Haarverlängerung für Rapunzel

Abgedrehtes Theaterstück: Eichenschüler als Märchenfiguren in der Psychiatrie

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Aufruhr in der Psychiatrie: Die Grinsekatze hetzt die Märchenfiguren auf. 

Scheeßel - Können Märchen Jugendliche hinter dem Ofen hervorlocken? Ja – sie können. Und sie sogar zu einem eigenen Theaterstück beflügeln. Den eindrucksvollen Beweis lieferten am Montagabend rund 20 Eichenschüler des zwölften Jahrgangs des Kurses „Darstellendes Spiel“ unter Leitung von Susanne Rünger. In der „Villa Wunderland“, so der Titel des selbst entwickelten Stücks, wohnen unter anderem Prinz Charming, die Grinsekatze, der Wolf und die böse Königin mit ihrem Spiegel. „Bei der Entwicklung des Stückes sind wir von den Charakteren ausgegangen, die jeder verkörpern wollte, und haben drumherum Szenen, Texte und eine Rahmenhandlung entwickelt“, so Rünger.

Und die fiel ebenso kreativ wie köstlich aus: Bei der Baubegehung eines Häuschens stellt der Bauleiter (herrlich geerdet und mit norddeutschem Slang: Pascal Viets und Jonas Klindworth) fest: Lebkuchen als Baumaterial entspricht schon lange nicht mehr der aktuellen Brandschutzverordnung. Die Bewohner müssen raus: Hexe, Hänsel, Gretel. Das geht nicht ohne Protest ab – sie finden sich unversehens in einer Psychiatrie wieder. Dort sind sie in vergleichsweise guter Gesellschaft: Das Mädchen, das immer nur schlafen will, entpuppt sich als Dornröschen, die über die kalte Dusche Meckernde, die stets ihr Shampoo sucht, als Meerjungfrau Arielle. Frisch und frech haben die Schüler die Stoffe ihrer Kindheit umgesetzt, in zeitgemäßer Sprache und vor allem reichlich irren Einfällen. 

Nächster Auftritt am Donnerstag

Als sich die schräge Baggage (nach einem grandiosen Rap des talentierten Fabian Graser alias der Hutmacher, der nur in Reimen spricht) auf die Suche nach dem im Klo in die Freiheit gespülten Froschkönig macht, prallen Welten aufeinander: Die Realität ist so gar nicht nach ihrem Geschmack. Der Hutmacher muss sich von Karl Lagerfeld belehren lassen: „Wer Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren!“ Rapunzel bekommt vom Frisör statt Extensions eine Kurzhaarfrisur verpasst (authentisch verzweifelt: Franca Eggeling) und Arielle geht einem Küstenfischer ins Netz. Am Ende steht die Erkenntnis: So dolle ist es in der Realität auch nicht, irgendwie. Aber was die überhaupt ist und ob es sich nicht doch nur um einen Haufen Verwirrter in der Psychiatrie gehandelt hat, darüber gibt das Stück keine Auskunft. Muss es auch nicht – Spaß macht es allemal.

Das Stück ist gemeinsam mit der Inszenierung „Voll wirklich“ unter Leitung von Volkmar Bendukat noch einmal am Donnerstag um 19 Uhr im Theatersaal am Helvesieker Weg zu sehen.

hey

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