Menschen nicht vorstellen, wie spannend es sein kann, die eigene Geschichte, sei es die der Familie, der Nachbarschaft, eines Straßenzugs oder besonderer Ereignisse aus der Vergangenheit, zu ergründen. Ein Blick in unsere Satzung ist Aufgabe und Auftrag zugleich: Heimatgeschichte greifbar machen und auf heutige Verhältnisse runterbrechen. Die Blaudruckausstellung im Weberhaus auf dem Meyerhof ist ein gutes Beispiel dafür: Hier werden mit modernsten audiovisuellen Möglichkeiten vielfältige Eindrücke mittelalterlicher Handelswege und historischer Handwerkskünste präsentiert. Parallel dazu bereiten unsere Mitarbeiterinnen damit in Zusammenhang stehende Themen wie Fast-Fashion und Upcycling für das Kinderferienprogramm auf.

Wie groß sind die Fußstapfen, in die Sie nun treten?

Da es eine für mich ganz bewusste Entscheidung war, meine Talente, mein Know-how, meine Kreativität und meine Zeit in den Dienst des Heimatvereins zu stellen, sind die Fußstapfen auch nicht mehr so groß. Die Herausforderungen, die jetzt vor uns liegen, sind andere als zu der Zeit, als Christine Behrens den Vorsitz innehatte, und lassen sich auch nicht mit den Großprojekten vergleichen, die in der Amtszeit von Uwe Wahlers dran waren. Jede Zeit hat ihre besonderen Herausforderungen, meine ganz besondere Aufgabe wird es sein, den Heimatverein zukunftsfähig zu machen.

Apropos zukunftsfähiger Heimatverein: Uwe Wahlers hatte sich die Blaudruck-Dauerausstellung auf die Fahnen geschrieben. Welche konkreten Ziele haben Sie sich gesteckt?

Mein größter Wunsch wäre es, sowohl dem Heimathaus als auch dem Meyerhofgelände neues Leben einzuhauchen. Für neue Begegnungsräume, sowohl für alteingesessene Familien, Kinder und Senioren als auch für Neubürger. Ich denke dabei an Erzählnachmittage, Lesungen und Vorträge – an Angebote, die zusammenschweißen.

Kann Ihr politisches Netzwerk Ihnen für Ihre Arbeit als Vorsitzende nützlich sein?

Ganz sicher, denn ich bin seit über 20 Jahren für Scheeßel und den Landkreis ehrenamtlich und politisch aktiv, war als Landtagsabgeordnete im gesamten Elbe-Weser-Bereich unterwegs, da ist viel, wie man so sagt, hängen geblieben. Insbesondere habe ich viele gute Kontakte, die ich mit Blick auf meine jetzige Aufgabe für durchaus ausbaufähig halte, manche Verbände, wie zum Beispiel den Landschaftsverband Stade, kenne ich noch aus meiner Zeit im Gemeinderat Scheeßel Anfang der 2000er-Jahre.

Andere Vereine haben mit Überalterung der Mitglieder und fehlendem Nachwuchs zu kämpfen. Wie ist der Heimatverein in Scheeßel aufgestellt?

Wir haben viele Mitglieder, viele Talente und viele Menschen in unserem Verein, die über ein unglaubliches Detailwissen verfügen. Jetzt gilt es, diese Kräfte zu bündeln, diesen Schatz zu erhalten und die Scheeßeler für uns zu gewinnen, die noch ansatzweise eine Vorstellung davon haben, wie es früher war, um den für den Verein charakteristischen Heimatpflegegedanken weiterzutragen. Ich hätte viel Freude daran, insbesondere meine Generation, die noch ganz genau weiß, wie es sich in einem Drei-Generationen-Haus lebt, für eine Mitarbeit im Heimatverein zu gewinnen.

Haben Sie konkrete Ideen, in welche Richtung man die Verjüngung und Steigerung der Attraktivität des Heimatvereins lenken kann?

Dazu werden in Zukunft Maßnahmen erforderlich sein, den Verein noch mehr für eine Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, Organisationen und Interessengruppen zu öffnen, Schnittmengen zu suchen und einzigartige Angebote zu machen, da ist Kreativität gefragt. Wir brauchen sie alle: die Kinder, die unsere museumspädagogischen Angebote nutzen; die Eltern, die auf diese Weise mit uns in Kontakt kommen und Lust bekommen, uns bei unserer Arbeit zu unterstützen; die Großeltern mit einem oft größerem Zeitkontingent, die auch gerne mal mithelfen, das ein oder andere Projekt zu verwirklichen, weil sie sich in bestimmten Bereichen besonders gut auskennen.

Bei den Genehmigungen für touristische Autobahnbeschilderungen bekamen die Nordpfade und der Landpark Lauenbrück den Zuschlag, der Blaudruck als immaterielles Weltkulturerbe nicht. Wurmt Sie das? Bleiben Sie dran?

Nun, diese Entscheidung ist schlussendlich noch nicht gefallen, es wird immer noch geprüft, ob wir nicht selbstverständlich dazugehören, wir haben bis heute jedenfalls nichts Gegenteiliges vernommen; mit Unterstützung der Gemeinde und unseren Abgeordneten in Hannover bleiben wir selbstverständlich am Ball.

Die Verfolgung welcher Ziele darf man mit Ihnen an der Spitze des Heimatvereins in Zukunft erwarten?

Wir werden ganz bestimmt daran arbeiten, das bereits seit 1908 bestehende Kunstgewerbehaus über die Grenzen Scheeßels hinaus bekannt zu machen, indem wir ausgebildeten Künstlern und Künstlerinnen, die von ihrer Kunst leben, ein Forum bieten. Außerdem liegt mir sehr viel daran, die mit Unterstützung von Ernst Müller-Scheeßel auch über das Kunstgewerbehaus historisch gewachsenen Verbindungen nach Worpswede zu reaktivieren. Schließlich waren es die heute international bekannten Maler und Bildhauer Hans am Ende, Heinrich Vogeler, Otto Modersohn, Fritz Overbeck und Fritz Mackensen, die schon im Zuge des allerersten Trachtenfestes 1904 dafür gesorgt haben, dass Scheeßel in geradezu vorbildlicher Art und Weise zu einem Aushängeschild des niedersächsischen Heimatschutzgedankens geworden ist.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Meistgelesene Artikel

Mit dem 22-Tonnen-Maishäcksler auf dem Acker unterwegs

Mit dem 22-Tonnen-Maishäcksler auf dem Acker unterwegs

Mit dem 22-Tonnen-Maishäcksler auf dem Acker unterwegs
Der Kreis Rotenburg verabschiedet sich von Landrat Luttmann

Der Kreis Rotenburg verabschiedet sich von Landrat Luttmann

Der Kreis Rotenburg verabschiedet sich von Landrat Luttmann
Nach Verwüstungen in der Sporthalle: Schadenshöhe könnte noch steigen

Nach Verwüstungen in der Sporthalle: Schadenshöhe könnte noch steigen

Nach Verwüstungen in der Sporthalle: Schadenshöhe könnte noch steigen
Theater 11. August nimmt Atommüllendlagersuche in den Fokus

Theater 11. August nimmt Atommüllendlagersuche in den Fokus

Theater 11. August nimmt Atommüllendlagersuche in den Fokus

Kommentare