Genau festgelegt

Flaggenhissung in Scheeßel: Mit hohem Symbolcharakter

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Zu besonderen Anlässen wird in der Gemeinde geflaggt – nicht nur vor dem Rathaus, sondern auch vor der Beekeschule und den Grundschulen in Scheeßel und Hetzwege. 

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Hollywood hat die Vorgehensweise in den USA schon unzählige Male in Szene gesetzt: Ein Soldat hisst „The Star-Spangled-Banner“, ein anderer bläst auf der Trompete und viele salutieren ehrfurchtsvoll. Auch in Frankreich sind die Menschen stolz auf ihre „Tricolore“. Die Flagge – überall auf der Welt hat sie einen hohen Symbolcharakter und ist für viele Menschen ein Teil der eigenen Identität. Zu besonderen Anlässen wird auch in Scheeßel geflaggt. Jetzt, am 17. Juni, ist wieder so ein Tag, an dem gleich drei Flaggen feierlich vor dem Rathaus wehen – auch wenn das Hissen in der Regel ohne großen Pomp und Pathos über die Bühne geht.

„Für das Beflaggen brauche ich ungefähr zehn Minuten und es geht dabei alles andere als feierlich zu“, erzählt Ingo Meyer-Hartmann. Er ist einer der beiden Hausmeister des Scheeßeler Rathauses und gemeinsam mit seinem Kollegen Jürgen Grafelmann für das pünktliche und ordnungsgemäße Beflaggen der Masten auf dem Untervogtplatz zuständig ist. „Pünktlich“ und „ordnungsgemäß“ sind sperrige Wörter, sie haben in diesem Zusammenhang aber durchaus ihre Berechtigung. In Deutschland gibt es nämlich, wer hätte es gedacht, einen Beflaggungserlass der Bundesregierung und im Falle von Niedersachsen eine im Landesgesetz verankerte Beflaggungsverordnung, die das öffentliche Flaggen vor Dienstgebäuden detailreich regelt.

Letztgenannter ist beispielsweise zu entnehmen, dass es in Niedersachsen zehn regelmäßige Beflaggungstage gibt. Einer davon ist der „Tag zum Gedenken an den Volksaufstand in der ehemaligen DDR“, der an diesem Sonnabend begangen wird. Ingo Meyer-Hartmann muss deshalb schon früh das Bett verlassen, denn die Verordnung verlangt, dass die Flaggen um 7 Uhr morgens aufgehängt werden müssen. Erst am Abend dürfen sie wieder abgenommen werden.

Im Keller des Verwaltungsgebäudes haben die beiden Hausmeister Zugriff auf vier verschiedene Flaggen: Die Flagge der Europäischen Union, die Flagge der Bundesrepublik Deutschland, die Flagge des Landes Niedersachsen und, geziert mit dem Eichenblattwappen, die gelb-grüne Flagge der Gemeinde Scheeßel.

Die Reihenfolge ist streng reglementiert

Ortskundigen wird an dieser Stelle auffallen, dass es vor dem Rathaus lediglich drei Fahnenmasten gibt. Das ist jedoch kein Problem, denn die Verordnung regelt ebenso die Reihenfolge der Beflaggung. „Mit Blick auf das Rathaus hängt links die wichtigste Flagge“, erläutert Stefan Behrens, allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin. Aus diesem Grund sei beispielsweise am Europatag (9. Mai) keine Gemeindeflagge zu sehen. Diese würde aber selbstverständlich gehisst, wenn ein speziell Scheeßel betreffendes Ereignis wie zuletzt die Einweihung des neuen Untervogtplatzes ansteht, – quasi als Anordnung aus eigenem Haus. Außerordentliche Beflaggung kann auch von der Staatskanzlei in Hannover per Dekret angeordnet werden. „Zuletzt gab es so etwas nach dem Terroranschlag in Manchester“, berichtet Behrens. Die Hausmeister müssten in solchen Fällen dann kurzfristig reagieren. Zu solch einem Anlass verlangt die Verordnung eine Trauerbeflaggung. Die Flaggen werden dann also nur auf halbmast gesetzt, wie auch beim Ableben von politischen Persönlichkeiten und am Volkstrauertag.

In diesem Jahr müssen Meyer-Hartmann und sein Kollege übrigens noch mindestens sechs Mal an die Arbeit, denn neben fünf noch anstehenden fixen Beflaggungstagen kommt in diesem Jahr der Tag der Bundestagswahl im September dazu. Genügend Gelegenheit also für die Scheeßeler Bürger, sich an dieser Symbolik zu erfreuen – und das unabhängig von der Wetterlage. „Es wird auch bei Regen und Schnee geflaggt“, sagt der Hausmeister. Die symbolträchtigen Stoffe werden dann anschließend ganz unspektakulär im Keller des Rathauses zum Trocknen aufgehängt – an einer gewöhnlichen Wäscheleine.

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