Unterwegs mit dem „Mess-Käfer“

Hans-Jürgen Feldmann erlebt in 50 Berufsjahren viel technischen Fortschritt

Das Dienstfahrzeug, das Hans-Jürgen Feldmann nutzt, ist mit einem mobilen Arbeitsplatz mit Schreibtisch und Laptop ausgestattet.
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Das Dienstfahrzeug, das Hans-Jürgen Feldmann nutzt, ist mit einem mobilen Arbeitsplatz mit Schreibtisch und Laptop ausgestattet.

Scheeßel/Visselhövede – Ob Bremervörde, Winsen, Nordseeküste oder wie an diesem Vormittag Lauenbrück – wenn Hans-Jürgen Feldmann, Vermessungstechniker im Außendienst, zu seinem jeweiligen Einsatzort fährt, kennt er auf dem Weg „jeden Grenzstein“, wie sein Chef Dirk Mittelstädt vom Vermessungsbüro Mittelstädt und Schröder mit einem Schmunzeln erklärt.

Und das ist noch nicht einmal übertrieben, ist der Visselhöveder doch seit sage und schreibe 50 Jahren für die „Vermessung der Welt“ im Elbe-Weser-Dreieck und darüber hinaus im Einsatz.

Viel hat sich seitdem geändert, seit Feldmann, 1975 von Firmengründer Gerd Mittelstädt als dritter Arbeitnehmer des heute gut 30-köpfigen Unternehmens rekrutiert, von seiner Lehrfirma in Visselhövede nach Scheeßel wechselte. Firmenwagen wie heute, eingerichtet mit einem mobilen Arbeitsplatz, gab es noch nicht – da funktionierte der Vermesser aus Leidenschaft schon mal den Privatwagen zum „Mess-Käfer“ um, wie der Blick ins Fotoalbum verrät.

Die Historie der Vermessungstechnik zeigen einige Exponate im Büro von Dirk Mittelstädt, darunter der orangene Laserscanner der ersten Stunde.

War man früher noch mit Maßband, Fluchtstange, Spaten sowie Taschenrechner unterwegs, gehörten später Tachymeter zur Winkel- und Streckenmessung sowie Feldrechner zur Standard-Ausrüstung. Seit den 1990er- Jahren hat GPS Einzug gehalten. „Früher rechnete der Ingenieur, die beiden Gehilfen buddelten“, erinnert sich Dirk Mittelstädt. Aus dem Dreier-Team sind dank neuester Technik längst Ein- oder Zwei-Mann-Einsätze geworden. Statt einem Auftrag pro Tag im Katasterbereich werden heute in der Regel zwei bis drei abgearbeitet.

Die neuste Technik – Fluch oder Segen? „Eigentlich beides“, meint Mittelstädt, der 2000 in der Chefetage einstieg und als „Jungspund“ von Feldmann eingearbeitet wurde. Der Druck sei größer geworden, allerdings auch die Effizienz. Auch komfortabler sind die Systeme geworden: Wo früher der Weg über Stock und Stein oder auch mal das Kriechen durchs Gebüsch erforderlich waren, ermöglicht heute moderne Technik das Messen mit Tachymetern und GPS-Geräten das Messen von beliebigen Standorten aus.

Auch an diesem Morgen in Lauenbrück ist die neueste Technik im Einsatz. Das Team muss das Grundstück für die Messung nicht betreten. Die eingesetzten Tachymeter mit berührungslosen Lasermessteilen haben heute eine Reichweite von 500 bis 1000 Metern statt der anfänglichen 20 Metern vor 20 Jahren. Karten liegen in der Regel digital vor. Die erforderlichen Daten können vor Ort aufs Tablet geladen werden. Nichtsdestotrotz werden vor dem Einsatz Ausdrucke erstellt, die das Eintragen von Maßen und Notizen vereinfachen.

Dabei ist Feldmann, inzwischen Truppführer und nach wie vor bei Wind und Wetter unterwegs, sich auch mit 67 Jahren nicht zu schade, selbst anzufassen. Seine anpackende Art wird auch von Kunden geschätzt, viel mehr jedoch sein kommunikatives Geschick und Einfühlungsvermögen. „Erstmal fragen, was überhaupt Sache ist und was der Kunde will“ – damit ist der alte Hase, der viele Kunden seit Jahrzehnten persönlich kennt und den unkomplizierten, fast freundschaftlichen Kontakt schätzt, immer gut gefahren.

Im Liegenschaftsbereich mache die Technik 60 Prozent aus, 40 Prozent der Umgang mit Menschen. Das habe oft auch eine soziale Komponente, „manchmal ist man Schlichter oder Friedensrichter“. Auch an diesem Morgen ist bei der Grenzziehung schnell ein Einvernehmen zwischen den beteiligten Nachbarn erzielt – für alle der wohl bessere Weg, „sonst können zehn Zentimeter inklusive Anwälten und Gerichtskosten schnell 10 000 Euro kosten“, weiß der Vater zweier Söhne aus Erfahrung.

Dabei ist die Tatsache, dass der 67-Jährige am 1. April 50. Dienstjubiläum und 47 Jahre im Unternehmen feiert, eigentlich einem Zufall geschuldet. Aus der Landwirtschaft stammend, hatte Feldmann sich als Jugendlicher zunächst bei der Bundesbahn beworben, „doch als endlich die Zusage kam, hatte ich schon bei Landvermesser Oldenstädt unterschrieben“.

Ein Beruf, der ihm nach wie vor so viel Spaß macht, dass er den längst fälligen Eintritt in die Rente vorerst verschoben hat. Das weiß auch Chef Mittelstädt zu schätzen: „Im Katasterwesen macht ihm keiner was vor, seine Erfahrung ist nicht mehr wegzudenken.“

Dabei hat sich das Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte immer breiter aufgestellt – eine kluge Weichenstellung, war und ist die Baubranche, die immer noch den Löwenanteil ausmacht, doch immer wieder konjunkturellen Höhen und Tiefen unterworfen. Der derzeitige Bauboom könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch andere Zeiten gab. Mittelstädt erinnert sich noch gut an die Kurzarbeit in den 80ern oder während der Finanzkrise.

Weitere Standbeine des Unternehmens am Vareler Weg sind die Flurbereinigung, 3D-Laserscanning oder die Erfassung von Gebäudebestandsdaten. Bei Projekten wie dem Colossos oder dem Fluch der Dämonen im Heidepark kommt neueste Technik zum Einsatz, digitale Geländekarten werden mithilfe einer Drohne erstellt. Und auch internationale Kunden im Bereich Mobile Mapping schätzen die Arbeit der Scheeßeler.

Persönliche Höhepunkte waren für Feldmann der Bau des Snowdomes, wo das Vermessungsbüro die Ausrichtung der Ankerplatten für die Betonstützen kontrollierte. Reicht üblicherweise eine Genauigkeit von einigen Zentimetern, war hier Millimeterarbeit gefragt. „Am Ende hat alles gepasst“, so Feldmanns zufriedenes Fazit. Die für ihn prägendste Phase im Beruf waren die 90er-Jahre. In Zeiten der DDR war das Katasterwesen, in dem Privateigentum erfasst ist, auf Eis gelegt.

„Eigentlich hätten alle Unterlagen vernichtet werden sollen, zum Glück wirft kein Kartograf Karten weg“, erinnert sich Feldmann. So konnte man auf dieser Basis mit Sondergenehmigung für Mecklenburg-Vorpommern an diese Grundlagen anknüpfen – die Zeit in Scheeßels Partnerstadt Teterow, wohin Feldmann einige Jahre wochenweise pendelte, gehören zu seinen spannendsten Erinnerungen. „Da herrschte Aufbruchsstimmung.“

Der Job geht nach wie vor langen Arbeitstagen einher, denn nach dem Einsatz im Feld arbeitet er abends zuhause die Daten auf, „solange noch alles im Kopf frisch ist“. Trotzdem kommt Feldmann doch dazu, sein Hobby zu pflegen, nämlich das Sammeln alter Trecker. Und auch dort ist ihm der berufliche Kontakt zu den Menschen mehr als einmal zupassgekommen: „Wenn man so auf den Höfen unterwegs ist, entdeckt man schon mal das ein oder andere Liebhaberstück.“ Ein Schnack mit dem Bauern, und mehr als einmal war der Kauf schon bald per Handschlag besiegelt.  

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