Ausfall des Hurricane Festivals

Interview mit Hurricane-Chef Stephan Thanscheidt: „Ticketkontigent für 2021 deutlich kleiner“

Mit dem „#HurricaneSwimTeam“ steht FKP-Scorpio-Geschäftsführer Stephan Thanscheidt (l.) selbst auf der kleinen Bühne des ausfallenden Festivals und spielt Bass. 
Foto: NDR Fotograf Benjamin Hüllenkremer
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Mit dem „#HurricaneSwimTeam“ steht FKP-Scorpio-Geschäftsführer Stephan Thanscheidt (l.) selbst auf der kleinen Bühne des ausfallenden Festivals und spielt Bass. Foto: NDR Fotograf Benjamin Hüllenkremer

Scheeßel – Stephan Thanscheidt ist Musikfan. Er ist Musiker. Und er ist Geschäftsführer, einer der beiden Chefs von Europas größtem Festivalveranstalter FKP Scorpio. Im Interview spricht er über den Ausfall des Hurricane, Perspektiven und dieses Wochenende, an dem trotzdem nicht auf Musik verzichtet werden muss.

  • Das Hurricane Festival in Scheeßel musste wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr abgesagt werden
  • Im Interview spricht Stephan Thanscheidt, einer der Veranstaltungs-Chefs, über den Ausfall und Perspektiven
  • Weiteres Thema ist die am Wochenende stattfindende Hurricane Home Edition und das verkleinerte Ticketkontingent für 2021

Was machen Sie heute?

Ich feiere mit vielen anderen unsere Hurricane-Home-Edition: Tagsüber läuft der „CampFM“-Radiostream unseres eigenen Onlinefestivalradios, zudem verfolge ich die Hurricane.Insta-Stories und die Bilder und Kommentare, die auf hurricane.de gesammelt werden, und gucke den Stream über das ganze Wochenende und die Sendung im NDR Fernsehen am Samstagabend mit vielen Konzerthighlights und Überraschungen, die unsere Partner vom NDR in Kooperation mit Arte für dieses Wochenende zusammengestellt haben.

Gibt es eine große Ausfallparty mit den Kollegen?

Wir haben uns ganz privat mit anderen aus dem Team, die dieses Wochenende eigentlich auf dem Festival gearbeitet hätten, zum gemeinsamen Bierchen bei der Hurricane-Home-Edition verabredet und stoßen von der heimischen Couch miteinander an. Sobald die Distanzregeln dies zulassen, werden wir uns auch sicher wieder treffen, um nachzufeiern – aber dies ist derzeit ja leider noch nicht möglich.

Waren die Maßnahmen, die die Kulturszene komplett lahmlegen, aus Ihrer Sicht richtig – oder übertrieben?

Wir stehen komplett hinter diesen Maßnahmen und verstehen absolut, dass sie nötig waren und immer noch sind, so bitter das auch für uns und die gesamte Veranstaltungsbranche ist.

Wird es die Festivalszene im nächsten Jahr noch geben?

Ja, davon bin ich fest überzeugt. Wir bemerken insbesondere auf unseren Social Media-Kanälen in Bezug auf die Festivals, aber hinsichtlich normaler Konzerte, dass die Lust auf Live-Musik trotz der Krise ungebrochen ist. Die Menschen wollen diese Events fühlen, erleben und gemeinsam Spaß haben. Ich glaube, je länger wir alle auf Konzerte und Festivals verzichten müssen, umso größer ist die Sehnsucht nach Party, Musik und positiver Eskalation und umso euphorischer wird nächstes Jahr auf den Festivals gefeiert.

War es Ihrerseits nie eine Option, das Hurricane zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr doch noch stattfinden zu lassen?

Das wäre mit zu vielen Fragezeichen verbunden gewesen, da die Lage insbesondere in der nahen Zukunft unvorhersehbar ist und auch unsere Acts nicht so kurzfristig planen können. Wir wollten für unsere Künstler und Besucher größtmögliche Sicherheit schaffen, daher ist der Ausfall verbunden mit unserer Ticketlösung letztlich die bessere Option.

Ist das Hurricane in seiner Fortführung gefährdet?

Nein. Wir waren zum Glück versichert und natürlich hilft es uns enorm, dass unsere Gäste fast ausnahmslos ihre Tickets auf 2021 übertragen haben. Auch emotional. Diese Treue dem Hurricane gegenüber, die wir ja auch von fast allen Bands erleben, die sich schon für 2021 committed haben, das berührt uns und gibt uns Kraft.

Wie viele Tickets für die Ausgabe 2021 sind schon weg?

Für Hurricane und Southside zusammen sind bereits mehr als 100. 000 Tickets auf 2021 umgeschrieben worden. Das ist unglaublich, und wir können uns nicht genug für die Treue unserer Gäste bedanken! Das bedeutet auch, dass das Ticketkontingent im regulären Vorverkauf, der am 19. Juni begonnen hat, dieses Mal vergleichsweise deutlich kleiner ist.

Viele Künstler von 2020 sind nun 2021 dabei. Wie ist Ihnen das gelungen?

Wir sind auch echt froh, dass uns dieses Kunststück geglückt ist. Ohne die gute Arbeit unseres Teams und die unkomplizierte Reaktion unserer Künstler wäre das sicherlich nicht möglich gewesen. Zudem war es uns wichtig, unseren Acts treu zu bleiben, die durch die derzeitige Situation genauso betroffen sind wie wir. Solche schnellen Lösungen sind auch möglich, weil wir schon lange dabei sind und über den Ruf und das Netzwerk verfügen, um auch in Ausnahmesituationen für alle Beteiligten verlässlich zu sein.

Warum sind Konzerte und Festivals für uns wichtig?

Oder anders gefragt: Was verlieren wir, weil wir 2020 keine Veranstaltungen besuchen und keine bewegenden Live-Erfahrungen dieser Art erleben können? Wir verlieren, dass was die Liebe und die Identifikation zur Musik und zu bestimmten Szenen ausmacht, Erinnerungen an besondere Events, wir verlieren diese magischen Momente, die nur ein Live-Erlebnis in der familiären Atmosphäre des Hurricanes bieten kann, wir verpassen neue Freunde, das Wiedersehen mit alten Bekannten, neue Lieblingskünstler oder alte Helden.

Viele Künstler treten jetzt in Livestreams auf, spielen Wohnzimmerkonzerte. Ist das eine gute Form, Kunst am Leben zu erhalten?

Wir alle verbringen aktuell einen Großteil unserer Zeit vor dem Bildschirm. Sei es in Videokonferenzen, privaten Chats mit Freunden, sei es bei Sportkursen oder Webinaren. Ich denke, ein Wohnzimmerkonzert ist besser als gar keine Kultur und eine Option für Künstler, mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben. Es ist aber keine Alternative zu live und natürlich auch kein echtes Geschäftsmodell, was die Branche und die vielen damit verbundenen Gewerke am Leben halten kann!

Welchen Auftritt vermissen Sie in diesem Jahr am meisten?

Ich vermisse in diesem Jahr keinen einzelnen speziellen Auftritt, sondern das gesamte Festivalerlebnis. Ich vermisse die Möglichkeit, an drei Tagen eine tolle Mischung aus heimischen und internationalen Acts, aus etablierten Headlinern und hoffnungsvollen Newcomern erleben zu können. Und natürlich vermisse ich es selber, als Teil des „#HurricaneSwimTeams“ das Festival zu eröffnen!

Wie wird sich das kulturelle Erlebnis nach Corona verändern?

Wir nehmen aktuell einen großen Hunger nach Kultur wahr. Ich glaube, die Menschen erkennen (frei nach Loriot): Ein Leben ohne Kultur ist möglich, aber sinnlos!  mk

Der Vorverkauf für das Hurricane Festival 2021 hat bereits begonnen. Zudem wurden bereits weitere Bands bestätigt.

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