Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Hamburger Studentin erlebt im Zug nach Scheeßel eine böse Überraschung

Bevor Laura Veersemann in den Metronom von Scheeßel nach Hamburg einsteigt, muss die Inhaberin eines Semestertickets am Automaten noch für drei Euro eine Einzelfahrkarte kaufen. Foto: Warnecke
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Bevor Laura Veersemann in den Metronom von Scheeßel nach Hamburg einsteigt, muss die Inhaberin eines Semestertickets am Automaten noch für drei Euro eine Einzelfahrkarte kaufen.

Scheeßel – Als Laura Veersemann Anfang vergangener Woche am Hamburger Hauptbahnhof in den Metronom steigt, ahnt sie nichts Böses. Die 22-Jährige wohnt in der Hansestadt, studiert an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Elektrotechnik. Aufgewachsen ist die junge Frau in Scheeßel. Genau dort möchte sie wie so oft hin – die Eltern besuchen.

Natürlich ist auch Veersemann im Besitz eines semesterweise gültigen Studentenausweises. Mit dem kann sie auf der Strecke zu günstigeren Konditionen Bahn fahren. Und seit die Bahnhöfe in Scheeßel und Lauenbrück seit ein paar Wochen im Tarifgebiet des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) sind, hat sich für sie auch der Gang zum Fahrkartenautomaten erledigt, an dem sie früher immer noch ein Extra-Einzelticket ziehen musste. Davon ist Laura Veersemann jedenfalls ausgegangen, als sie an jenem Dienstag den Zug besteigt.

Bei der Fahrkartenkontrolle, kurz vor dem Ziel, soll sie aber eines Besseren belehrt werden. „In Lauenbrück wies mich die Schaffnerin in einem recht unfreundlichen Ton darauf hin, dass der Studentenausweis, wie bisher auch, nur bis Tostedt gültig sei“, erzählt sie. „Dass ich immer noch ein zusätzliches Ticket zur Weiterfahrt lösen muss, wenn ich nach Scheeßel möchte, das habe ich nicht gewusst.“ Dies habe sie der besagten Kontrolleurin auch zu verstehen gegeben – doch die habe keine Gnade walten lassen. „Sofort musste ich 60 Euro Strafe zahlen – für mich als Studentin, die nebenbei noch auf 450-Euro-Basis arbeitet, ist das wirklich eine Menge Geld.“ Immerhin: Nach einem Beschwerdebrief an die Metronom Eisenbahngesellschaft, in dem sie den Vorfall schildert, habe diese auch prompt mit einem Entschuldigungsschreiben reagiert. „Die 60 Euro fehlen mir natürlich nun trotzdem.“

Was Veersemann vermisst: „Ich hätte mir gewünscht, dass man uns Studenten über die Ausnahmeregelung auch mal informiert.“ Entsprechende Hinweise, zum Beispiel an den Gleisen oder in den Zügen, habe sie jedenfalls nicht ausfindig machen können. „Nach dieser Aktion habe ich wirklich schon überlegt, auf das Auto umzusatteln – dabei heißt es doch immer, Deutschland solle im Sinne des Klimaschutzes ein Land der Bahnfahrer werden.“

In der Tat, bestätigt HVV-Pressesprecher Rainer Vohl auf Nachfrage, sei das Semesterticket nach wie vor nur für die Strecke Hamburg-Tostedt und umgekehrt (Tarifringe A bis E, nähere Erklärung siehe Infokasten) gültig. Auch alle anderen Zeitkarten, sagt er, hätten natürlich ihren bisherigen Geltungsbereich nicht automatisch erweitert. Die Annahme der Studentin, dass normale HVV-Tickets ab sofort bis nach Scheeßel gültig seien, sei also nicht richtig. Vohl: „Würden wir es umsetzen, dass alle Inhaber von Zeitkarten ab sofort ohne Mehrkosten auch die neuen Strecken befahren können, würden wir die Kosten dafür vollständig auf den Steuerzahler abwälzen.“ Grundsätzlich sei die Erweiterung der Gültigkeit des Semestertickets natürlich schon diskutiert worden. „Die Studierendenvertretungen der Hochschulen und Universitäten müssten dann aber die damit verbundenen Preisanhebungen akzeptieren.“

Und der Landkreis, der die Mitte Dezember in Kraft getretene Ausweitung des HVV-Tarifs für die regionalen Schienenstrecken mit ausgehandelt hat? „Wir würden es natürlich sehr begrüßen, wenn die Studierenden das Semesterticket für das volle Tarifgebiet nutzen können“, erklärt Kreis-Pressesprecherin Christine Huchzermeier. „Letztendlich muss das aber jede Hochschule oder Universität für sich selber entscheiden und ihre Studierenden entsprechend informieren.“ Ihren Worten nach habe man seitens des Landkreises in einem Pressegespräch zur HVV-Einführung sehr wohl darauf hingewiesen, dass der Tarif bisweilen noch nicht für Studenten gilt, man jetzt im Februar aber mit den Hochschulen nachverhandeln wolle.

Für Laura Veersemann wäre es eine finanzielle Erleichterung, betont sie. Drei Euro müsse sie nun immer noch für jede Zugfahrt draufzahlen. Inzwischen sei sie wieder auf Familienbesuch gewesen. „Im Abteil saß ein junger Mann, der auch 60 Euro Strafe zahlen musste, weil er dachte, er könne mit seinem Semesterticket bis nach Scheeßel fahren.“

Das hat es mit den neuen Tarifringen auf sich

Seit dem 15. Dezember ist der HVV-Tarif auf den meisten Schienenstrecken in den Landkreisen Cuxhaven, Rotenburg, Heidekreis und Uelzen eingeführt beziehungsweise ausgeweitet worden. Dazu gehört auch der Streckenabschnitt von Tostedt über Scheeßel bis nach Sottrum. In diesem Zusammenhang wurden drei neue Tarifringe geschaffen. Gab es bisher im HVV die Tarifringe A bis E (Hamburg-Tostedt), sind es jetzt die Ringe A bis H (Hamburg-Sottrum). Wer die „neuen“ Strecken im HVV befahren möchte, muss entsprechend eine Fahrkarte für einen oder mehrere der zusätzlich durchfahrenen Ringe (F, G, H, also Lauenbrück/Scheeßel, Rotenburg und Sottrum) lösen. Für die überwiegende Zahl der Fahrgäste auf den neuen Strecken ist damit die Karte von und nach Hamburg deutlich günstiger als bisher geworden. An den Bahnhöfen Sottrum, Rotenburg und Visselhövede gilt der Tarif übrigens nur für Zeitkarten, beispielsweise als Wochen- oder Monatskarten.

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