Heilpraktikerin Nicole Hehnke entführt Redaktionspraktikantin Jessica Ginter in eine andere Welt

Auf Du und Du mit dem Einhorn

Nicole Hehnke mit ihrem „Arbeitsmaterial“: Die Bilder und ihr Buch drehen sich rund um die Welt der Einhörner. Mit diesen sollen auch ihre Kunden Bekanntschaft machen. - Foto: Ginter

Scheeßel/Mulmshorn - Von Jessica Ginter. „Lausche in dein Inneres, um dich selbst wahrzunehmen. Genieße die Energie deiner Heilwiese.“ – Sanft und mantraartig redet Nicole Hehnke auf mich ein. Die Scheeßelerin arbeitet als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Psychotherapie – und ist überzeugt: „Ich bin ein Medium für die Einhörner der goldenen Horde!“ Hinter dem, was so merkwürdig klingt, stecke sehr viel mehr als Spinnerei, ist Hehnke sich sicher. Ob ich mich aufs Horn habe nehmen lassen oder nicht, zeigt mein Selbstversuch.

„Das klingt doch völlig verrückt“, war mein erster Gedanke, als ich von dem Service erfuhr, den Nicole Hehnke dem geneigten Besucher ihres Mulmshorner Seminarraumes anbietet: Über Meditation will die im Hauptberuf selbstständige Nageldesignerin mich zu meiner eigenen Mitte finden lassen. So weit, so gut. Aber dass ich einem Einhorn begegnen soll, jenem weißen Pferd mit magischen Kräften, auf der Stirn ein gewundenes Horn – nun ja, ich lasse mich überraschen. Zumindest mutet alles schon einmal recht mystisch an, als ich in die ganz reale, in Kerzenlicht erhellte Welt der 40-Jährigen eintrete: In allen erdenklichen Formen und Farben begegnen mir Zeichnungen – an den Wänden und von der Zimmerdecke hängend. „Das alles sind meine selbst angefertigten Heilungssymbole – 28 an der Zahl“, klärt Hehnke mich auf.

Ganz entspannt: Jessica Ginter findet zu ihrer Mitte.

Sie bittet mich, auf einem lilafarbenen Yogakissen Platz zu nehmen. Ob das mit dem Meditieren auch wirklich klappt? Immerhin bin ich noch recht nervös. „Schließe die Augen und zieh’ eine Karte“, fordert sie mich auf. Meine zufällige Wahl fällt auf das Blatt mit der Nummer vier – das vierte Heilungssymbol. Es werde mir beibringen, mich zu zentrieren, in die Stille sowie ins reine Bewusstsein zu kommen, erklärt mir mein Gegenüber. Erst mithilfe des Symbols und eines entsprechenden Meditationstextes, den Hehnke mir vortragen wird, könne ich Bekanntschaft mit einem aus einer Parallelwelt stammenden Einhorn machen – so, wie sie selbst täglich dem Fabelwesen begegne. Na, ob das wohl klappt? Ich bin immer noch recht skeptisch.

Dann beginnt das Prozedere. Die Scheeßelerin schlägt ihr Buch auf. Auf ihrem Schoß liegt ein Monochord, ein Saiteninstrument, dem sie harfenähnliche Klänge entlockt. Es geht auf eine Fantasiereise. Ich würde einem Einhorn mit bläulichem Fell und goldgelbem Schimmer begegnen, heißt es in dem Text. „Lass dich vom Einhorn führen“, dringen ihre Worte aus scheinbarer Ferne an mein Ohr, während ich die Augen weiterhin geschlossen halte. Stop. Für den Bruchteil einer Sekunde holt mich Hehnke wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, nur damit ich im nächsten Moment mit dem behörnten Wesen über saftig grüne Wiesen in Richtung Sonnenuntergang schlendere.

Und auch schon wieder vorbei. Nach etwa einer halben Stunde ist die Geschichte zu Ende erzählt – und damit auch die Meditation zum Abschluss gebracht. Zugegeben, ich habe schon so meine Schwierigkeiten, die Augen zu öffnen und in mein reales Umfeld zurückzufinden. Nach und nach nehme ich das Licht und die Wärme im Raum wahr. „Willkommen zurück“, lächelt mich Hehnke an. „Jetzt befassen wir uns intensiver mit deiner Mitte.“

Energiefluss über die Atemwege

Auf ihre Anweisung hin richte ich mich von dem Kissen auf, die Augen wieder geschlossen. Plötzlich bemerke ich, wie die Heilpraktikerin sich gezielt auf verschiedene Punkte meines Körpers konzentriert und versucht, die Energie der Einhörner über ihre Atmung an mich zu übertragen. Vor dem Transfer warnt sie mich: „Es kann vorkommen, dass ich anders und tiefer Luft hole – somit übertrage ich die Energie an dich.“

Ich komme ins Schwanken und spüre, wie sich um mich herum alles zu drehen beginnt. „Irgendwann kommt der Punkt, wenn du ins reine Bewusstsein gehen kannst“, erklärt die Heilerin weiter. „Dadurch, dass du nichts erzwingst und es einfach auf dich zukommen lässt, kann es sein, dass dein geistiger Bereich deinen Körper bewegt“, erinnere ich mich an ihre einleitenden Worte zurück.

Und sie hatte Recht. „Spüre mal, wie du stehst. Ganz weich und flexibel, aber trotzdem fest.“ Ich schwanke einfach vor mich hin. Wie in Trance spüre ich Nichts – außer Hehnkes Nähe.

Irgendwann neigt sich auch diese Erfahrung dem Ende. „Versuche ein paar Schritte zu gehen“, fordert mich die Heilpraktikerin auf. Ich folge ihren Anweisungen und schleiche durch das Zimmer. Hehnke erklärt: „Gerade bei dieser Art wie ich arbeite, sind es ganz feine Veränderungen, die kommen können.“ Womöglich kann ich in Zukunft besser schlafen oder träume mal von einem Einhorn, sagt sie mir. Ich bin gespannt.

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