Hitzestau im Kernort

Bei 33 Grad im Schatten ist auch in Scheeßel jede Abkühlung willkommen

Bei diesen Temperaturen ist für Straßenbauer Carsten Heeger das Erneuern von Borden und Gossen kein Vergnügen. Er und seine Kollegen arbeiten schutzlos unter der Mittagssonne. - Fotos: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. 33 Grad im Schatten – wie hält man das aus, wenn man wie die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung unterm Dach im Scheeßeler Rathaus arbeiten oder im Freien auf der Baustelle körperlich schuften muss? Wir haben uns gestern im Beeke-Ort umgehört.

Es ist heiß, sehr heiß. Um sich in der Sahara-Hitze ein klein wenig Abkühlung zu verschaffen, hat Jonathan, vier Jahre alt, Kurs auf das Wasserspiel genommen. Die Mutter sitzt nebenan beim Friseur, die Oma passt derweil auf den Jungen auf. Quietschvergnügt rennt Jonathan durch die sprudelnden Fontänen. „Eine tolle Sache“, findet die Großmutter, „so etwas müsste es in Rotenburg, wo wir herkommen, auch geben.“ Und auch der Enkelsohn meint: „Einfach cool!“

Tatsächlich, sagt Stefan Behrens, erfreut sich die vor vier Jahren von der Gemeinde in Betrieb genommene Anlage auf dem Marktplatz gerade unter Kindern großer Beliebtheit. Der Verwaltungsmann muss es wissen, hat er doch gleich nebenan, im Obergeschoss des Scheeßeler Rathauses, sein Büro. Von dem aus hätte man eigentlich einen prima Ausblick auf den Kirchturm und den Untervogtplatz – heute aber bleiben die Jalousien unten, wie übrigens in allen Büroräumen, die sich auf der sonnenverwöhnten Südostseite des Betonklotzes befinden. „So lässt sich die Affenhitze wenigstens ein bisschen besser aushalten“, meint Behrens. Denn weder verfüge das Rathaus über eine Klimaanlage noch über eine Be- und Entlüftungsanlage. Er und seine Mannschaft wissen sich zu helfen – mit Tischventilatoren und ganz viel Durchhaltevermögen. Dabei ist das weibliche Personal sogar noch klar im Vorteil: Laut verwaltungsinternerer Kleiderordnung dürfen Mitarbeiterinnen an heißen Tagen nämlich auch im kurzen Beinkleid zur Arbeit kommen – im Gegensatz zu den Herren der Schöpfung.

Ortswechsel: An der Harburger Straße sind Carsten Heeger und seine Kollegen von der Westerescher Straßen- und Tiefbaufirma R & T damit beschäftigt, die Borde und Gossen zu erneuern. Zwei Wochen schon sind die Seitenräume der Bundesstraße, die zwischen Königsmoor und dem Kernort Scheeßel nach und nach eine neue Asphaltschicht erhält, ihr Arbeitsplatz – bei durchgehend hochsommerlichen Temperaturen und einer unerbittlich vom Himmel scheinenden Sonne. Tauschen möchte mit den Straßenbauern in diesen Tagen wohl keiner. „Dachdecker möchte ich derzeit aber auch nicht sein“, sagt Heeger, der eigenen Angaben nach viel trinkt, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. „Fünf Liter am Tag – ohne Probleme.“

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