Schlichten ist besser als Richten

Gemeinde besetzt mit zwei Neu-Scheeßelern das Schiedsamt neu

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In der Praxis sind es oft Streitfälle unter Nachbarn, mit denen es die Schiedsleute zu tun bekommen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Sie, 52, ist Betriebswirtin mit Diplom, er, 65, Gymnasiallehrer im Ruhestand. Was beide eint: der Hang zur Harmonie und der Wille, Streitigkeiten anderer zu schlichten. Natürlich nur dann, wenn ihre ehrenamtlichen Dienste auch wirklich gefragt sind.

Andrea Schmaucks und Ulrich Leis, beide noch nicht lange in der Gemeinde wohnhaft, sind die neuen Gesichter im Scheeßeler Schiedsamt. Das hatte über zwölf Jahre der Boscheler Klaus-Peter Schürmann bekleidet. 

Sein Stellvertreter, Wilhelm Riepshoff aus Sothel, sogar noch länger: Ganze 18 Jahre lang stand er ununterbrochen als stellvertretender Schiedsmann Spalier, wenn es darum ging, streitige Rechtsangelegenheiten im Nachbarrecht, bei Ehrverletzungen oder in „kleinen“ Strafsachen wie Beleidigung oder Hausfriedensbruch zu schlichten – und das gütlich, wie Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) am Donnerstag im Rathaus bei der offiziellen Übergabe des Staffelstabs an die neuen Ehrenamtsträger (beide sind bereits seit Anfang des Jahres in Amt und Würden) erklärte. 

Gleichzeitig erhielten die bisherigen Schiedsmänner im Namen der Gemeinde Dankesurkunden und Ehrenmedaillen für ihre langjährige Tätigkeit. Die Verwaltungschefin betonte bei der Verabschiedung die für alle Teile befriedigende Zusammenarbeit mit Schürmann und seinem Kollegen.

Organ der Rechtspflege

Als Organ der Rechtspflege müsse die Schiedsperson ihre Aufgaben gewissenhaft und unparteiisch wahrnehmen und über ihre Verhandlungen und die Verhältnisse der Parteien, soweit sie ihr amtlich bekannt geworden sind, Verschwiegenheit wahren, beschrieb die Verwaltungschefin die Aufgabenstellung. 

Die kennen die „Neuen“ auch schon aus der Praxis. Denn sowohl Leis, aus Nordrhein-Westfalen an die Beeke gezogen, als auch dessen Stellvertreterin, vorher in Brandenburg und jetzt in Abbendorf wohnhaft, haben schon langjährige Erfahrungen in dem verantwortungsvollen Amt sammeln können. Auch deswegen haben sich beide wohl gegen die „Konkurrenz“ durchsetzen können, schließlich hätten sich nach einem Zeitungsbericht eine ganze Reihe von Interessenten im Rathaus gemeldet, so Dittmer-Scheele. 

Gewählt worden seien sie vom Rat der Gemeinde für fünf Jahre, die Verpflichtung, so sieht es das Reglement vor, erfolgte bereits durch das Amtsgericht. Die Bürgermeisterin wünschte den neuen Amtsinhabern, dass sie die Tätigkeit auch als Bereicherung des eigenen Lebens empfinden. „Sie übernehmen damit Verantwortung und setzen sich für den Nächsten ein!“

Selbst konstruktive Lösungen entwickeln

Das Schiedsamt, plauderte Klaus-Peter Schürmann aus dem Nähkästchen, sei eine große Herausforderung, „aber auch eine wundervolle Aufgabe“. Die meisten Fälle habe er tatsächlich mit Nachbarschaftsstreitigkeiten erlebt. Klassisch seien Konflikte wegen Lärmbelästigungen, Nachbars Grill, die Hecke und herüberhängende Zweige. 

„Im Grunde aber stieß ich oft auf ein tiefer liegendes Problem, das den Streit verursachte. Manche Parteien sprachen schon jahrelang nicht mehr miteinander.“ Er selbst sprach von nur drei Fällen, bei denen er trotz seiner Bemühungen kein Einvernehmen habe erzielen konnte. Auf die Frage, wer im Lauf der Jahre streitsüchtiger gewesen sei – Frauen oder Männer? – tendiert er nach kurzem Überlegen eher zu den männlichen Klienten.

Man biete eben dann Hilfe an, wenn sich die Nachbarn nicht mehr selbst helfen können, erklärte Nachfolger Ulrich Leis. „Es handelt sich um eine Konfliktvermittlung, die dadurch geleistet wird, dass wir die Beteiligten in die Lage versetzen, wieder miteinander zu sprechen.“ Die Gesprächsmoderation durch die Schiedsperson ermögliche es den Nachbarn, selbst konstruktive Lösungen zu entwickeln. Ein solches Schlichtungsverfahren, ergänzte Andrea Schmaucks, sei auch viel kostengünstiger als ein Gerichtsprozess.

Eine hohe Kunst also, in der sich die Abbendorferin und der Scheeßeler ein weiteres Mal, nunmehr im neuen Umfeld, für die Dauer von vorerst fünf Jahren versuchen wollen. Zu erreichen ist Ulrich Leis unter der Telefonnummer 04263 / 6756309 oder per E-Mail an ulileis@gmx.de. An Schmaucks können sich „Zankhähne“ unter 0160 / 7768132 oder per Mail (andrea.schmaucks@gmx.de) wenden.

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