Mehr als 300 Teilnehmer und 50 Helfer bei Typisierungsaktion in Westervesede

Kleiner Piks für Jürgen

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Jürgen Gaertner (v.r.) mit Ehefrau, Ortsbürgermeister Ralf Jürges und Initiator Frank Tietjen (l.) freuen sich über die Resonanz.

Westervesede - Von Ulla Heyne. Samstagmorgen, kurz vor elf. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus steht bereits eine lange Schlange. „Seid ihr Helfer oder wollt Ihr spenden?“, will Malte Rinkens, Verantwortlicher der DMKS für die heutige Typisierungsaktion, wissen . „Beides“, meint Thyra Bahrenburg.

Vom Organisator der Aktion „Jürgen will leben“, Frank Tietjen, angesprochen, hat die Vorsitzende der Landjugend ein Dutzend Jugendliche mobilisiert. Sie werden heute gut fünf Stunden lang helfen, die Daten potenzieller Stammzellenspender zu erfassen.

Der Begriff Mobilisierung prägte die gesamte Aktion zur Erfassung potenzieller Knochmark- und Stammzellenspender am Sonnabend. „Das ganze Dorf ist auf den Beinen!“, staunte SEG-Mitarbeiterin Britta Rottinghaus; nicht nur mehr als 300 Spender, die sich fünf Milliliter Blut abzapfen lassen, sondern auch zahlreiche Unterstützer: Neben Landjugend und den Landfrauen, die für Kaffee, Kuchen und Suppe sorgen, ist dank Tobias Nanke, einem Nachbarn des Leukämie-Erkrankten, auch die schnelle Einsatzgruppe (SEG) des Landkreises dabei.

Neun Mitarbeiter nehmen Blut ab, Notarzt Dr. Joachim Henßel ist als verantwortlicher Arzt dabei. Dazu kommen die Helfer von der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), die für Materialnachschub sorgen und bei Nachfragen Rat wissen. So klärt Malte Rinkens auch diejenigen auf, die nicht als Spender infrage kommen, etwa wegen Allergien oder Vorerkrankungen: „Wer zum Beispiel regelmäßig auf Medikamente angewiesen ist, die nicht abgesetzt werden können, kann nicht spenden – da gilt für uns der Spenderschutz!“ Trotz des ernsten Hintergrundes herrscht eine lockere Atmosphäre – man kennt sich.

An einem der Tische mit Kaffee und Kuchen sitzt auch Jürgen Gaertner, dessen Erkrankung an Blutkrebs Auslöser dieser Aktion war. Er steht für mögliche Fragen Rede und Antwort. Meist werden jedoch die Hände bekannter Gesichter geschüttelt, „bei Fremden gibt es wohl Hemmschwellen“. Außer dem „halben Dorf“, wie Initiator Tietjen sich freut, sind die Menschen aus der gesamten Region gekommen, aus Sittensen, Scheeßel oder Hemslingen, um in rund 20 Minuten die vier Stationen der Typisierung – Datenerfassung, Kontrolle, Blutabnahme und Endkontrolle – zu absolvieren. So wie Martina Indorf aus Helvesiek: „Das hatte ich immer schon mal vor, bisher war es mir aber zu weit weg“, so die gelernte PTA, „cool, dass es jetzt mal in der Nähe stattfindet“. Sie würde nicht nur für Jürgen ihre Stammzellen spenden, sondern selbstverständlich auch bundesweit, und nach kurzem Nachdenken: „Im Prinzip auch weltweit.“ Was viele nicht wissen: Für eine solche Spende muss der passende Spender nur das nächste darauf eingestellte Krankenhaus besuchen, die lebensrettenden Stammzellen werden dann zum Empfänger transportiert.

Für Jürgen heißt es warten – die Ergebnisse der Registrierungsaktion sollen in drei bis vier Wochen vorliegen. Auch ihm ist klar, dass eine Übereinstimmung wie die Nadel im Heuhaufen wäre. „Aber die Aktion kommt ja auch den anderen Patienten weltweit zugute – das ist ja das Tolle“, gibt er sich positiv. Für den lebensbejahenden Wahl-Westerveseder ist die Aktion unabhängig von ihrem Ergebnis ein Erfolg: „So groß wie hier der Zusammenhalt im Dorf ist, wie viele Menschen sich hier ohne großes Aufhebens engagieren – das wäre in der Großstadt wohl kaum vorstellbar.“

Tietjen hofft indessen auf weitere finanzielle Unterstützung. Zweieinhalb Tage hat er bei Unternehmen der Region vorgesprochen, um Spenden einzuwerben – die Kosten pro Typisierung belaufen sich auf 50 Euro, im Löwenanteil Laborkosten. „Es könnte mehr sein, aber viele haben bereits ihre Hilfe signalisiert, und die Aktion läuft ja noch!“

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