Hausaufgaben auf Knopfdruck

Grundschule Scheeßel ist für die „Bildungscloud“ freigeschaltet

Im Zentrum des Interesses bei Schulleiterin Meike Nerding-Ehlbeck (v.l.), Stellvertreterin Birte Bendrich, Cloud-Beauftragte Ilka Eilers und dem medienpädagogischen Berater Cord Gerken steht das Programm „Bildungscloud“. 
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Im Zentrum des Interesses bei Schulleiterin Meike Nerding-Ehlbeck (v.l.), Stellvertreterin Birte Bendrich, Cloud-Beauftragte Ilka Eilers und dem medienpädagogischen Berater Cord Gerken steht das Programm „Bildungscloud“. Foto: Hey
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Scheeßel – Die Schließung der Schulen während der Corona-Pandemie bedeutete nicht nur Unterrichtsausfall, sondern auch fehlenden Kontakt zwischen Schülern und Lehrern, Wegfall der Dienstbesprechungen, keine Kommunikation im Team. Das alles soll nun ein Instrument richten, das von der Regierung unter dem Titel „Bildungscloud“ firmiert. Die Grundschule Scheeßel gehört zu den ersten Schulen des Landkreises, deren Antrag auf Teilnahme am digitalen Tool den Zuschlag erhalten hat.

Das Pilotprojekt, das für eine digitale Vernetzung unter Lehrern, zu Schülern, Eltern und anderen Schulen sorgen soll, ist eigentlich schon älter. Seit 2017 haben rund 40 Testschulen in fünf Bundesländern damit gearbeitet; „eigentlich sollte der Versuch bis 2021/22 laufen“, erzählt Cord Gerken. Der Lehrer des St.-Viti-Gymnasiums betreut als einer von rund 80 „medienpädagogischen Beratern des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung NLQ Mobiles Lernen“ die Schulen im Landkreis Rotenburg.

Und das sind auf einmal eine ganze Menge, wurde das Projekt im Zuge der Schulschließungen doch auf alle interessierten Schulen ausgeweitet. Auch Meike Nerding-Ehlbeck bekundete für die Grundschule Bedarf: „Bei Dringlichkeit habe ich einfach mal einen Haken gesetzt“, erzählt die Schulleiterin. Mit Erfolg: Die Schüler von der Beeke sind unter den ersten von 2 000 Bewerbern, die sich zu dem System anmelden dürfen. Gerken erklärt wieso: „Andere Schulen können auf das Iserv-System zurückgreifen – die Grundschule hatte bis jetzt keinerlei Kommunikationssystem.“ Genau das haben Nerding-Ehlbeck und ihre Mitstreiterinnen in den vergangenen Monaten bitter zu spüren bekommen: Einen Fernunterricht mit allen Kollegen zu koordinieren, ohne eine einzige Dienstbesprechung abhalten zu dürfen, das sei schon schwierig gewesen.

Das wird nun ändern: Noch für diese Woche hat sie die erste Videokonferenz anberaumt. Zur Seite steht ihr Lehrerin Ilka Eilers als schuleigene „Beauftragte Digitalcloud“. Sie wurde zusammen mit ihren Mitstreitern anderer Schulen des Landkreises von Gerken in Videokonferenzen für das neue System fit gemacht. „Wenn alle Module durch sind, gibt es einen digitalen Stammtisch für Probleme“, erklärt Gerken, der sich in den vergangenen Wochen exklusiv mit dieser Aufgabe befasst hat.

Denn das vom Hasso-Plattner-Institut entwickelte System kann viel mehr als Videokonferenzen. Mit ihm können Lehrer Gruppen, sogenannte „Teams“ erstellen – von der Musikfachschaft bis zu allen Kollegen einer bestimmten Klasse oder Jahrgangsstufe. Diese finden ein Schwarzes Brett, Aufgaben, einen Stundenplan und Lernmaterialien vor – sogar die Hausaufgabenzettel können dort herunter- und wieder hochgeladen werden. Diese haben einige Klassenlehrerinnen vor Wochen teilweise noch persönlich bis an die Haustür gebracht – ein Service, der auf Dauer so nicht zu leisten wäre.

Auf die Eltern kommt, außer einer Einwilligung und Einrichtung des Accounts für das Kind, keine Extra-Arbeit zu: „Das System ist für die Nutzer sehr intuitiv zu bedienen“, hat Eilers festgestellt. Schon in der Krise habe sich gezeigt, dass von den rund 400 Schülern nur in ein bis zwei Familien kein Endgerät zur Verfügung stand. „Im Einzelfall finden wir eine Lösung“, verspricht Nerding-Ehlbeck.

Die Bereitschaft zur Erprobung des digitalen Helfers ist jedenfalls groß: Laut der stellvertretenden Schulleiterin Birte Bendrich können sich rund 50 Prozent der Lehrerinnen vorstellen, das Tool auch für den Unterricht mit den Grundschülern zu nutzen, beispielsweise mit interaktiven Tafeln. „Einige Kollegen haben sogar schon selbst Lehrvideos erstellt, aber das Hoch- und Herunterladen war wegen der Datenmengen bisher schwierig“, so Bendrich – das soll nun alles über die Cloud vereinfacht werden. Auch Gerken selbst hat an seinem Gymnasium bereits positive Erfahrungen mit dieser Art der Beschulung gemacht – sogar die digitale Unterrichtsverfolgung derjenigen, deren Gruppe gerade zuhause beschult würde, sei möglich – „und bringt was!“

Darüber hinaus schwärmt Gerken auch von der möglichen schulübergreifenden Vernetzung. Ein Beispiel: „An der Weser haben mehrere Schulen Messdaten zur Wasserqualität zusammengetragen – ein schönes Projekt!“ Zunächst kommt auf die Verantwortlichen und Nutzer jedoch einiges an Arbeit zu, schließlich müssen die „Teams“ eingerichtet werden, Ordner erstellt und Nutzernamen vergeben. Und dann kommt die Feuertaufe: die erste virtuelle Dienstbesprechung.

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