Hartmut Lohmann hält die Geschichte der Roten Funken fest

Die Chroniken von Ostervees

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Funken-Archivar Hartmut Lohmann weiß genau, wo er jedes der vielen hundert Dokumente abgelegt hat.

Ostervesede - Die Roten Funken haben ein lebendiges Gedächtnis. Und das heißt Hartmut Lohmann. Tausende Dokumente bewahrt der Chronist in Plastiklaschen zwischen Ordnerdeckeln, aber inzwischen auch in Kartons für Druckerpapier auf, der große, mit Styropor gegen die Feuchtigkeit ausgekleidete Kellerraum ist voll von Schätzen über den Osterveseder Spielmannszug.

Was er wo findet, hat der Leiter des Finanzbereichs im Agaplesion Diakonieklinikum in Rotenburg im Kopf – der Wellensittich, den er bei Karnevalszügen an der Brille trägt, ist ebenso schnell gefunden wie die Spielerpässe der ersten Herren vom TuS Ostervesede von 1950. Schätze, die Lohmann zugespielt werden – längst ist bekannt, dass der Archivar aus Leidenschaft die Chroniken gleich mehrerer Vereine, wenn nicht des ganzen Ortes Ostervesede, fortschreibt.

„Drei Stunden pro Woche kommen da schon zusammen“, so der Familienvater, während er die Tagespresse nach sammelwerten Artikeln durchblättert. Bei Silberhochzeiten oder anderen Jubiläen, wie dem der Roten Funken in einigen Tagen, wenn es um Fotos, Fakten oder Jahreszahlen geht, heißt es oft: „Frag mal den Hartmut.“ Meist kann er helfen. Hinter den Schätzen in seinem Fundus verbergen sich Geschichten und kollektive Erinnerungen des Fanfaren- und Spielmannszugs. Vom Studiobesuch in Köln beispielsweise, als die Gruppe nach dem jährlichen Auftritt beim Karneval in der Domstadt und folgendem Verkehrschaos gerade noch rechtzeitig beim Anfangstrailer ins RTL-Studio stürzte, und Moderator Wilfried Mohren mit ihren Verkleidungen so aus dem Konzept brachte, dass er sich das Lachen bei der Anmoderation kaum verkneifen konnte. Davon hat sich Lohmann sogar einen Fernseh-Mitschnitt besorgt.

Aber auch Erinnerungen an Menschen kommen hoch: An den Herrenfußballer Heinz-Georg Demuth den sie nur „Adenauer“ nannten und der mit seinen Schafen dafür sorgte, dass der Fußballplatz immer frisch gemäht war. Oder vom damaligen Spielmannszugleiter Peter Meyer, der seinen Unimog bei der Bundeswehr mit Fahrradklingel ausgerüstet hatte. Neben Relikten vergangener Zeiten wie dem alten TuS-Kassenbuch in schwarzer Tinte und Schönschrift von 1920 oder dem Konto-Buch des Radfahrvereins von 1911, aus dem der TuS Ostervesede später hervorging, archiviert Lohmann auch allgemeine Artikel, über Arbeitslosenzahlen oder Benzinpreise: „Ich will die Zeit bewerten, in der man gelebt hat – hatten die Leute mehr Geld im Portemonnaie, konnte auch der Verein besser und einfacher wirtschaften.“ Die Triebfeder für sein aufwändiges Hobby? „Keine Ahnung, das hat mich immer schon interessiert – wenn auch eher unbewusst.“ Schon als Jugendlicher sammelte der Fußballer neben Zeitungsartikeln über seine Mannschaft auch eigene, auf der Reiseschreibmaschine abgefasste Spielberichte; ab 1988 professionalisierte er die Sammelleidenschaft als Archivar der Funken und schrieb zum 75. Jubiläum des TuS dessen Chronik neu.

Wenn „sein“ Spielmannszug an diesem Wochenende das 50-jährige Bestehen feiert, hat Lohmann alle Hände voll zu tun – und die Ordner des Chronisten werden wieder ein paar Zentimeter dicker.

hey

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