„Es herrschte große Unsicherheit“

GVS-Vorsitzender Karsten Lüdemann über Corona und den lokalen Handel

„Gemeinsam für Scheeßel“: Mit diesen Plakaten machen die Scheeßeler Gewerbetreibenden gegen die Krise mobil. 
Foto: GVS
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„Gemeinsam für Scheeßel“: Mit diesen Plakaten machen die Scheeßeler Gewerbetreibenden gegen die Krise mobil.
  • Lars Warnecke
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Scheeßel – Ein normales Leben war in den vergangenen Monaten für niemanden möglich. Doch das Coronavirus belastet nicht nur Privatleute, sondern auch die Wirtschaft schwer. Karsten Lüdemann, Vorsitzender des Gewerbe- und Verkehrsvereins Scheeßel (GVS), erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung, wie er und die örtlichen Gewerbetreibenden die aktuelle Situation erleben.

Herr Lüdemann, wie schwer waren die vergangenen Monate für den Gewerbeverein und seine Mitglieder?

Gerade in den ersten Wochen des Shutdowns herrschte bei unseren Mitgliedern große Unsicherheit. Die Schließung von Geschäften, die nicht systemrelevant sind, die ganze Neustrukturierung mit den Hygienevorschriften und Verordnungen, die sich teilweise täglich verändert haben – das alles ging natürlich auch an Scheeßel nicht spurlos vorbei. Nicht alle Gewerbetreibende sind ja auch so organisiert, dass sie seitens eines Verbandes aktuelle Informationen zur aktuellen Situation erhalten. Daher haben wir vom Vorstand in den ersten Wochen immer die aktuellsten Informationen unseren Mitgliedern per Rundmail zur Verfügung gestellt – zum Beispiel zu Zuschüssen im Bereich der Corona-Soforthilfe.

Das ist der Blick in die jüngere Vergangenheit. Und heute? Was sind gegenwärtig noch die größten Herausforderungen für die Gewerbetreibenden?

Da keiner weiß, wie lange die derzeitigen Einschränkungen noch gelten und wann die Normalität wie vor Corona wieder besteht, gilt es dann erst mal, die wirtschaftliche Lage der betroffenen Unternehmen zu stabilisieren.

Wie kann der GVS seinen Mitgliedern denn sonst noch in dieser schwierigen Phase zur Seite stehen?

Das ist je nach Gewerbe verschieden – manche waren weniger betroffen, andere hingegen sehr stark. Wir als Gewerbeverein haben unter dem Motto „Gemeinsam für Scheeßel“ direkt eine Schaufensteraktion mit Plakaten gestartet und die Bevölkerung darauf hingewiesen, unsere lokalen Geschäfte zu berücksichtigen. Das ist gerade jetzt wahnsinnig wichtig.

Sind für den örtlichen Handel weitere Kampagnen oder Aktionen geplant?

Ja, daran arbeiten wir vom Vorstand gerade. Wie genau diese ausschauen, werden wir unseren Mitgliedern in den nächsten Wochen vorstellen und bekannt geben.

Was halten Sie von der Mehrwertsteuer-Senkung, um die derzeit noch verhaltene Kaufkraft wieder anzukurbeln?

Wenn diese an den Verbraucher weitergegeben wird, gerade bei größeren Anschaffungen, dann könnte die Senkung bestimmt zu einer Konsumsteigerung führen. Auf der anderen Seite bedeutet es aber für einen Großteil unserer Mitglieder auch einen enormen Aufwand.

Inwiefern?

Nun ja, unter anderem muss die EDV und das Kassensystem umgestellt werden und natürlich sind auch neue Preisauszeichnungen vorzunehmen. Da kommt schon einiges zusammen. Und nach sechs Monaten geht das ganz Prozedere wieder von vorne los.

Glauben Sie, der Gewerbeverein und die Scheeßeler Gewerbetreibenden können sich durch die Corona-Krise auch weiterentwickeln und daraus etwas für die Zukunft mitnehmen?

Natürlich, da bin ich mir ganz sicher. Schon seit Jahren diskutieren wir mit unseren Mitgliedern über Weiterentwicklungen des Handels und der Dienstleistungen im Onlinebereich. So gab es schon 2017 einen Stammtisch, der sich mit diesem Thema und der Möglichkeit einer eigenen App auseinandergesetzt hat. Zuletzt hatten wir uns mit dem Thema bei einem Stammtisch im letzten Herbst beschäftigt. Zusätzlich haben einige Mitglieder schon vor der Krise Schritte zur Modernisierung und Digitalisierung eingeleitet, unter anderem die Online-Shops von Röhrs Baustoffe und unserer Apotheken. Daher denke ich, dass wir die Diskussionen, die wir bereits vor der Krise hatten, auch danach weiterführen und ausbauen sollten.

Sie sind jetzt seit drei Monaten als Vorsitzender im Amt. Welche Akzente wollen Sie setzen und wohin soll die Reise des Gewerbevereins gehen?

Zum einen müssen wir zusehen, dass wir den GVS in der öffentlichen Wahrnehmung noch weiter in unserer Gemeinde stärken. Andererseits geht es darum, die Zusammenarbeit mit der Scheeßeler Gemeindeverwaltung auszubauen. Und natürlich wollen wir noch an weiteren Aktionen und Veranstaltungen feilen, als die, die es schon gibt. Als Verkehrsverein, der wir ja auch sind, liegt uns das sehr am Herzen.

Stichwort Gemeindeverwaltung. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit ihr?

Wir sind schon sehr an einer engen Kooperation interessiert! In meiner vorherigen Aufgabe als stellvertretender Vorsitzender gab es schon eine sehr gute Zusammenarbeit bezüglich der Planung und Durchführung vom Weihnachtsmarkt. Auch seit Beginn der Corona-Krise stehen wir im regelmäßigen Kontakt.

Der GVS hat sich für das kommende Halbjahr mit dem „Come together“, dem Halloween Shopping und dem Weihnachtsmarkt noch einige Veranstaltungen auf die Fahne geschrieben. Glauben Sie, die Aktivitäten können wie geplant stattfinden?

Schwer zu sagen. Bei unseren Aktionen s planen wir derzeit drei bis vier Wochen im Voraus, um sich dann den aktuellen Verordnungen anzupassen. Daher haben wir das Halloween Shopping auch noch nicht abgesagt und auch beim Weihnachtsmarkt laufen derzeit noch die Vorbereitungen wie geplant. Ob und in welcher Form der stattfinden kann, werden wir dann im Spätsommer entscheiden.

Und das „Come together“, die Feierabendveranstaltung vor dem Scheeßeler Hof?

Die sollte ja in diesem Jahr wiederholt und auf drei Donnerstage im Sommer erweitert werden. Doch daraus wird wegen Corona nichts. Wir wollen unsere neueste Veranstaltung aber auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder stattfinden lassen.

Der Verein und sein Vorsitzender

Seit März lenkt Karsten Lüdemann die Geschicke des Gewerbe- und Verkehrsverein Scheeßel (GVS). Kurz vor dem allgemeinen Lockdown war der 42-Jährige damals auf der Jahreshauptversammlung zum neuen Vorsitzenden gewählt worden, nachdem Angelika Dorsch, seine Vorgängerin, das Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Lüdemann war zuvor ihr Stellvertreter. Zum Vorstand gehören aktuell des Weiteren Carsten Gehse (erster Stellvertreter), Kirstin Knispel (zweite Stellvertreterin), Yvonne Wendorff (Schriftführerin) und Michael Meyer (Schatzmeister). Der GVS zählt etwa 100 Mitgliedsbetriebe. Lüdemann wohnt in Jeersdorf und arbeitet als Immobilienmakler.

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