Experte informiert über Vorteile eines Entwicklungsplans / Ausschuss gibt okay

Handel auf dem Prüfstand

„Handeln, um den Handel zu stärken“ – Jürgen Lutz fand deutliche Worte. ·
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„Handeln, um den Handel zu stärken“ – Jürgen Lutz fand deutliche Worte.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Um die Ansiedlung neuer Einzelhandelsmärkte zu steuern und dabei auch regionale Aspekte zu berücksichtigen, soll für Scheeßel von auswärtigen Spezialisten ein Einzelhandelskonzept städtebaulicher Art erstellt werden.

Im Ausschuss für Hoch- und Tiefbau, Planung und Umwelt beauftragten die Ratsmitglieder am Dienstagabend die Verwaltung, Angebote für die Erstellung eines Entwicklungsplans einzuholen.

Die Bünting-Gruppe will es, Aldi und Netto wollen es auch: eine Neuansiedlung beziehungsweise Erweiterung ihrer Märkte im Ortskern. Doch wie viel Einzelhandel, gerade im Lebensmittelsegment, ist Scheeßel angesichts seines bestehenden Angebots überhaupt noch zumutbar? Drohen weitere Leerstände? Wohin soll die Reise gehen? Zur Klärung dieser Fragen soll nun ein noch zu erstellendes Einzelhandelskonzept wertvolle Dienste leisten. Denn: Bislang gehörte Scheeßel zu der Hälfte aller Kommunen im Elbe-Weser-Raum, die noch nicht über eine entsprechende Erhebung verfügen.

Was sich hinter dieser verbirgt und wie sie die Entwicklung vor Ort steuern könnte, erläuterte im Ausschuss Jürgen Lutz von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade. Dabei hatten auch viele Scheeßeler Kaufleute den Weg ins Rathaus gefunden, die von den Zuschauerreihen aus den Ausführungen des Experten folgten.

Gerade eine Gemeinde in der Größenordnung Scheeßels, fand der Referent deutliche Worte, müsse darauf achten, dass sich ihre Versorgungseinrichtungen durch die Konzentration zahlreicher Angebote an möglichst zentraler Stelle verdichten und damit attraktiver in Erscheinung treten. „Das“ , so Lutz, „gelingt aber nicht durch Handelsansiedlungen oder -erweiterungen je nach Anfrage im Einzelfall, sondern durch konzeptionelle Planung.“

Würde ein Einzelhandelskonzept vom Rat erst beschlossen und in der Bauleitplanung umgesetzt, seien sie verbindlich. Lutz: „Verzichtet man auf Ausnahmen, dient die Erhebung als Abwehranspruch bei Ansiedlungsvorhaben an nicht geeigneter Stelle.“ Allerdings sei ein solches Konzept nicht in Stein gemeißelt, sondern müsse regelmäßig aktualisiert und in einen regionalen Kontext gestellt werden. „Denn Wirtschafts- und damit auch Handelsräume orientieren sich nicht an kommunalen Grenzen“, weiß der Experte.

Wie viel Zeit die Erstellung eines Gutachtens in Anspruch nehmen würde, wollte der Ausschussvorsitzende Ernst-August Kröger (CDU) im Anschluss an Lutz’ Ausführungen wissen. Zwei bis drei Monate müsse man hierfür wohl einplanen, antwortete dieser. Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele ging jedoch von einem längeren Prozess aus, „schließlich müssen wir ja auch noch die Ausschreibung beachten“.

Dass die Uhr tickt, darauf verwies Hauke Hollmann vom örtlichen Gewerbe- und Verkehrsverein: „Der Leerstand in Scheeßel schreitet voran, so langsam müssen Rat und Verwaltung in die Pötte kommen.“ Als Sprecher der Einzelhändler stellte er klar, dass man sich nicht vor neuen Mitbewerbern fürchte.

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