Hotelier Braumüller macht beim GVS-Stammtisch seinem Ärger Luft / Differenziertes Meinungsbild

Rundumschlag gegen den Kahlschlag

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Ob Scheeßel-Tag oder Spargelmarkt – der Untervogtplatz nimmt bei den örtlichen Veranstaltungen eine wichtige Standortrolle ein.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Außergewöhnlich politisch geriet der jüngste Stammtisch des Scheeßeler Gewerbe- und Verkehrsvereins (GVS) am Montagabend. Grundlage für den Exkurs im Scheeßeler Hof boten einmal mehr die im Zuge der Untervogtplatz-Umgestaltung vorgesehenen Baumfällungen. „Ein Ärgernis, dass man sich bei genauerem Hinsehen hätte ersparen können“, findet Anwohner und Gasthaus-Götze-Betreiber Bernd Braumüller. „Eine Notwendigkeit, um den Ort voranzubringen“, meint dagegen GVS-Vorsitzender Hauke Hollmann.

Nein, unter diesen Umständen wolle er sich am bevorstehenden Spargelmarkt Ende April auf keinen Fall mehr beteiligen. Sichtlich um Fassung rang Braumüller, seit zwei Jahren Inhaber der Pension am Untervogtplatz, als er im Beisein von rund einem Dutzend weiterer Gewerbetreibender zum Rundumschlag gegen die geplante Fällaktion ausholte. Da hörte selbst Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele genauer hin, die allerdings um eine sachliche Darstellung der Dinge bemüht war.

Für ihn als direkten Anwohner sei es vollkommen unverständlich, dass nicht von Anfang an Tacheles gesprochen worden sei, so Braumüller. „Jetzt ist der Zwang da, die Fällungen auch durchzuführen, da eine Neuplanung wieder zusätzliches Geld kosten würde“, nannte er einen Kritikpunkt. Spätestens im März würden alle sechs Bäume, gesunde wie kranke, von der Bildfläche verschwunden sein – vorausgesetzt, die vom Architekturbüro erarbeitete Ausführungsplanung findet nächste Woche im Gemeinderat jene Mehrheit, die sie schon im Kernortausschuss bekommen hatte (wir berichteten).

Braumüller ist überzeugt: Wäre die Gemeinde bei der Umgestaltung ähnlich vorgegangen wie die Stadt Rotenburg – dort würden ihm zufolge nach Umweltschutzverbände von Anfang an in vergleichbare Planungen mit einbezogen –, „wäre das Thema, über das wir uns heute unterhalten, sicherlich vermeidbar gewesen“.

In der Tat war es der Rotenburger Nabu, der Ende vergangenen Jahres, auf Braumüllers Hinweis hin, nochmals einen genaueren Blick in die Planunterlagen geworfen hatte – und an der Beseitigung des Baumbestandes öffentlich Kritik übte. Dass dort nun die Bäume zwecks Blickachsenoptimierung und Anlegung eines Kommunikationsplatzes weichen sollen, war selbst einigen Ratsmitgliedern bis vor wenigen Wochen nicht bekannt. Dabei steht die Umgestaltung schon seit zwei Jahren auf der politischen Agenda.

„Anfangs hatte ich mich auf die Umgestaltung noch gefreut, inzwischen tue ich das nicht mehr – es wird schlichtweg die schützende Intimität fehlen, die den Platz bisher ausgemacht hat“, machte der Hotelier seinem Ärger Luft.

Dem sieht die Bürgermeisterin gelassener entgegen. Immerhin würden ja auch neue, „und keinesfalls kleine Bäume“ neu gepflanzt werden, entgegnete sie.

Eine Möglichkeit, den alten Bestand doch noch in Teilen zu erhalten, sieht Dittmer-Scheele nicht. „Sonst müssten sehr große, in den Gehweg hineinragende Baumscheiben angelegt und im Kronenbereich Einkürzungen vorgenommen werden, sodass die Optik nicht mehr die gleiche wäre“, gab sie zu bedenken. Darüber hinaus sei der bereits vom Rat verabschiedete Entwurfsplan mit seinem Kommunikationsplatz ohnehin Grundlage dafür gewesen, dass die rund 800000 Euro teure Maßnahme nun zu Zweidrittel gefördert werden könne.

Einen „konsequenten Schritt in die richtige Richtung“ nennt Bernd Miesner die Umgestaltung. Auch der Raumausstatter ist mit seinem Geschäft nur einen Steinwurf vom Untervogtplatz entfernt. Und auch er heißt nicht alles gut, was die Planungen betrifft. So würden die Kronen eines neu zu schaffenen Baumtores seiner Prognose nach die Sicht auf sein Ladenlokal „völlig wegblenden“. Miesner: „Ich bin da ein bisschen zwiegespalten, aber generell für die Umgestaltung, da sie Bestandteil der gesamten Kernortsanierung ist und auch eine Menge Möglichkeiten bietet, als jetzt nur der Parkplatz.“

Skeptisch äußerte sich hingegen Hans Brauns vom Heimatverein. „Wir sind überhaupt nicht in die Planungen eingebunden worden“, übte das Vorstandsmitglied Kritik. Vor dem Hintergrund, dass in der Satzung der Brauchtumspfleger auch der Naturschutz festgeschrieben sei, werde sein Verein die Fällaktion keineswegs unterstützen.

Wenig Verständnis brachte Angelika Dorsch, dritte Gewerbevereinsvorsitzende und zugleich Mandatsträgerin im Gemeinderat, für Braumüllers Äußerungen auf. Die Kritik, dass Ratsleute die Planungen nicht richtig gesehen hätten oder dass auf die Baumfällungen nicht hingewiesen worden sei, könne sie nicht nachvollziehen. „Dass da Bäume weichen müssen, war in den Unterlagen doch schon seit langem für jedermann einsehbar.“

Ein Machtwort sprach schließlich Hauke Hollmann. Er wolle politische Angelegenheiten nicht im Gewerbeverein ausgetragen wissen, so der GVS-Chef. „Wenn die Bäume gefällt werden müssen, dann pflanzt man eben neue nach – bestenfalls auch gleich mit einem höheren Wuchs“, lautete sein Vorschlag.

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