Hannelore Schmidt bastelt dreidimensionale Glückwunsch-Karten

Miniaturwelten als Geschenk

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Hannelore Schmidt zeigt eine Karte, die sie für eine Hochzeit gebastelt hat.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Als der Schwimmmeister des Beeke-Bades, Marcus Hils, und seine Kollegin Franziska Dreyer beim Saison-Abschlussfrühstück der Scheeßeler Stammgäste vor einigen Wochen mit einem speziellen Geschenk verabschiedet wurden, staunten sie nicht schlecht: Je eine handgefertigte Karte, komplett mit Liegestühlen, Badenixe, illuminierten Seerosen und echten Muscheln. So etwas hatten die beiden noch nicht gesehen.

„Das war mir ein Bedürfnis“, verrät die Erschafferin der kleinen Kunstwerke, Hannelore Schmidt. Seit einem Jahr habe ihr die Idee im Kopf herumgespukt, „sie musste nur noch raus“. Für die gebürtige Berlinerin war die Auftragsarbeit der „schwimmenden Gemeinde“ beileibe kein Erstlingswerk. Wie viele dieser Karten sie über die Jahre gebastelt hat, weiß sie nicht; eins ist jedoch gewiss: „Wenn nicht ausdrücklich danach verlangt wird, gleicht keine Karte der anderen.“

Ein gemütliches Einfamilienhaus im Kernort: Aufgeräumt sieht es aus im Wohnzimmer von Ehepaar Schmidt. Nichts deutet darauf hin, dass an diesem Tisch hunderte kleiner Kunstwerke entstehen, oft Abends, „aber auch mal tagsüber, wenn es regnet – wie es gerade passt“, erklärt Ehemann Herbert Schmidt. Der Rentner teilt das Hobby seiner Frau. Das sei nicht immer so gewesen, erst seit seiner Pensionierung hilft er, wenn es darum geht, Miniatur-LED-Ketten zu verlegen und kleine Lichter in Kugeln zu stecken.

Die treibende Kraft ist allerdings seine Hannelore. Seit 2002 bastelt sie diese Karten. „Bei einer Kur habe ich das kennen gelernt“, erinnert sich die pensionierte Friseurin, seitdem hat sie die Leidenschaft gepackt. Das kreative Spiel mit Farben („Im Zweifelsfall frage ich meinen Mann, der hat ein sicheres Gespür dafür, was geht!“), Borten, Pappen, Aufklebern oder Pailletten: Immer wieder entsteht neues.

Die Vorstellung davon hat Hannelore im Kopf, der Rest ist Ausprobieren. Tipps für neue Techniken und Trends holt sie sich bei Kreativmessen in ganz Deutschland, immer mit Ehemann Herbert, von Lübeck bis Dortmund. „Wenn er nicht mitziehen würde, würde ich das alles hier nicht so machen“

„Das alles“: Das sind Ausstellungen in der Region – fast jedes Wochenende bis Weihnachten, von Schneverdingen und Soltau über Brockel bis Bötersen. Oder vor der Haustür bei der Gärtnerei Jörs, wo vor zwölf Jahren alles begann und wo sie aus Verbundenheit immer noch ausstellt. „Das alles“ ist aber auch die Suche nach erschwinglichen Materialien, vom Ein-Euro-Laden bis zum Fachgeschäft in Garmisch, wo das Ehepaar einmal im Jahr Urlaub macht. „Da kennt man uns schon“, sagt die Rentnerin und lacht.

Verkauft werden von dem eingespielten Team vor allem Postkarten, sowohl vorgefertigt für alle möglichen Anlässe – Geburtstage, Goldene Hochzeiten oder bestandene Prüfungen, „von der Geburt bis zum Tod“, wie der Gatte es zusammenfasst.

Herumgesprochen hat sich: Hier entstehen in vielen Stunden Handarbeit Unikate für jeden Anlass maßgefertigt: Eine 3D-Landschaft aus Tischlerutensilien für den 40. Geburtstag oder Fußballer-Fetisch für die Hochzeit, eine Theaterbühne komplett mit Vorhang für das Geburtstagskind vom Eeckenring. Zwischen 20 und 25 Euro kosten die Miniatur-Welten, und fast bedauert Schmidt den Preis: „Schade, dass die Materialien immer teurer werden.“ Verdienen will sie nicht groß an ihren Werken; viel wichtiger ist ihr die Anerkennung. „Es ist schön zu merken, dass den Leuten gefällt, was wir hier tun.“

Und die Beschäftigung hält sie vom Grübeln ab – „nach zwei Krebserkrankungen ist es wichtig, einen Ausgleich zu haben.“ So leitet sie nicht nur ihre Selbsthilfegruppe einmal im Jahr zum Basteln an, sondern auch die Nachbarskinder. Ob ihr die vielen Aufträge nicht zu viel werden? „Nein, wenn die Menschen zufrieden sind, ist mir das eine Bestätigung“, entgegnet sie, und fügt nach kurzem darauf hinzu: „Ich kann nicht anders – meine Ideen gehen ja nicht weg.“

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