Die Sache mit dem Mango Mambo

„Handwark Beerbrauer“ kreieren „Scheeßeler Bunter“ für den Trachtensommer

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Hobby-Bierbrauer Oliver Tobis (l.) und Dirk Trochelmann (r.) überreichen dem Vorsitzenden der „Originalen“ Heiko Klee ein Fass „Scheeßeler Bunter“.

Scheeßel - Die Original Scheeßeler Trachtengruppe ist recht findig, wenn es darum geht, das Erbe der „Scheeßeler Bunten“ lebendig zu halten und in die Welt zu tragen – und das beileibe nicht nur in Form von Tänzen. Inzwischen gibt es ein gleichnamiges Brot, einen Obstschnaps und eine Apfelsorte, die die Vielfalt der Scheeßeler Traditionen widerspiegeln. Der neueste Coup des Planungskomitees zum Trachtensommer an diesem Wochenende auf dem Meyerhof: ein Bier zum Fest.

Genau genommen sind es sogar drei Sorten, die ab April in Veersebrück individuell für die zweitägige Veranstaltung gebraut wurden und inzwischen in Zehn- und 30-Liter-Holzfässern auf durstige Kehlen warten.

Doch der Reihe nach: Die Idee von Planungsteammitglied Silke Kracke, Nachbarin des Wohlsdorfers Dirk Trochelmann, der gemeinsam mit Oliver Tobies seit einigen Jahren eigenes Bier herstellt, wurde begeistert aufgenommen; nicht nur von den Planern, sondern auch von den Hobbybrauern selbst – schließlich haben sich die beiden bereits bei Festen wie dem Museumstag oder dem Scheeßeltag einen Namen gemacht. Beim Mühlentag ist das „Handwark Beer“ – wie er das nennt, was andernorts auf Neudeutsch „Craftbeer“ heißt –, inzwischen ein solcher Verkaufsschlager, dass Tobies in der nächsten Auflage anpeilt, mit 100 bis 160 Litern „die Erlöse aus dem Kuchenverkauf dort“ zu toppen.

Um die 25 Stunden stecken in jeder 150-Liter-Charge

Wenn er vom Obergärigen schwärmt, von Spezialhopfen mit einer Note schwarzer Johannisbeere, davon, dass das zwölf Wochen abgelagerte Bier namens „Scheeßeler Bunter“ noch einmal extra kalt mit Hopfen versetzt wird, dann ist die Faszination für das zeit- und auch finanziell aufwendige Hobby spürbar. Um die 25 Stunden, oft mehr, stecken in jeder 150-Liter-Charge, die die Scheeßeler ausschließlich für den Eigenverbrauch und besondere Anlässe brauen. Die fünfköpfige Delegation der „Originalen“, die im April zur Verkostung die „Braustube“ besuchte, war sofort begeistert – nicht nur von den sechs oder mehr Proben, sondern auch von Tobies‘ Einführung in seine Leidenschaft, die er seit einigen Jahren pflegt. „1998 hat mein Bruder in der Waschküche das erste Bier angesetzt, dann war erstmal ein paar Jahre Pause“, erinnert er sich. Nach der Einigung über die Charaktereigenschaften des eigens für den Trachtensommer kreierten Gerstensafts kamen die fünf Männer überein: „Es muss auch ein Bier her, das auch Frauengaumen schmeckt.“ So erblickten die Sorten „Mango Mambo“ und „Orange Twist“ in Anlehnung an tänzerischen Fachjargon das Licht der Brauwelt. Insgesamt ging es den Beteiligten darum, Biere zu finden, die zur Veranstaltung passen und den Gästen schmecken, aber vom Geschmack her nicht zu exotisch sind.

„Das ist ein bisschen wie Alchemie“

Möglich wird das „Nachbrauen“ erfolgreicher Rezepte durch ein Brauprotokoll, in dem Tobies und Trochelmann neben den Zutaten auch die Temperaturen, Zeiten und etwaige „Missgeschicke“ festhalten – denn manchmal entstünden gerade daraus faszinierende Nuancen. „Das ist ein bisschen wie Alchemie“, schwärmt Trochelmann, und Tobies ergänzt: „Und unterschiedliche Hopfen, übrigens das teuerste am ganzen, entfalten so tolle Nuancen, dass wir beim Verkosten ab und zu gefragt werden, was wir an Aromen denn noch dazu tun.“

Auch wenn die beiden des Öfteren gefragt werden: Zu kaufen gibt es das Bier aus dem Beeke-Ort nicht – die Abfüllung in Flaschen sei einfach zu kostspielig. Und auch eine passende Scheune oder Halle als dauerhafte Braustätte sei trotz intensiver Suche leider noch nicht gefunden.

Wer an diesem Wochenende in den Genuss der Früchte des komplexen Handwerks kommen will, sollte nicht allzu lange zögern: Der Vorrat ist begrenzt. „Das Bier passt eben super zum Fest“, so Tobies, „beides ist einmalig und wenn es alle ist, ist es alle.“ Nach dem ersten Fässchen, das bei der Vorbesprechung zum Trachtensommer geleert wurde, haben er und sein Mitstreiter dem Verein noch ein weiteres Fass spendiert: Das soll zünftig zum Start des Bühnenprogramms von einem Ehrengast angestochen werden – „bisher hat das noch kein Mal ohne Spritzen geklappt“, frohlocken die Beeke-Bierbrauer. 

hey

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