Gabriela Villwock über die Gründe ihres Austrittes bei den Grünen und ihre politische Neuausrichtung

„Es hätte einfach nicht harmoniert“

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Noch leitet Gabriela Villwock in der Funktion der Fraktionschefin die Geschicke der Grünen im Scheeßeler Gemeinderat. Zur Kommunalwahl treten sie sowie Horst Raatz (r.) und Karsten Peters für die freie Wählergruppe „Grüne Liste Scheeßel“ an.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ihr Abschied von der Partei sorgt für Gesprächsstoff: Die beiden Ratsfrauen Gabriela Villwock und Ursel Brüning-Wildhagen gehören nicht länger den Grünen an. Bis zur Kommunalwahl im September werde man noch die Fraktionsarbeit in gewohnter Form fortführen, verrät die 52-jährige Villwock im Interview. Danach wolle man als parteilose Wählergemeinschaft ein neues Kapitel aufschlagen.

Frau Villwock, was hat Sie und Ihre Fraktionskollegin Ursel Brüning-Wildhagen dazu bewogen, aus der Partei auszutreten?

Gabriela Villwock: Was Frau Brüning-Wildhagen betrifft, wird sie zur nächsten Kommunalwahl gar nicht mehr antreten. Das hat berufliche Gründe. Damit ist auch alles gesagt. Ich für meinen Teil habe die Reißleine gezogen, da es innerhalb des Grünen-Ortsverbandes zwischenmenschliche Differenzen gab, die nach der Wahl eine Zusammenarbeit mit denjenigen, die nun auf die grüne Liste wollen, meiner Einschätzung nach durchaus erschwert hätten. Es hätte einfach nicht harmoniert.

Sie reden also nicht von Ihren verbliebenen Fraktionskollegen Horst Raatz und Karsten Peters?

Villwock: Nein, genau mit ihnen möchte ich künftig als freie Wählergemeinschaft „Grüne Liste Scheeßel“ dort weiter machen, wo wir als Grünen-Fraktion jetzt schon stehen. Vieles, was angeschoben werden konnte, ist noch nicht umgesetzt – und daran möchten wir gerne weiter arbeiten.

Ist Ihnen der Austritt nicht ein wenig schwer gefallen?

Villwock: Nein, überhaupt nicht. 2006 bin zum ersten Mal zur Kommunalwahl angetreten – und das ohne irgendein Parteibuch zu besitzen. Mein Eintritt bei den Grünen erfolgte erst einige Jahre später, und das hatte rein praktische Gründe. Damals brauchte es zur Gründung eines Ortsverbandes eine gewisse Anzahl an Parteimitgliedern, das war das Dilemma – also habe ich diesen Schritt getan.

Warum haben Sie die Entscheidung gerade jetzt getroffen, wenige Monate vor der Wahl? Aus taktischer Sicht hätten Sie doch noch warten können, um ihr Mandat mitzunehmen.

Villwock: Aus taktischer Sicht wäre das sicher der bessere Weg gewesen. Nur hätte ich das gegenüber den Wählerinnen und Wählern als unfair empfunden. Nein, ich möchte lieber vorher klare Aussagen treffen und einen reinen Tisch haben.

Sie sagen, es gibt Differenzen. Was meinen Sie genau damit?

Villwock: Das betrifft vor allem die Art, wie man kommunalpolitische Arbeit angeht. Und wie sich herausgestellt hat, habe ich da oft eine ganz andere Meinung, als die, die noch keine kommunalpolitische Erfahrung haben und sich nun für die Grünen aufstellen lassen möchten. Ich für meinen Teil weiß, wovon ich rede, schließlich mache ich Politik in Scheeßel nun schon seit fast zehn Jahren.

Aber Namen möchten Sie nicht nennen?

Villwock: Nein, aber ich möchte betonen, dass wir keineswegs im Streit auseinandergegangen sind. Nur werden sich unsere Wege trennen.

Der Grünen-Kreisverband hat eine Pressemitteilung über ihren Austritt herausgegeben...

Villwock: Das hat mich ehrlich gesagt ein wenig überrascht. Da hätte man sicher vorab mit uns darüber sprechen können. Die darin enthaltende Aussage, wir würden mit unserem Austritt die Grünen nun nicht mehr nach außen vertreten, halte ich zumindest für unglücklich gewählt. Immerhin sind wir noch bis zum Wahltag am 11. September als Grünen-Fraktion im Gemeinderat zugegen. Dass der Kreisverband nun diesen Weg gegangen ist, liegt wohl daran, dass Frau Brüning-Wildhagen und ich Mandatsträgerinnen sind. Denn es gibt noch eine weitere Person aus dem Ortsverband, die ihr Parteibuch abgegeben hat – namentlich aber gar nicht genannt wird. Man möchte wohl ein Stück weit Schaden von der Partei abwenden – Schaden, den wir aber nie beabsichtigt haben. Wem sollen wir auch schaden – außer dass wir den Grünen als „grüne“ Wählergemeinschaft vielleicht ein paar Stimmen abgraben werden.

Kreisverbandssprecherin Marianne Knabbe hat behauptet, Sie beide seien nicht gesprächsbereit gewesen, was eine mögliche Schlichtung der Differenzen betrifft.

Villwock: Ja, es gab Versuche uns davon zu überzeugen, unsere Arbeit fortzusetzen. Es war sogar die Rede von einem Mediator, der eingesetzt werden sollte. Nur: Wenn ich von Anfang an weiß, dass das nicht klappen wird, brauche ich auch keinen. Ich mache Politik aus freien Stücken heraus – und da möchte ich eine gute Zusammenarbeit schon sichergestellt wissen. So wie mit den Menschen jetzt in der Fraktion, die für die Grüne Liste mit mit gemeinsam antreten werden. Und ich hoffe, es werden noch ein paar Kandidaten mehr.

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