Haushaltsberatungen: Ausschuss wirft scharfen Blick auf Sportvereinszuschüsse / Diskussion um Richtlinien

„Dann können wir das in die Tonne treten“

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Elf Anträge aus dem Sportwesen liegen der Gemeinde vor. Nicht alle erfüllen die Fördermittelkriterien.

Scheeßel - Ob neue Umkleiden für den Bartelsdorfer SV, der Bau eines Rennbüros auf dem Eichenring oder die Sanierung des Luftgewehrschießstandes der Westerveseder Schützen – für das kommende Jahr haben sich die hiesigen Sportvereine einiges auf die Fahnen geschrieben. Das kostet natürlich Geld. Geld, das die Ehrenamtler nach den vor zwei Jahren von der Politik verabschiedeten Richtlinien nicht zu hundert Prozent selbst aufbringen müssen. 20 Prozent an Fördermitteln stellt ihnen die Gemeinde Scheeßel für Investitionen Jahr für Jahr aufs Neue in Aussicht – solange der Beitrag nicht eine Summe von 20000 Euro übersteigt. Damit, so der Gedanke hinter den Richtlinien, solle vermieden werden, dass es unter den Vereinen zu einer Ungleichbehandlung kommt.

Elf Zuschussanträge aus dem Sportwesen lagen dem Ausschuss für Jugend, Senioren, Soziales und Sport in seiner jüngsten Sitzung nun vor. Allerdings orientieren die sich nicht alle an der Reglementierung, von der laut einer Klausel nur in besonderen Einzelfällen Abstand genommen werden kann. Der SV Rot-Weiß Scheeßel etwa möchte eine 73-prozentige Bezuschussung für die Errichtung einer neuen Flutlichtanlage. Und auch die Vereine aus Bartelsdorf und Westervesede sowie der MSC Eichenring liegen mit ihren beantragten Fördermitteln – mal mehr, mal weniger – über der prozentualen Maximalgrenze.

Zuschusssummen, deren Höhe die SPD durchaus gerechtfertig sieht. „Gerade diese Vereine haben doch eine hohe Außenwirkung – sie investieren nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Allgemeinwohl“, erklärte Johannes Hillebrand. Danach müsse man genau hinschauen, ob wirklich nach Richtlinie oder nach Beantragung entschieden werden soll.

Dieses Fass will Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) jedoch erst gar nicht öffnen. „Wenn wir das so machen, können wir die Richtlinien doch gleich wieder in die Tonne treten“, sagte sie. „Dann werden die Ehrlichen, die sich mit 20 Prozent danach gerichtet haben, bestraft – und alle anderen erfahren eine Bevorzugung.“

Das sieht auch die CDU so. „Ich könnte allenfalls den Antrag des MSC anerkennen, bei allen anderen gibt es weitere Zuschussmöglichkeiten auch von anderer Stelle – das müsste doch erstmal ausgeschöpft werden“, so Dirk Lange. Und Reinhard Frick ergänzte: „Wenn wir die Richtlinien haben, sollten wir wirklich alles, was da hineinpasst und nicht wirklich etwas ganz Besonderes ist, danach bezuschussen – alles andere wäre nicht gerecht.“

Würde die Politik den beantragten Zuschüssen unverändert zustimmen, müsste die Gemeinde insgesamt rund 98000 Euro an die Sportvereine auszahlen. Eingestellt seien in den ohnehin schon vorsichtig kalkulierten Haushaltsentwurf bisher aber nur 60000 Euro, informierte die Bürgermeisterin. „Wenn nun darüber hinaus die Summen zur Verfügung gestellt werden sollen, verschlechtert sich das Ergebnis nochmal“, gab sie zu bedenken.

Einen Kompromissvorschlag unterbreitete am Ende Manfred Lieder (CDU): „Wir sollten heute alle Anträge auf 20 Prozent beschließen. Falls sich unsere finanzielle Situation am Ende des Jahres besser darstellen sollte, können wir bei den größeren Positionen dann immer noch in eine Einzelfallbezuschussung einsteigen.“ Ein Vorschlag, mit dem eine große Mehrheit im Ausschuss leben konnte.

lw

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