„Circus May“ bereitet sich im Winterquartier in Ostervesede auf die Saison vor

Häufig kein Platz für Zirkusse

Jasmin May mit einem ihrer 26 Hunde. Fotos: Bonath

Ostervesede - Von Wieland Bonath. An der Straße von Ostervesede nach Benkeloh, etwa auf halber Strecke gleich neben der großen Biogasanlage, befindet sich die stillgelegte Kornbrennerei: Dort hat vor rund drei Wochen „Circus May” sein Winterquartier bezogen. Die Saison ist beendet, jetzt geht es für die Zirkusfamilie May aus dem Raum Celle darum, mit ihren Tieren und dem fast leeren Geldbeutel über die kommenden Monate zu kommen. Das tägliche Leben der neunköpfigen Familie kostet Geld, die Tiere brauchen regelmäßig Futter, Fahrzeuge, Geräte und spezielles Zirkusmaterial müssen gewartet, und das Training für die Programmnummern der kommenden Saison 2020 muss perfektioniert werden.

Besonders die kleinen Zirkusse stehen häufig in der Nähe des Existenzminimums, wenn da nicht die Hilfe der Menschen wäre, in denen die Begeisterung für diese traditionsreiche funkelnde Welt fortlebt. Tamara und ihr Lebensgefährte Nino May, die an der Spitze des kleinen Familienbetriebes stehen, lieben ihren Beruf trotz des zwangsläufig unsteten Lebens, trotz des oft harten Alltags und der wirtschaftlichen Risiken. Aufgeben, das kommt für sie nicht in Frage, das wäre für sie eine Flucht vor der Tradition des kleinen Betriebes, der in fünfter Generation geführt wird.

Die beiden denken vielmehr bereits an das kommende Jahr, haben Briefe an die Verwaltungen von Städten und Gemeinden der näheren und weiteren Umgebung geschrieben. Unter goldfarbenen Lettern formuliert der „Circus May” unter anderem: „Hiermit bewerben wir uns darum, im ersten oder zweiten Halbjahr 2020 in Ihrer Gemeinde/Stadt ein Gastspiel geben zu dürfen. Einige Details zu unserem Programm, wie Sie es auch der Presse entnehmen können: Der ,Circus May‘ entführt Sie in die Welt der Manege, in der es um Traum, Verzauberung und Kreativität geht. Tolle Artistik wechselt sich ab mit außergewöhnlichen Tierdressuren von hoher Qualität. Das Hineintauchen in eine andere Welt entführt die Zuschauer für ein paar Stunden aus ihrem normalen Alltag.”

Die Familie May macht sich keine Illusionen: Sie werden im kommenden Jahr Ähnliches erleben wie in der abgelaufenen Saison, nämlich immer häufiger Absagen von Kommunen, dass der geplante Platz für den Zirkus inzwischen nicht mehr zur Verfügung stehe. Tamara May: „Immer mehr Plätze werden verbaut, wie zum Beispiel in Fintel, wo wir vor drei Jahren gastiert haben.”

Zirkusleute müssen das Nein ihrer Umwelt, wenn es um fragende Bitten geht, ertragen können, ihren Stolz erhalten sie sich. Ihnen sei es, so Tamara May, „peinlich”, wenn sie nach einer Spende für Tierfutter fragten. Das schließe auch Verständnis für die Menschen ein, von denen sie kein Geld bekämen.

Erfahrungen, die Mitglieder der Familie May bei der Einrichtung ihres Winterquartiers bei Ostervesede kaum machen mussten. Besonders vonseiten der Landwirte, sagt Tamara May, werde ihnen immer wieder geholfen: zum Beispiel verbilligtes oder kostenloses Futter für die Tiere, bereitwillige Hilfe bei der Suche nach einem Platz für Zelt und Fahrzeuge. Auch der Eigentümer der alten Brennerei sei sofort einverstanden gewesen, sein Grundstück für das Winterquartier zur Verfügung zu stellen. Nachbarn hätten beim Einrichten des Quartiers gern geholfen. Der Eigentümer der benachbarten Biogasanlage habe zwischenzeitlich Strom und Wasser zur Verfügung gestellt.

Inzwischen sind die umfangreichen Arbeiten, um das Quartier für die Menschen und Tiere winterfest zu machen, fast abgeschlossen. Tamara May: „Wir arbeiten als Familie zusammen. Jeder macht alles. Das Wichtigste ist für uns, dass die Tiere gut unterkommen und versorgt sind. Dazu gehört auch, dass die Gehege aufgebaut werden, um den Tieren den nötigen Auslauf zu geben.”

Und wie wird die Schulpflicht, die auch für Zirkuskinder gilt, realisiert? Der relativ häufige und kurzfristige Schulwechsel, so Tamara May, gehöre zum Alltag. Im Übrigen bestehe die Möglichkeit, mit sogenannten Zirkuslehrern Unterrichtstermine abzusprechen.

Zirkusse klagen häufig über ein Zuviel an Bürokratie, das ihnen von Behörden auferlegt wird. Die Notwendigkeit der Kontrollen durch die Veterinärämter erkennt Tamara May an. Die 41-Jährige nimmt allerdings für „Circus May” in Anspruch: „Unsere Tiere werden artgerecht gehalten.” Ein Hinweis, der auch an die Adresse kritischer Tierschützer gerichtet sei. Sie werden von May gleichzeitig eingeladen: „Tierschützer können gern kommen und sich eine Darbietung mit unseren Tieren ansehen.” Auflagen, die das Tierschutzgesetz stelle, würden grundsätzlich erfüllt.

Wohin reist der kleine Zirkus mit seinem Tross in der kommenden Saison? Tamara May: „In alle Himmelsrichtungen, in kleinere Gemeinden und in Städte. Bisher haben wir auf unsere Anfragen hin allerdings nur Absagen bekommen. Zu erreichen sind wir unter der Nummer 0152 / 57543445.“

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