Interview über Festival-Trends 2019

Hurricane-Macher Folkert Koopmans: Camping-Erlebnis bleibt wichtig

+
Das Hurricane Festival brachte 2018 etwa 65.000 Musikfans in dem Örtchen Scheeßel zusammen.

Dosenbier-Paletten verstaut, Zelt aus dem Keller geholt - drei Tage Festival können kommen. So einfach ist es nicht mehr. Immer mehr Gäste drängen in Luxus-Resorts und VIP-Lounges. Wir sprachen mit dem Hurricane-/Southside-Macher Folkert Koopmans über das Eventjahr 2019 und darüber hinaus.

Scheeßel/Hamburg - Von Lars Warnecke. Einer, der den Wandel im Festival-Business hautnah miterlebt, ist Folkert Koopmans. Er verantwortet unter anderem das Hurricane-Festival auf dem Scheeßeler Eichenring. Das geht dieses Jahr in seine 23. Runde – vom 21. bis 23. Juni. Im Interview mit kreiszeitung.de spricht der FKP-Scorpio-Geschäftsführer über neue Bedürfnisse, höhere Preise und warum das Hurricane aus seiner Sicht immer noch großartig ist.

Herr Koopmans, das Bild von Musikfestivals ist heute stark von Eventtourismus und dem Erstellen von Instagrammotiven geprägt. Würden Sie dem zustimmen? 

Das kommt noch immer sehr auf das jeweilige Festival an. Wir möchten mit dem Hurricane nach wie vor kein zweites Coachella auf die Beine stellen und sind froh, dass es bewusst als norddeutsche, authentische und musikalisch reizvolle Alternative zu Hochglanz-Festivals gesehen wird.

Aber auch Sie setzen auf Komfort-Camping und Foodtrucks. Hat das noch etwas mit dem ursprünglichen Festival-Gedanken zu tun? 

Ich habe in meiner Zeit als Veranstalter viele Trends kommen und gehen sehen, die Nachfrage nach komfortabler Unterbringung und gutem Essen kann ich aber nachvollziehen. Eine komfortable Unterkunft hat auch nicht zwangsweise etwas mit Luxus zu tun: Immer mehr Besucher möchten sich eben ganz auf die Künstler konzentrieren, was wir als Musikfans verstehen und positiv sehen. Für die Mehrheit der Besucher ist der klassische Camping-Aspekt aber nach wie vor zentral, und das soll auch gerne so bleiben. Was wirklich zählt, sind doch Musik, Gemeinschaft und Freiheit – sie bilden nach wie vor den wirklichen Kern des Festival-Gedankens. 

Steht die Musik denn nach wie vor tatsächlich noch im Vordergrund des Publikumsinteresses? 

Unbedingt. Wir stehen durch unsere Besucherumfragen oder Kleingruppeninterviews im engen Dialog mit unseren Besuchern, und das Bild ist eindeutig: Unsere Gäste kommen hauptsächlich wegen der Musik, obwohl sie auch unsere weiteren Angebote in der Unterbringung oder Gastronomie zu schätzen wissen. Genauer gesagt geht es auf dem Hurricane also nicht einfach nur um Musik – sondern um ein Musikerlebnis. 

Wie erklären Sie es sich, dass das Hurricane im vergangenen Jahr – wie auch andere große deutsche Festivals – nicht ausverkauft war? Sollte das Goldene Zeitalter der großen Festivals etwa endgültig vorbei sein?

Folkert Koopmans organisierte früher Band-Auftritte im Jugendzentrum, nun gehört sein Unternehmen zu den Schwergewichten in der Festivalbranche.

Dass uns eine Zeitenwende bevorsteht, ist etwas zu hoch gegriffen. Das Hurricane hatte in seiner insgesamt erfolgreichen Geschichte öfter Jahre, die nicht optimal gelaufen sind. Auch der gesamte Festivalmarkt folgt eben marktwirtschaftlichen Zyklen. Zu dieser allgemeinen Begründung kommt hinzu, dass nach 2016 und 2017 hinter uns und unseren Besuchern zwei Jahre mit Wetterbedingungen liegen, die selbst in Norddeutschland als schlecht bezeichnet werden dürfen. 

Wie sind Sie denn mit dem aktuellen Stand des Vorverkaufs für das Hurricane zufrieden? 

Der Vorverkauf ist rund 15 Prozent besser als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr, was wir auf unser starkes Line-up zurückführen. Ein Festival, das an drei Tagen die Foo Fighters, Mumford & Sons, Die Toten Hosen, The Cure, Macklemore und Tame Impala bietet, ist eben schon etwas sehr Besonderes. 

Sie bieten wie im vergangenen Jahr erneut Tagestickets an. Ist hier ein Trend erkennbar? Welche Schlüsse ziehen Sie daraus? 

Wir haben in diesem Jahr so früh wie noch nie Tagestickets in den Verkauf gegeben, da die Nachfrage rasant gestiegen ist. Als wir im vergangenen Jahr nach langer Zeit wieder Tagestickets angeboten haben, waren wir vom tatsächlichen Ausmaß der Verkäufe selbst überrascht. Das hat uns ermutigt, diesen Weg weiterzugehen: Tagestickets bedeuten für uns Veranstalter allerdings eine große logistische Herausforderung, da wir beispielsweise eigene Bändchen und Parkplätze vorhalten müssen. Diese Arbeit lohnt sich nur, wenn das Angebot entsprechend viele Menschen annehmen – was mittlerweile definitiv der Fall ist. 

Hurricane: Die Stimmung auf dem Infield

Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Menker
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung.. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne
Auf dem Infield herrschte gute Stimmung. © Heyne

Können Sie die Preisdifferenz zum vergangenen Jahr erklären? 

Die Preisgestaltung in dieser Kategorie ist natürlich maßgeblich vom Line-up abhängig, und allein mit den diesjährigen sechs Headlinern bringen wir das Who-is-Who der internationalen Musikszene nach Scheeßel. Das hat natürlich seinen Preis, der aber immer noch fair ist: Wer in diesem Jahr beispielsweise ein Tagesticket für den Hurricane-Sonntag kauft, erlebt an einem Tag voller Konzerte zwei vollwertige Shows internationaler Top-Acts wie Foo Fighters und The Cure für einen Preis, den man normalerweise für nur eine Show dieser Künstler zahlen würde. Dafür haben wir den Timetable übrigens so umgestaltet, dass unsere Besucher beide Headliner genießen können. 

Sprechen wir doch noch etwas über das Line-up. Hier stehen auch viele eher unbekannte Namen auf der Liste. 

Die Party geht auf den Campingplätzen weiter. Kostüme gehören einfach dazu.

Die Gestaltung unseres Line-ups muss mehrere Kriterien erfüllen: Natürlich präsentieren wir international erfolgreiche Künstler und bekannte Namen, aber als Musikfan kann ich jedem nur empfehlen, unser Billing auch mal von unten zu lesen. Uns ist es wichtig, nicht nur den Geschmack unserer Besucher zu treffen, sondern sie nach drei intensiven Tagen auch mit neuen musikalischen Eindrücken nach Hause zu schicken. Ich kann dafür stellvertretend Acts wie Idles, Sam Fender, Lauv oder Steiner & Madlaina nennen, weitere Neuheiten sollen unsere Besucher gerne selbst entdecken. Musikliebhaber erzählen ja bekanntlich gerne von ihren Neuentdeckungen – wir stellen sie eben gleich auf unsere Bühnen, das ist das Tolle an meinem Job. Ich finde es außerdem erfüllend zu sehen, wie diese Acts gemeinsam mit uns wachsen. In unserem Büro hängen die Hurricane-Plakate der vergangenen Jahre. Auf dem Poster aus 1999 stehen die heutigen Ikonen von Muse noch ganz klein in der letzten Zeile. 

Die Vielfalt an präsentierten Genres ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Hängt das mit veränderten Hörgewohnheiten zusammen? 

Das ist richtig. Wie schon gesagt stehen wir in engem Austausch mit unseren Besuchern, die uns auch regelmäßig wissen lassen, welche Künstler sie selbst gerne einmal auf dem Hurricane erleben möchten. Und so präsentieren wir heute mit Indie, Rock, Pop, Electro und Hip-Hop eine Musikmischung, die genauso vielfältig ist wie unsere Besucher. Uns gefällt dieser Gedanke: Das Hurricane verbindet Menschen unterschiedlichster Herkunft und Geschmäcker, die gemeinsam feiern und eine gute Zeit haben. Obwohl ich schon lange dabei bin, staune ich immer wieder, wie stark Musik unterschiedlichste Menschen zusammenbringt. 

Aus den sonst üblichen drei Headlinern, also ein Zugpferd pro Festivaltag, sind jetzt sechs Bands geworden. Hat das einen besonderen Grund? 

In diesem Jahr hatten wir aus verschiedenen Gründen die Gelegenheit, unseren Fans etwas Gutes zu tun, also haben wir die Chance genutzt. So werten wir schließlich auch die beliebter werdenden Tagestickets auf: Egal ob Freitag, Samstag oder Sonntag – unsere Tagesbesucher können neben etlichen Konzerten gleich zwei Headliner-Shows nacheinander erleben. 

Ohne Mega-Headliner nicht genug Publikum, mit Mega-Headlinern werden die Tickets zu teuer für ausreichend Publikum. Wie kommt man als Veranstalter aus dieser Zwickmühle raus? 

Es stimmt, mit der zunehmenden Wichtigkeit des Live-Geschäfts steigen auch die Gagen. In den vergangenen zehn Jahren haben sie sich im Schnitt mehr als verdoppelt. Als Veranstalter sind wir jetzt gefragt, für unsere Besucher ein Paket zu schnüren, bei dem der Preis in einem gesunden Verhältnis zum Angebot steht. Außerdem ist es wichtig, neben den Komfort- und VIP-Angeboten nicht das Gros unserer Besucher aus den Augen zu verlieren. Für jedes Portemonnaie muss es ein passendes Ticket geben. Daher werden wir die steigenden Kosten auch nicht unbegrenzt an unsere Besucher weitergeben, auch wenn eine leichte Angleichung in den letzten Jahren wirtschaftlich unausweichlich war. 

Der deutsche Festivalmarkt ist unglaublich umkämpft. Nun veranstalten Sie im Sommer auch wieder das Deichbrand bei Cuxhaven. Machen Sie sich damit nicht ein Stück weit auch selbst Konkurrenz? 

Wir haben zahlreiche Festivals in unserem Portfolio, und bei jedem achten wir darauf, dass es genug regionale und stilistische Eigenständigkeit hat, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Das Hurricane ist unsere älteste und prestigereichste Festival-Marke – das hat sich auch durch das Deichbrand nicht geändert. Beide Festivals waren in den vergangenen Jahren außerdem regelmäßig nebeneinander ausverkauft. 

Wo sehen Sie das Hurricane-Festival in zehn Jahren stehen? 

Wir möchten weiterhin innovativ sein und als Vorreiter betrachtet werden, was Musik und Service angeht. Das ist uns in der Vergangenheit sehr gut gelungen, aber wir müssen aktiv daran arbeiten, damit das so bleibt. Mir persönlich ist auch wichtig, dass wir nicht vergessen, woher wir kommen. Ich lebe schon lange in der Region und weiß, dass ein Festival dieser Größenordnung und Qualität niemals möglich wäre, wenn wir von Anwohnern, Politik oder Medien keine Unterstützung erfahren würden. Dafür sind wir sehr dankbar und möchten unsere Verbindungen in die Region weiter stärken. Ich glaube außerdem, dass wir uns auch älteren Besucherschichten nicht verschließen sollten, obwohl unsere Kernzielgruppe natürlich jung ist. Aber auch viele unserer Gäste werden älter – auf Livemusik wollen sie, genauso wie ich, aber trotzdem nicht verzichten. 

Gibt es für das anstehende Festival noch eine weitere Bandwelle? 

Die wichtigsten Namen stehen fest. Wie immer melden wir uns, sollte es noch Neuigkeiten geben.

Zur Person: Folkert Koopmans

Früher organisierte er Fan-Auftritte von Bands im Jugendzentrum. Heute gehört er längst zu den Schwergewichten der deutschen Veranstalterbranche. Folkert Koopmans’ Unternehmen FKP Scorpio, vor 29 Jahren gegründet, stellt pro Jahr inzwischen gut 1.000 Club-Konzerte und 16 Open-Airs in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und der Schweiz, darunter Großveranstaltungen wie das Deichbrand, M‘era Luna oder eben das Hurricane-Festival, auf die Beine. Scorpio hat 100 Mitarbeiter und setzte zuletzt rund 100 Millionen Euro um. Der dreifache Familienvater lebt im kleinen Örtchen Nindorf (Landkreis Harburg), wo er auch eine Welsh-Black-Rinderzucht betreibt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

5. Gartentage in Thedinghausen

5. Gartentage in Thedinghausen

Bayerns Meister um Robbéry - 1:0 für "ausgelaugten" Kovac

Bayerns Meister um Robbéry - 1:0 für "ausgelaugten" Kovac

100 Schafe am Pestruper Gräberfeld geschoren

100 Schafe am Pestruper Gräberfeld geschoren

Kita „Bärenhöhle“ in Helvesiek feiert Jubiläumsfest

Kita „Bärenhöhle“ in Helvesiek feiert Jubiläumsfest

Meistgelesene Artikel

DKMS-Typisierungsaktion des SV Jeersdorf: Drei Wattestäbchen für ein Leben

DKMS-Typisierungsaktion des SV Jeersdorf: Drei Wattestäbchen für ein Leben

Unbekannter bewirft Zug mit Stein

Unbekannter bewirft Zug mit Stein

Jobmesse „Hire me!“: Mit einem Vertrag nach Hause

Jobmesse „Hire me!“: Mit einem Vertrag nach Hause

Ein Ort der Begegnung: Studentin zeigt „Kulturhof“-Entwürfe

Ein Ort der Begegnung: Studentin zeigt „Kulturhof“-Entwürfe

Kommentare